Creative Crew / Sonntag, 11. Dezember 2011 um 20:58 Uhr
von Cadda

Caddas Crewprojekt: Gesangsstunden

Crewprojekt - Gesangsunterrichtsbericht

Hey, liebe Community ! 

Als uns aus der Crew gesagt wurde, wir könnten uns ein eigenes Projekt aussuchen, welches dann verwirklicht würde, hatte ich viel zu viele Ideen. So viele Ideen, dass ich mich (fast) nicht für eine entscheiden konnte. Doch dass ich das jetzt hier schreibe, zeigt ja, dass ich es geschafft habe.

Ich singe gerne. Insgesamt ist Musizieren eine meiner größten Leidenschaften, deshalb habe ich mich schließlich entschlossen Gesangsstunden zu nehmen. Zuhause sing ich viel; begleite mich meist selbst am Klavier, aber es bleibt dann auch bei Zuhause.

Da ich von Natur aus schon etwas schüchtern bin, hab ich ein großes Problem damit, vor anderen Menschen zu singen. Dies ist eines der Dinge, die ich durch die Gesangsstunden verändern wollte.

Sehr bald nachdem ich mich für mein Projekt entschieden habe, wurde mir auch schon eine Gesangslehrerin zugeteilt. Birgit Schlenther, spezialisiert auf Jazz und Chanson. Genau, was ich gesucht habe, da ich mir extra Jazzgesangsstunden gewünscht habe (aus dem einfachen Grund, dass ich lieber Jazz als Pop höre und singen möchte).

Ich habe schonmal vor ein, zwei Jahren ein paar Gesangsstunden gehabt, deshalb wusste ich ungefähr wie es ablaufen könnte. Aber es hängt ja hauptsächlich von der Lehrerin ab,deswegen war ich schon ziemlich aufgeregt als ich mich auf den Weg zu meiner ersten Stunde machte. Erste Stunde, da ist es offensichtlich dass ich mich erstmal verlaufen muss. Typisch ich halt, doch irgendwann kam ich dann auch an. Nachdem ich freundlich begrüßt wurde, betrat ich einen schlicht ausgestatteten Raum mit zwei Pianos und einem riesengroßen Spiegel. Ich erzählte ihr, weshalb ich diese Stunden nehmen möchte und auch ein wenig über mich. Da ich ihr im Vorhinein gesagt hatte in welche Richtung die Stücke sein sollten, die ich singen würde, hatte sie eine Auswahl mitgebracht.

Ich entschied mich (erstmal) für „Warwick Avenue“ von Duffy. Doch bevor wir uns an das Stück machten, kamen erst ein paar Stimm- und Atemübungen dran. Um das Zwerchfell, welches für die Atmung und Stütze ganz wichtig ist, zu trainieren gibt es verschiedene Übungen. Bei einer muss man “s-s-s-s-..” oder “t-t-t-t-..” sagen. Wenn man es richtig macht und die Hand auf das Zwerchfell (ungefähr auf Magenhöhe) legt, kann man spüren, wie es jedes Mal zusammenzuckt.

Die Stimme trainiert man, indem man zum Beispiel auf “La-la-la-la-la” von einem Ton aus einen Dreiklang hoch und wieder runter sing und das gleiche dann vom nächsten Ton aus. Das ganze kann man dann so hoch machen wie man will. Dabei wird das Tonspektrum der Stimme trainiert sowie der Wechsel von der Brust- zur Kopfstimme. Nach 25 Minuten solcher Übungen kam dann das Stück dran. Sie begleitete mich am Klavier, während ich vom Blatt sang.

Die schwierigen Stellen wiederholten wir immer wieder, bis sie (immer besser) klappten. Tat das gut, mal wieder richtig zu singen! Die zweite Stunde war nicht sehr anders außer, dass ich mich diesmal nicht verlief und wir ein paar andere Atem- und Stimmübungen machten. Eine geht so: Mit dem „brr..“, welches kleine Kinder machen um Autogeräusche zu imitieren, singt man so hoch man kann und wieder runter. Normalerweise ist es immer etwas schwer die hohen Töne zu brummen, aber mit der Zeit klappt es immer besser. Diese Übung dient auch dazu das Zwerchfell und die Stütze zu trainieren. Wenn die sitzt, dann geht alles ganz locker! Das besondere an dieser Stunde war: ich durfte mir noch ein Stück aussuchen. Ich suchte mir „Natural Woman“ von Aretha Franklin aus. Ein souliges, aber schweres Stück !

Schwer wird's vor allem durch den großen Sprung wenn die Strophe in den Refrain übergeht (könnt ihr euch ja mal anhören, es ist schwierig zu beschreiben), aber genau dafür sind Gesangsstunden da: dass man an solchen „Problemchen“ arbeiten kann. In den folgenden Stunden arbeiteten wir an den Stücken und ich machte fleißig weiter meine Übungen. Es ist erstaunlich wie schnell solche Übungen sich auf die Stimme auswirken! Nicht lange nach der ersten Stunde merkte ich, dass ich zum Beispiel schon viel leichter (und) höher singen konnte!

Eigentlich hatte Birgit mir vorgeschlagen doch auch noch ein Musical-Stück zu singen, weil die Technik nochmal ganz anders ist (wer Musicals kennt, weiß was ich meine). Ich merkte aber, dass die Zeit doch zu knapp war, um sich wirklich damit zu beschäftigen. Dafür suchte ich mir dann ein drittes Stück aus. „Dindi“, ein Jazzsong, der von vielen Musikern bereits gecovert wurde - Ursprünglich stammt er aus der Feder des Brasilianers A. C. Jobim. Nach zwei Wochen Pause (meine Lehrerin hatte sich Urlaub genommen), war ich ganz ungeduldig und freute mich schon total auf die nächste(n) Stunde(n)!! Als sie wieder zurück war, erzählte sie mir, dass bald ein Schülerkonzert stattfinden würde, wo alle teilnehmen konnten, die Lust hatten. Ich dachte mir: warum nicht? Das ist doch ein schöner Abschluss, nach den sieben Gesangsstunden!

Also überlegten wir, welche Stücke ich dann singen könnte. Eine andere Schülerin wollte „Warwick Avenue“ singen, „Natural Woman“ war doch noch etwas zu schwer und zu „Dindi“ fanden wir keine Klaviernoten. Wir überlegten und einigten uns schließlich auf den Partyklassiker „I will survive“ von Gloria Gaynor und die Ballade „The look of love“ von Diana Krall. Zwei total unterschiedliche Stücke, aber das war gerade dass, was mir daran gefiel. Bei „I will survive“ konnte ich richtig die Sau rauslassen, bei „The look of love“ hingegen eine ganz weiche, träumerische Seite zeigen. Fleißig probten wir die Stücke und arbeiteten besonders am Ausdruck.

Die Stücke sollten ja schon überzeugend 'rübergebracht werden! Da es mir an manchen Stellen schwer fiel, deutlich zu singen, hatte sie eine neue Übung parat: Ich musste mir einen Flaschenkorken zwischen die Zähne klemmen, und den Text so lange damit sprechen, bis er halbwegs verständlich war (es ist viel schwerer als es sich anhört!!). Als ich ihn dann herausnahm, war ich überrascht, wie viel einfacher es war, deutlich zu artikulieren!

Je näher das Konzert rückte, desto nervöser wurde ich. Würde ich's wirklich schaffen vor so vielen Menschen alleine, nur mit Klavierbegleitung zu singen? Schon alleine stumm auf der Bühne zu stehen, mit all den Blicken auf mich gerichtet, machte mich nervös. Sie gab mir Tipps zur Beruhigung, redete mir gut zu und dann Stand der Termin schon vor der Tür. In einer Bar im Zentrum der Stadt fand es statt. Als ich dort ankam, war es schon überfüllt. Es standen sogar Leute draußen, an der Tür.

Mit zitternden Knien und meine Hand um die Songtexte geklammert, ging ich rein. Es hatte gerade angefangen. Alle, die vorsangen, sangen so gut! Würde ich das auch so hinkriegen? Mein Herz pochte immer schneller, je mehr das Konzert fortschritt und dann wurde ich angesagt. Zum Glück hatte ich das Mikro, welches mir etwas Halt gab. Die Pianistin stimmte an, und los ging's. Nach den ersten Tönen, die ich sang verstummte das Publikum, und alle hörten mir zu, doch ich merkte, dass ich gar nicht mehr nervös war!

Je länger ich sang, desto selbstbewusster wurde ich. Der Applaus überwältigte mich, aber ich war noch nicht vorbei. Ich hatte ja noch mein zweites Stück. Ich setzte mich wieder hin und wartete. Die Nervosität stieg wieder an, aber ich wusste, dass sie, sobald ich erstmal wieder angefangen hätte zu singen, wieder verfliegen würde. Das Zweite Stück machte mir sogar richtig Spaß! Voller neugewonnenem Selbstvertrauen sang ich „I will survive“ so überzeugend wie ich konnte. Schlüpfte ganz in das Lied rein, und nachher überraschte mich wieder das Klatschen und Pfeifen der Zuhörer.

Das macht schon Spaß, aufzutreten! Jetzt sind die Gesangsstunden leider vorbei, aber ich werde schauen, dass ich sobald wie möglich wieder damit anfange, denn Singen ist etwas, was mir richtig Spaß macht, und ich weiß, dass ich mich noch viel weiter entwickeln kann und möchte!! Zum Glück hat jemand vom Konzert eine Aufnahme gemacht, also könnt Ihr Euch mich mal anhören. Ich hoffe es gefällt Euch! :)
 

Cadda

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