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Blutiges Obst

intro

Deutschland, Dresden

2018

Hakim

Von der Kasse hörst du das monotone Piepen.

Waren über die Kasse ziehen. Seit du den Job im Discounter bekommen hast, fester Bestandteil deines Alltags. Eine seltsame Kombi aus Monotonie und Stress.

Du steuerst auf die Orangen zu. Das Einzige, was dich an deine Heimat erinnert.

Orange in die Hand nehmen

Dein Blick heftet sich an das Schildchen über den Orangen.

Dein Herz beginnt laut zu pochen. Herkunft: Italien. Kommt diese Frucht von der Obstplantage, auf der dein bester Freund illegal arbeitet?

Du hast schon lange nichts mehr von ihm gehört, hoffst, dass er nicht abgeschoben wurde. In seiner letzten Nachricht hat er dir geschrieben, dass er die Arbeitsbedingungen auf der Plantage nicht mehr lang aushält.

Orange angucken

Du wünschst dir, ihr hättet euch nach den harten Wochen im Flüchtlingslager nie getrennt.

Aber während er als sogenannter “Wirtschaftsflüchtling” aus Burkina Faso keine Hoffnungen auf Asyl hatte, bist du als Syrer nach Deutschland geflüchtet.

Der Gedanke, dass das ganze Obst von ihm gepflückt wurde, ekelt dich an. Von hinten grummelt jemand etwas Unverständliches.

Leuten Platz machen

In deinem Inneren kämpft der Wunsch nach der Süße der Orange, die dich die Einsamkeit ertragen lässt, mit der Bitterkeit, dass dafür womöglich dein Freund ausgebeutet wurde.

Doch was ist mit diesen Bio-Orangen aus Spanien?

Fast doppelt so teuer. Du brauchst jeden Cent, um deinen Eltern die Flucht aus Syrien zu ermöglichen.

Bio-Orangen kaufen
No-name-Orangen einstecken

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Deutschland, Schwarzwald, Villa

2018

Herr Grau

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Bioprodukte boomen. Offenbar legen immer mehr Menschen Wert auf ökologisch nachhaltige Produkte.

Du beschließt, das Bio-Sortiment zu erweitern. Aktuell verwendet der Konzern ein Biosiegel mit den niedrigsten Standards.

Damit du die Kosten noch weiter drücken kannst, überlegst du, wie du vielleicht eine eigene Bio Marke einführen kannst.

Seufzen

Dein ganzes Leben lang bist du nun schon Chef dieser Kette. Sie hat dir einen unglaublichen Reichtum von 41 Milliarden Euro gebracht und den Massenkonsum für die Armen möglich gemacht.

Das Discounter-Konzept war eine super Idee, die ersten Jahre konntet ihr die Konkurrenz mit innovativen Methoden unterbieten.

Doch dann brach der hässliche Preiskampf zwischen den Supermärkten los. Nachdem jegliches Potenzial zur Kosteneinsparung ausgeschöpft war, kamen die Löhne an die Reihe.

Diesjährigen Gewinn ansehen

Inzwischen sind die Löhne so niedrig, dass deinen Mitarbeitern selbst nichts anderes übrig bleibt, als in deiner Filiale die billigsten Produkte zu kaufen.

Mittlerweile kannst du ein Kilo Orangen für wenige Euros kaufen – aber was ist der wahre Preis?

Ausgebeutete Arbeiter, Umweltzerstörung, Klimawandel. Deine eigene Philosophie geht schon lange nicht mehr auf.

Überlegen

Das kann so nicht weitergehen.

Wie kannst du deine Macht als Konzernführer nutzen, um einen nachhaltigen Wandel zu bewirken, ohne dass der Konzern bankrott geht?

Durch Lobbyarbeit strengere Umwelt- und Sozialauflagen unterstützen
Kein konventionelles Obst mehr, sondern nur noch Bio anbieten

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Deutschland, Dresden

5 Jahre später

Hakim

Es ist Frühling, Veränderung liegt in der Luft.

Seit du Rebecca geheiratet hast, fühlst du dich in Deutschland viel wohler. Dank ihrer Hilfe konntest du sogar den Schock und die Trauer überwinden, als das Haus deiner Eltern in Syrien von Bomben zerfetzt wurde.

Du hast gelernt nach vorne zu schauen und den Menschen ihre gelegentliche Distanziertheit nicht übel zu nehmen.

Sojamilch über die Kasse ziehen

Das einzige, was deinen neuen Lebensmut trübt, ist die immer gleiche Arbeit beim Discounter.

Zwar erhältst du mittlerweile einen deutlich höheren Mindestlohn und das Angebot an plastikfreien und fair gehandelten Waren steigt beständig.

Doch du hast genug davon, Waren in Regale zu räumen, Geld zu wechseln und den Leuten einen guten Tag zu wünschen.

Kunden einen guten Tag wünschen

Deine Frau hat dir erzählt, dass die EU einen Nachhaltigkeitsindex eingeführt hat und innovative Ideen für die Transformation der Landwirtschaft unterstützt.
Plötzlich siehst du so viele Chancen!

Antrag einreichen, um eine Aquaponik-Farm aufzubauen
Kindheitstraum erfüllen und ein Grundstück nachhaltig bewirtschaften

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Deutschland, Dresden

27 Jahre später

Hakim

Niemals hättest du gedacht, dass Dresden sich so sehr wandeln könnte.

Die Menschen lächeln dir jetzt auf der Straße entgegen, grüßen freundlich.

Alle arbeiten nur noch wenige Tage die Woche in Jobs, die ihnen gefallen, denn um Essen muss sich keiner mehr Sorgen machen: Deine Aquaponik-Farmen haben sich in der ganzen Stadt ausgebreitet und produzieren so viel Nahrung, dass sich jeder kostenlos daran bedienen kann.

Weiter

Doch das Beste ist, dass sich dein alter Freund aus Burkina Faso zurückgemeldet hat.

Nachdem die Obstplantage wegen der neuen EU-Regelungen geschlossen worden war, ist er in seine alte Heimat zurückgekehrt.

Mit dem Geld, das ihm als Entschädigung ausgezahlt wurde, hat er einen solidarischen Betrieb gegründet. Inzwischen erfreut sich das Konzept der solidarischen Landwirtschaft in Burkina Faso großer Beliebtheit.

An die Zukunft denken

Seit der afrikanische Kontinent nicht mehr von billigen Waren aus Europa überschwemmt wird, hat sich das Land prächtig entwickelt.

In zwei Monaten wird dein Freund dich mit seiner Familie besuchen kommen und nach mehr als 30 Jahren werdet ihr euch endlich wiedersehen.

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Deutschland, Dresden

27 Jahre später

Hakim

Du bist erleichtert, wie gut euer Permakultur-Garten der verheerenden Dürre in den letzten Jahren getrotzt hat.

Es ist inzwischen so heiß hier, dass du die Bäume deiner alten Heimat anpflanzen kannst.

Langsam schlenderst du den kleinen trockenen Pfad entlang, der sich durch den dicht bewachsenen Garten schlängelt, bewunderst die schwarzen Oliven, die reifen Feigen und die jungen Orangenbäume, die du erst vor ein paar Jahren gepflanzt hast.

Weitergehen

Das kleine Stück Boden ist der ganze Stolz deiner Familie, verschafft euch Ansehen bei den Bewohnern der Stadt.

Dieses Jahr wird ein gutes Jahr, es wird genug Früchte geben, um die Offenen Küchen in den Stadtvierteln zu versorgen.

Die Zeit, als du noch in Plastik verpacktes Obst über die Kasse im Discounter gezogen hast, ist nur noch eine vage ungute Erinnerung, genau wie die bangen Monate, als du nicht wusstest, wie es deinem Freund geht.

Orange pflücken

Inzwischen lebt auch er in Deutschland, ist Chefkoch der Offenen Küchen und verköstigt die Schüler in der Mittagspause mit traditionellen Gerichten aus Burkina Faso.

Dadurch, dass sich alle Stadtbewohner das Essen teilen, ist die Solidarität größer geworden.

Du hoffst, dass sie stark genug ist, um auch angesichts der Herausforderungen des Klimawandels nicht zu Bruch zu gehen.

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Spanien, Almeria

4 Jahre später

Inspektor Gonzalez

Du bist Inspektor des Comité Andaluz de Agricultura Ecologica (CAAE), unterwegs zur Kontrolle von Biobauern in der umstrittenen Region Almeria.

Du fährst an riesigen Gewächshäusern aus Plastikplanen, Brunnen und Wasserrohrsystemen vorbei.

Vor dem Bio-Betrieb halten

Die Bauern führen dich in die großen Gewächshäuser. Es ist auffallend wenig los.

Vielleicht sind die Gerüchte über die schlechten Arbeitsbedingungen unbegründet. Du vermutest jedoch, dass die Arbeiter wegen der Kontrolle nicht zum Arbeiten gekommen sind.

Langsam gehst du durch das sonnenüberflutete Gewächshaus, an deinen Seiten unzählige Reihen von reifen Orangen.

Proben entnehmen

Mit den Erd- und Fruchtproben für das Lebensmittellabor im Gepäck, kommt dir plötzlich die Idee, noch einmal ins Umland Almerias an den Rand der Gewächshäuser zu fahren.

Was du siehst, schockiert dich. Du stehst auf ausgetrockneten Boden in einem Meer aus abgeranztem Plastik, das von den Gewächshäusern stammt.

Kopf schütteln

Das widerspricht allen Prinzipien der nachhaltigen Landwirtschaft!

Trotzdem hast du nichts gegen die Bauern in der Hand, denn das Biosiegel, unter dem sie produzieren, hat extrem niedrige Standards und verbietet diese Praktiken nicht.

Dir bleiben nicht viele Optionen.

Protestaktion starten, um die Konsumenten aufzuklären
Falsche Proben an das Labor liefern, damit die Bauern das Biosiegel verlieren

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Deutschland, Dresden

1 Jahr später

Hakim

Gelangweilt ziehst du die Waren über die Kasse, das monotone Piepsen immer im Ohr. Dir ist aufgefallen, dass die Menschen immer bewusster einkaufen und auf seriöse Qualitätssiegel achten.

Die Produkte mit gewissen Biosiegeln sind in Verruf geraten, seit ein spanischer Inspektor die sozialen und ökologischen Missstände angeprangert hat, die sogar in der Bioproduktion zu finden sind.

Orange über die Kasse ziehen

Inzwischen bist du sehr misstrauisch gegenüber den Produkten deiner eigenen Filiale geworden und hast dich stattdessen einer Verbrauchergemeinschaft angeschlossen, in der es nur regional angebautes Obst und Gemüse gibt.

Wenigstens hat dir dein Freund geschrieben, dass sich durch die Protestaktion die Kontrollen auch in Italien verstärkt haben. Seine Plantage musste schließen und er hat eine hohe Entschädigung erhalten.

An den Freund denken

Offenbar versuchen einige Betriebe durch Bestechung die Inspektoren dazu zu bringen, beide Augen zuzudrücken.

Du fragst dich manchmal, was für einen Sinn dieses ganze System hat, das die Menschen dazu bringt, so oft es geht zu tricksen. Auf dem Bildschirm vor dir summieren sich die Beträge: 1,49€, 2,89€, 4,76€…

Unverhofft fängst du an zu träumen. Kann es nicht eine Welt geben ohne Geld, ohne Preise, ohne Gewinnstreben?

Aufschauen

“Das macht 21,33 €. Einen schönen Tag noch.”, sagst du gedankenverloren zu der jungen Frau.

“Vielen Dank, Ihnen auch.” Sie schenkt dir ein strahlendes Lächeln.

Es ist dieses Lächeln, das dir Mut macht, an deinen Traum zu glauben.

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Deutschland, Dresden

6 Jahre später

Hakim

Es klingelt. Du liegst schon im Bett und schaust verwundert auf.

Eine unbekannte Nummer.

Verdutzt gehst du ran, die Stimme kommt dir bekannt vor. Er begrüßt dich scherzhaft auf Spanisch, aber du erkennst sofort den westafrikanischen Akzent.

Zuhören

Er erzählt dir, dass er nach Spanien geflüchtet ist, als er es auf der Obstplantage nicht mehr aushielt, und sein Asylantrag nach zwei Jahren angenommen wurde.

Ihm ging es schrecklich, lange Zeit lag er im Krankenhaus, kämpfte mit Krebs und Infektionskrankheiten.

Luft anhalten

Die Ärzte hatten bereits die Hoffnung verloren, doch er hat überlebt. Nun arbeitet er bei der spanischen Bio-Kontrollbehörde CAAE.

Sein Vorgänger wurde gefeuert, nachdem er dabei erwischt worden war, falsche Proben an die Labore zu schicken. Dein Freund wird den Job besser machen, du weißt, wie gewissenhaft er ist.

Momentan schickt er das meiste Geld, das er verdient, zurück nach Burkina Faso zu seiner Familie, aber in einem Jahr wird er genug gespart haben, um dich in Deutschland besuchen zu kommen.

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Italien, unbekannter Ort

2 Stunden später

Luigi

Als du wieder zu dir kommst, liegst du am Rand der Obstplantage und blickst in die schwarzen Augen eines Arbeiters, dessen Namen du vergessen hast.

“Trinken Sie.”, sagt er mit leichtem tunesischen Akzent und drückt dir seine Wasserflasche in die Hand. Die Sonne brennt dir unbarmherzig ins Gesicht.

Du musst wohl zusammengebrochen sein, als du die Arbeit auf der Plantage beaufsichtigt hast.

Mühsam einen Schluck trinken

Zu viel Hitze, dazu der Stress, weil die großen Supermarktketten schon wieder Druck machen.

Sie sind Meister darin, euch kleine Obstproduzenten gegeneinander auszuspielen und den Preis immer weiter zu drücken. Wer mithalten will, muss bereit sein, Opfer zu bringen.

Trotzdem schämst du dich ein wenig, während du die Arbeiter auf der Plantage beobachtest.

Die Augen zusammenkneifen

Schweiß glitzert auf ihrer dunklen Haut, aber ihre Gesichter zeigen keine Regung, während sie das Obst bewässern, die Erde bearbeiten, das Obst ernten.

Sie arbeiten von morgens bis abends für den Betrieb, schlafen unter einer Plastikplane und halten sich mit schierer Willensstärke bei Kräften.

Manchmal kommst du dir ein wenig vor wie ein Sklavenhalter.

Erschrocken blinzeln

Insgeheim sind doch auch die Arbeiter froh, dass sie überhaupt einen Job haben, oder?

Ansonsten wären sie bestimmt schon längst abgeschoben worden.

Aber musstest du ihnen wirklich auch noch das Geld für die schäbige Matratze abknöpfen?

Die Arbeiter in Zukunft besser behandeln
Kosten weiter niedrig halten, sonst landet ihr alle auf der Straße

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Italien, unbekannter Ort

1 Jahr später

Luigi

Deine letzte Plantage geschlossen. Andere Großbauern waren nicht so nachgiebig wie du.

Irgendwann konntest du dem Druck der Supermarkt-Konzerne nicht mehr statthalten und dein Betrieb wurde von anderen Bauern aufgekauft.

Erst jetzt, wo du aus dem Geschäft draußen bist, erkennst du die gefährliche Spirale von Abhängigkeit und Geld.

Zum Strand gehen

Überall bricht der Boden durch die Trockenheit auf.

Das Grundwasser wird abgepumpt, versalzen und verseucht, überall liegt das Plastik, das auf den Plantagen in der Sonne brüchig geworden ist.

Zum ersten Mal bricht etwas in dir, als du dir der ungeheuren Folgen der ausbeuterischen Agrarwirtschaft bewusst wirst.

Kopf schütteln

Du hast genug von diesem System, genug von der Konsumgier dieser Gesellschaft.

Sie hat deinen großen Traum, Bauer zu sein, zu einem Alptraum pervertiert.

Du fühlst dich kraftlos, eigentlich willst du nur noch deine Ruhe.

Bei einem Demeter Weingut bewerben
In die Berge gehen, weg von diesem Wahnsinn

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Italien, Weinberge

10 Jahre später

Luigi

Ein bitterer Beigeschmack liegt dir auf der Zunge, während du die zwei schneidigen Männer durch das Weingut führst.

Einer dieser Männer hat früher für dich gearbeitet, der andere, Hakem oder so, ist sein guter Freund aus Arabien – oder Syrien?

Zusammen haben sie einen Feinkostladen eröffnet, der es zu großer Berühmtheit gebracht hat.

Weinsorten präsentieren

Sie beraten sich kurz und entscheiden sich, den trockenen Rotwein in ihr Sortiment aufzunehmen.

Ein bisschen beneidest du sie schon um ihren Aufstieg. Aber auch du kannst dich glücklich schätzen.

Auf dem Weingut hast du zum ersten Mal erfahren, wie eine nachhaltige Landwirtschaft funktionieren kann.

Lächeln

Hier stehen nicht Profit und Wachstum an erster Stelle, sondern Mensch und Natur.

Trotzdem ist die Nachfrage nach euren hochwertigen Produkten ungebrochen.

Du hoffst, dass dieser Trend anhält und dass deine Enkel in einem Italien aufwachsen können, in denen kein Mensch mehr für die Nahrungsmittelindustrie leidet.

path_bab

Italien, Alpen

50 Jahre später

Luigi

Es ist so schön hier, dass du die Welt da unten mit all ihren Problemen schon längst vergessen hast.

Hier, in der Abgeschiedenheit der Alpen, hast du dir eine kleine Hütte gebaut, baust in einem Garten dein eigenes Gemüse an und hast mehrere Ziegen und Hühner, die dich mit dem Nötigsten versorgen.

Der Zauber der Berge hat dich in ihren Bann gezogen, aber die Zeit ist nicht stehen geblieben.

Ächzend vor die Hütte treten

Du hast gar nicht gemerkt, wie alt und hager du geworden bist.

Doch mit jedem Tag fällt es dir schwerer, das Beet frei von Unkraut zu halten, schmerzt dein Rücken, wenn du dich bückst, um die jungen Möhren aus der Erde zu ziehen.

Beet jäten

Seit fünfzig Jahren hast du niemanden mehr ausgebeutet, hast für dich selbst gesorgt, im Einklang mit der Natur gelebt.

Du bist stolz auf diesen Lebenswandel. Gleichzeitig merkst du, wie du dich von der Welt entfremdet hast.

Eines Tages wirst du einsam hier in den Bergen sterben. Niemand wird dich für deine Taten anklagen, aber auch niemand wird dich vermissen. Muss es wirklich so zu Ende gehen?

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Deutschland, Dresden

3 Jahre später

Filialleiterin

Es klopft vorsichtig, die Tür geht auf. Du siehst dem jungen Mann die Nervosität an, dabei arbeitet er schon seit drei Jahren in der Filiale.

Er grüßt und zeigt dir die Fotos von seinem Freund auf seinem Smartphone. Sein Freund hat sie heimlich gemacht, auf die Gefahr hin, seinen Job zu verlieren.

Jetzt ist er verschwunden. Wahrscheinlich wurde ihm sein Handy abgenommen.

Fotos angucken

Kaputte Zelte, umgeben von Plastikmüll, frustrierte und gereizte Menschen, unendlich lange Reihen von Obst, ein Arbeiter, der sich die Hände vors Gesicht hält, weil er etwas von den aggressiven Pestiziden abbekommen hat…

Die Bilder des Schreckens wollen einfach nicht enden.

Aufschauen

“Das Obst, das wir hier verkaufen, kommt von diesen Plantagen.”, sagt der junge Mann.

Sein Deutsch ist beinahe akzentfrei. “Bitte, können Sie nichts dagegen tun?”

“Ich bin nur eine Filialleiterin.”, erwiderst du, “Auf unsere Verträge mit den Zulieferern habe ich keinen Einfluss.”

Gespräch beenden

Die Bilder gehen dir nicht mehr aus dem Kopf. Wenn der Discounter nur zertifiziertes Obst verkaufen würde, wäre so etwas nicht passiert.

Doch viele deiner Kunden verdienen schlicht zu wenig, um sich Obst zu kaufen, das sozial und umweltverträglich hergestellt wurde.

Was würde mit eurem Umsatz passieren?

Bei deinem Chef für zertifiziertes Obst einsetzen
Idee verwerfen, lieber Kunden behalten

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Deutschland, Dresden

1 Jahr später

Hakim

Geistesabwesend ziehst du die Waren über das Band, vernimmst nicht einmal mehr das monotone Piepen.

Auf Initiative deiner Chefin hat der Konzern ein eigenes Siegel eingeführt, das nachhaltige Produkte kennzeichnet.

Ein bereits anerkanntes Siegel zu benutzen hätte die Waren zu teuer gemacht.

Kunden grüßen

Du bist deiner Chefin dankbar, dass sie sich für dich eingesetzt hat, aber du hast Zweifel an der Nützlichkeit des Siegels.

Die Produkte sind verdächtig billig und du glaubst nicht, dass die sozialen und ökologischen Standards, mit denen der Discounter wirbt, wirklich eingehalten werden.

Kunden verabschieden

Von deinem Freund hast du immer noch nichts gehört.

Du hast beschlossen, Deutschland bald zu verlassen und nach Italien zurückzukehren, um ihn zu suchen.

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Deutschland, Dresden

1 Jahr später

Hakim

Alles scheint so zu sein, wie immer: das monotone Piepen der Kasse, die Kaltschnäuzigkeit der Deutschen, die unfreundlichen Blicke, als solltest du von hier verschwinden.

Die Teilnahmslosigkeit angesichts des Leids auf der Welt lässt dich frösteln.

Der Bürgerkrieg in deiner Heimat dauert immer noch an.

Obst über die Kasse ziehen

Nur der Klimawandel ist schlimmer geworden.

Beim Anblick der alten Feigen- und Olivenbäume, die den Krieg überlebt haben und nun in der Hitze verdorren, bist du in Tränen ausgebrochen.

Seit du vom Schicksal deines Freundes erfahren hast, weinst du ohnehin ständig.

Dem Kunden einen schönen Tag wünschen

Dein Freund hatte nicht mehr die Kraft, weiter auf der Obstplantage zu arbeiten, konnte aber auch die Demütigung nicht ertragen, mit leeren Händen in sein Heimatland zurückzukehren, ohne irgendetwas von Europa mitgenommen zu haben außer Schwielen an Händen und Füßen.

Nachdem ihm sein Handy abgenommen wurde, konnte er nicht einmal mehr mit seiner Familie telefonieren.

Er sah keinen Ausweg mehr. Vor wenigen Wochen hat er sich umgebracht.


 
 
 
 

 
 
 

Dem Käfig entstiegen

intro

Japan, Tokio

2027

Seiko

Schweiß tropft dir von der Stirn, während du die mutierte Ratte anschaust, die dir englische Forscher geschickt haben. Es war eine naive Idee, Experimente mit dem Tier anzufangen.

Seit Neuestem hast du Pusteln auf deiner Haut und dir wird oft schwindlig.

Dazu kommen diese ständigen Alpträume…

Wasser trinken

Deinem Chef davon erzählen?

Er wird Panik schieben und dir vorwerfen, das Gesetz gebrochen zu haben.

Deinen Job bist du dann sicher los.

Schweigen
Trotzdem zum Chef gehen

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Japan, Tokio

1 Woche später

Seiko

Die Ratte starrt dich mit ihren Knopfaugen unbewegt an und bewegt leicht ihren Schwanz, wie eine Katze vor dem Angriff.

Du fühlst dich nervös.

Ein paar Wochen Abstand von dem Tier würden dir gut tun.

Augen schließen

Dir geht es wieder etwas besser.

Dein Chef hat dir angeboten, zu einem wichtigen Kongress nach Kenia zu fliegen.

Du fühlst dich geehrt, aber bist unschlüssig.

Angebot annehmen
Angebot ablehnen

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Kenia, Nairobi

1 Woche später

Seiko

Du stehst am Flughafen. Schweiß läuft dir übers Gesicht.

Der Kongress war ein voller Erfolg, doch das einzige, woran du denken kannst, ist diese rätselhafte Krankheit, die wieder ausgebrochen ist.

Mittlerweile hast du Pusteln am ganzen Körper.

Gepäck abgeben

Das Schlimmste ist: Offenbar ist diese Krankheit hochansteckend.

Du hast diese Pusteln vor einigen Tagen auch bei deinen Kollegen bemerkt.

Abflughalle betreten

Du denkst an die Führung durch die Slums von Nairobi, welche die Organisatoren des Kongresses veranstaltet haben.

Wahrscheinlich hast du dort Dutzende von Menschen angesteckt.

Wenn das rauskommt, könntest du im Gefängnis landen.

Ins Flugzeug steigen
Kenianische Behörden informieren

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Kenia, Nairobi

5 Jahre später

Seiko

Die Krankheit war tödlicher als die Pest.

Da niemand wusste, woher sie kam und kein Medikament zur Behandlung gefunden wurde, hat sich die Krankheit blitzartig über den gesamten Globus ausgebreitet.

Weiter

Überlebt haben die Krankheit, die durch ein Virus in einer mutierten Ratte verursacht wurde, nur eine halbe Millionen Menschen.

Du bist als einer der Ersten gestorben.

Deine Asche befindet sich in einem der riesigen unterirdischen Lager, damit du niemanden mehr gefährden kannst.

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Kenia, Nairobi

1 Jahr später

Seiko

Du liegst in einem überfüllten Krankensaal und weißt, dass der Moment gekommen ist.

Augen schließen

Als du die Behörden informiert hast, war es für die Menschen in den Slums bereits zu spät.

Dort leben alle so dicht beieinander, dass Abstand halten einfach nicht möglich ist.

Um die Ausbreitung zu verlangsamen, haben die Länder noch nie dagewesene Einreiseverbote verhängt, sodass du Kenia nicht mehr verlassen konntest.

Nach Luft schnappen

Dank des schnellen Handelns der Behörden wird die Krankheit früher oder später eingedämmt sein.

Du wirst es leider nicht mehr erleben.

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Japan, Tokio

2 Wochen später

Premierministerin

Ein seltsames Virus ist ausgebrochen und Schätzungen zufolge haben sich etwa 100 Menschen angesteckt.

Offenbar stammt das Virus von einem verrückten Forscher, der mit mutierten Ratten herumexperimentiert hat.

Wissenschaftler drängen dich dazu, strenge Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung zu verhindern.

Überlegen

Du weißt nicht, wie Ausgangssperren und Versammlungsverbote die psychische Gesundheit der Menschen beeinflussen werden.

Seit Jahren ist die Selbstmordrate besonders unter jungen Menschen hoch. Noch mehr bereitet dir die Wirtschaft Sorgen. Japans Wirtschaft geht es seit vielen Jahren nicht gut.

Den Leuten verbieten, zur Arbeit zu gehen, Universitäten und staatliche Firmen schließen – das alles könnte sich fatal auf den Wohlstand des Landes auswirken.

Keine Maßnahmen ergreifen
Maßnahmen ergreifen

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Japan, Tokio

2 Monate später

Seiko

Du liegst in einem überfüllten Krankensaal und würdest dem ganzen am liebsten sofort ein Ende bereiten, aber du bist mittlerweile zu schwach, um auch nur den Arm zu heben.

Wie schnell das Virus sich ausbreitet, erfährst du live vom großen Bildschirm am anderen Ende des Saals.

Kopf drehen

“Schon wieder 50 Tote.”, sagt der Nachrichtensprecher, “Erste Fälle jetzt auch in Taiwan und den USA. Regierung besorgt, da bereits 15 % der Bevölkerung erkrankt. Noch kein Gegenmittel gefunden.”

Du bist verzweifelt. Der Gedanke den Tod so vieler Menschen verantworten zu müssen, ist unerträglich. Für die japanische Gesellschaft bist du nur noch Abschaum.

Der einzige Trost, der dir bleibt, ist deine Ratte, die im Käfig neben dem Bett sitzt und dich verständnisvoll anschaut.

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Japan, Tokio

4 Wochen später

Seiko

Du schlägst die Augen auf.

Schläuche führen in deinen Körper und dicke Verbände liegen um deine Handgelenke.

Wie viel Zeit ist wohl vergangen, seit du versucht hast, dich selbst umzubringen?

Du bemerkst den Flachbildschirm am anderen Ende des Saals, auf dem die Nachrichten laufen.

Genauer hinhören

“…Virus ist vollständig unter Kontrolle.”, sagt die Nachrichtensprecherin, “Die 800 Betroffenen sind in Behandlung.

Die Regierung wird ab nächster Woche die Maßnahmen zurücknehmen.

Höchste Zeit, denn die japanische Wirtschaft hat Milliardenverluste gemacht.”

Augen schließen

Der Druck der Öffentlichkeit war auf die Dauer unerträglich. Doch jetzt kommt es dir feige vor, dich deiner Verantwortung zu entziehen.

Dein zukünftiges Leben wird ganz anders werden. Wahrscheinlich wirst du nie wieder ein Labor betreten dürfen.

Tausende Leute haben wegen deiner Unvorsichtigkeit ihren Job verloren. Doch mit dem Leben hat zum Glück niemand bezahlt – ein Licht am Ende des Tunnels.

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Japan, Tokio

2 Wochen später

Seiko

Dein Chef betritt das Labor. Du senkst den Kopf.

Er war nicht erfreut über deine Meldung, aber auch um deine Gesundheit besorgt. In den letzten 2 Wochen wurdest du von den weltweit besten Experten untersucht.

Du warst das Gesprächsthema Nummer 1 bei deinen Kollegen.

Grüßen

“Seiko, wir haben das Gutachten der Expertengruppe.”, sagt er und händigt dir eine dicke Mappe aus.

Deine Kollegen schauen interessiert auf.

“Offenbar hat die mutierte Ratte dich mit einem Virus angesteckt und dein Körper hat auf erstaunliche Weise reagiert.”

Gutachten lesen

Offenbar ist es den Wissenschaftlern gelungen, aus deinem Blut eine bisher unbekannte Substanz zu synthetisieren.

Diese kann, in großen Mengen angereichert, als hoch gefährliche biologische Waffe verwendet werden.

In kleinen Mengen könnte man sie aber auch gegen Hautkrebs verwenden.

Aufschauen

“Diese Substanz könnte die Firma reich machen. Wir würden sie gerne vermarkten, bevor sie jemand anderes entdeckt.”, sagt der Chef, “Sind Sie einverstanden?”

Du spürst die erwartungsvollen Blicke deiner Kollegen.

Nicken
Darauf bestehen, dass der Stoff zerstört wird

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Japan, Tokio

10 Jahre später

Seiko

Du liest den Brief zu Ende: “…bitte Sie, die Kosten für die Behandlung zu übernehmen.

Ich habe viel Geld für Ihr Medikament ausgegeben, woher konnte ich wissen, dass es mich krank macht?

Ich werde sterben, wenn Sie nicht helfen.”

Brief zusammenfalten

Dank jahrelanger harter Arbeit bist du zum Leiter des Pharmakonzerns aufgestiegen.

Der Verkauf des Medikaments gegen Hautkrebs hat dich und die Firma reich gemacht.

Allerdings hat das Medikament wohl Nebenwirkungen: Eine Lungenkrankheit, die nur mit teuren Medikamenten geheilt werden kann.

Überlegen

Die Bitte dieser Frau zu erfüllen, wäre ein heikler Präzedenzfall.

Du weißt nicht, wie viele Leute noch von Nebenwirkungen betroffen sind.

Jedem dieser Menschen die Behandlung zu bezahlen, würde deine Firma in die Pleite treiben.

Brief ignorieren
Der Frau die Behandlung zahlen

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Japan, Tokio

2 Monate später

Seiko

Die Zahl der Menschen, die an einer rätselhaften Lungenkrankheit sterben, steigt sprunghaft an.

Behörden haben herausgefunden, dass dein Medikament die Ursache ist und dich angeklagt.

Denken die etwa, du hättest die Menschen absichtlich umgebracht?

Anklageschrift zerreißen

Wie konnte es nur so weit kommen?

Warum hast du dich so von Geld und Ruhm blenden lassen?

Jetzt ist dein ganzes Vermögen verloren und die Gesellschaft verachtet dich.

Doch das Schlimmste sind die stillen Vorwürfe, die dir die Menschen machen, die durch dein Medikament gestorben sind.

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Japan, Tokio

2 Monate später

Seiko

Bei der Behandlung hat sich herausgestellt, dass diese Lungenkrankheit hoch ansteckend ist.

Bereits die gesamte Nachbarschaft der Frau hatte sich angesteckt.

Das Medikament darf mittlerweile nicht mehr verkauft werden und du musstest dein gesamtes Vermögen für die Schadensersatzklagen verwenden.

Doch wenigstens ist eine Epidemie vorerst verhindert.

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Japan, Tokio

4 Jahre später

Natsu

“Ein neuer Laptop?”

Seiko konnte deine Angewohnheit, alle zwei Jahre ein neues Gerät zu kaufen, nie ausstehen.

“Ich hatte keine Wahl. Ein-”

Auf die Lippen beißen

Du kannst ihm unmöglich sagen, dass dein Laptop gehackt und dir sensible Daten gestohlen wurden.

Du vermutest, dass irgendein Geheimdienst dahintersteckt.

Du weißt, worauf sie es abgesehen haben.

Zurückerinnern

Du konntest es nicht fassen, als Seiko vor 4 Jahren den neuen Stoff zerstören wollte.

Er hätte vielen Menschen helfen, reich und berühmt werden können. Als seine beste Freundin hast du dich angeboten, den Stoff und alle Informationen über ihn zu zerstören.

In Wirklichkeit hast du heimlich daran weiter geforscht. Du hast herausgefunden, wie man den Stoff in großen Mengen herstellen kann und das Verfahren auf deinem Laptop gespeichert. Und jetzt wurden dir diese Informationen gestohlen.

Wegschauen

Was tun?

Seiko davon erzählen?

Damit könntest du eine tiefe Freundschaft zerstören.

Und wer weiß, auf welche Ideen die Geheimdienste kommen…

Wahrheit sagen
Schweigen

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Japan, Tokio

2 Jahre später

Seiko

Du stehst vor Natsus Grab und kämpfst mit den Tränen. Du hast sie sehr gemocht, doch in den letzten Monaten ihres Lebens ging eure Beziehung zu Bruch.

Sie konnte dir nicht mehr in die Augen sehen. Du weißt, dass sie dir etwas verheimlicht hat, und dass dieses Geheimnis mit ihrem Mord zusammenhängt.

Doch du kannst sie nicht mehr fragen und diese Ungewissheit zerreißt dir fast das Herz.

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Japan, Tokio

3 Monate später

Seiko

Niemals hättest du Natsu so etwas zugetraut.

Als ihre Unfehlbarkeit abfiel wie eine Maske, ist eine Welt für dich zusammengebrochen. Aber am Schluss hast du ihr verziehen. Ihr habt die Sache an die Öffentlichkeit gebracht.

In den Vereinten Nationen wird nun ein neues Übereinkommen ausgearbeitet, das die Nutzung des Stoffes als Waffe verbietet.


 
 
 
 

 
 
 

Du bist, was du isst

intro

USA, Houston, Texas

2016

Toni

Endlich Schule aus.

Du freust dich schon auf das Basketball-Training, aber vorher musst du unbedingt was essen. Dir knurrt der Magen.

Du steuerst den alten Snack-Automaten am Schulausgang an. Dir läuft schon das Wasser im Mund zusammen, aber du hast ein ungutes Gefühl.

Schokoriegel anschauen

Im Geographie-Unterricht hast du eine krasse Doku angeschaut:

Offenbar werden für die Produktion von Süßigkeiten Unmengen an Palmöl verwendet, was zur Zerstörung des Regenwalds führt… Du willst die Palmölindustrie nicht weiter unterstützen.

Magenknurren ignorieren

Deine Familie kann es sich nicht leisten, dir viel Taschengeld zu geben, deshalb musst du genau überlegen, wofür du es ausgibst.

Bei McDonald’s einen Cheeseburger holen
Einen Snickers kaufen…vielleicht das nächste Mal etwas palmölfreies

path_a

USA, Houston, Texas

15 Minuten später

Miguel

Es ist Spätnachmittag, die anstrengendste Zeit in der McDonald‘s Filiale.

Dich quälen nicht nur die Müdigkeit und der Geruch von frittiertem Öl, sondern auch die ätzende Langeweile.

Warum machst du diese Arbeit überhaupt?

Gähnen

Fünf Jahre lang hast du BWL studiert und Unmengen an Geld an die Uni abgedrückt, nur um jetzt drei schlecht bezahlte Jobs auf einmal zu machen.

Bis deine Schulden abgearbeitet sind, wird es weitere vier Jahre dauern.

Wie willst du das durchhalten?

Teenagerin anblicken

Sie hält dir ein paar Scheine hin. Ihre Bestellung nimmst du gar nicht mehr richtig war.

Du drehst dich um, deine Hände greifen automatisch nach dem Fleisch, den vier Scheiben Gurken im Glas, dem fettigen Käse.

Du denkst schon lange nicht mehr darüber nach, was du eigentlich machst, es ist fast so, als würdest du dir selbst bei der Arbeit zusehen.

Fleisch warm machen

Übelkeit steigt in dir auf und du drehst dich kurz weg.

Das Fleisch von tausenden Rindern in einem Patty… Massenzucht, Methan-Emissionen, Antibiotikaresistenz… eigentlich willst du mit der klimaschädlichen Fleischindustrie gar nichts zu tun haben.

Zeit, Klartext mit deiner Chefin zu reden.

Vorschlagen, die Filiale zu schließen und Bio-Burgerladen eröffnen
Gehaltserhöhung verlangen. Vom Tellerwäscher zum Millionär heißt es doch

path_aa

USA, Houston, Texas

10 Jahre später

Toni

Du sitzt im bekannten Bio-Burgerladen und beißt in den saftigen Falafel-Burger.

Früher war hier der McDonald‘s, in dem du häufig Cheese-Burger gegessen hast, aber mittlerweile erzählst du nicht mehr gerne, wie oft du da warst.

Foto vom Burger posten

Die Doku über Palmölplantagen hat dich nicht mehr losgelassen. Du hast Journalismus studiert und drehst nun selbst investigative Dokus.

Momentan bist du einer heißen Sache auf der Spur:

Offenbar verwendet McDonald’s trotz Nachhaltigkeitsversprechungen mit Hormonen angereichertes Schweinefleisch in seinen Burgern.

Mails checken

Du stutzt und liest die Mail in deinem Spam Ordner noch einmal.

McDonald’s hat von deinen Recherchen erfahren und bietet dir 1 Million Euro, wenn du die gesammelten Beweise vernichtest.

Sie drohen, dich wegen Verleumdung anzuklagen. Eine Abmahnung einer renommierten Kanzlei befindet sich schon in deinem Postfach. Langsam sickert in dein Bewusstsein, was das für dich bedeutet.

Entscheiden

Mit 1 Million kannst du deine Schulden zurückzahlen und einen Film über das massive Artensterben im tropischen Regenwald drehen.

Zeit, dich mit McDonald’s anzulegen, bleibt dir noch dein ganzes Leben.

Gleichzeitig fühlst du dich verpflichtet, die Wahrheit ans Licht zu bringen, selbst wenn du dafür ins Gefängnis musst.

Drohung ignorieren
McDonald’s Angebot annehmen

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USA, Houston, Texas

30 Jahre später

Toni

Du bist schon wieder in deiner Heimatstadt in deinem Lieblingslokal. Es war die richtige Entscheidung, deine Doku zu veröffentlichen.

Unter dem Druck der Öffentlichkeit, wagte es McDonald’s nicht, seine Drohungen wahrzumachen.

Wenige Monate später ging das Unternehmen pleite, viele weitere Fastfood-Ketten folgten. Inzwischen sind die großen Fastfood-Ketten der Welt verschwunden…

Speisekarte lesen

Burger ist hier wie immer der Verkaufsschlager. Allerdings muss kein Tier mehr dafür sterben. Fleisch wird im großen Stil künstlich gezüchtet und alle anderen Lebensmittel werden lokal in ehemaligen Schiffscontainern angebaut, die sich meterhoch am Stadtrand türmen.

In Houston wurde viel Geld in robuste Infrastruktur gesteckt. Die Schäden, die durch Hurrikans und Überschwemmung entstehen, muss der industrielle Komplex bezahlen.

Seit es Grundeinkommen gibt, trauen sich die Menschen, falsches Verhalten von Großunternehmen anzuprangern und verwirklichen in Eigeninitiative nachhaltige Wirtschaftskonzepte.

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USA, Houston, Texas

30 Jahre später

Miguel

Es ist Peak hour und deine Burgerbude ist brechend voll.

Du bist aufgeregt, denn du möchtest deinen Gästen heute eine Doku über jenes unscheinbare Mädchen zeigen, das früher so häufig zum Burgeressen kam.

Film starten

Aus ärmlichen Verhältnissen kommend, hat sie sich hochgearbeitet und erschütternde Filme gedreht, die um die Welt gingen.

Ihre Recherchen, die man nach ihrem Tod an einem geheimen Ort fand, brachten die schmutzigen Praktiken von McDonald’s und der Fleischindustrie ans Licht.

Vegetarischen Burger servieren

Ihr ist es zu verdanken, dass es mittlerweile keine Fastfood-Ketten mehr gibt.

An ihre Stelle sind kleine Imbisse getreten, die dein Geschäftsmodell nachgeahmt haben und frisches und regionales Essen verkaufen.

Der Klassiker bei den Teenagern ist Mehlwurmpizza.

Eine kleine Pause machen

Schade nur, dass der Film tragisch endet:

Als die Dokumentarfilmerin im indonesischen Regenwald als Orang-Utan getarnt die letzten verbliebenen Exemplare der inzwischen ausgestorbenen Art filmt, wird sie von einem Wilderer unglücklicherweise erschossen.

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USA, Texas, unweit von Houston

10 Wochen vorher

Nr. 40-5998

In deinem Magen grummelt es und eine Ladung Gas bahnt sich seinen Weg aus deinem Körper.

Deine Leidensgenossen neben dir geht es nicht anders. Dein Leben spielt sich auf weniger als 3 Quadratmeter ab, besteht nur aus fressen und schlafen.

Was eine Wiese ist, weißt du nicht, denn alles, was du kennst, ist das künstliche Licht und der harte und feuchte Betonboden, auf dem du schon häufig ausgerutscht bist.

Aufstoßen

Dein ganzes Leben hast du gewartet. Heute ist es soweit.

Du siehst bereits die Menschen kommen. Du hast schon häufig beobachtet, wie die anderen aus dem Gebäude getrieben wurden.

Sie dachten, sie würden nun endlich aus ihrem Gefängnis entkommen, freuten sich auf die Freiheit. Du hast sie nie wieder gesehen.

Du bist voller Vorfreude. Endlich hat die ewige Monotonie ein Ende und dein Leben einen Sinn!
Dein Stresspegel steigt. Du ahnst, dass dir Schlimmes bevorsteht.

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USA, Texas, unweit von Houston

9 Wochen vorher

Nr. 40-5998

Erst als du in den Schlachthof gebracht wirst, wird dir bewusst, dass dein Leben sehr bald ein Ende nehmen wird.

Enttäuschung macht sich in dir breit. So sehr hattest du gehofft, noch einmal die Sonne zu sehen.

An deine unbekannte Mutter denken

Der Mensch richtet sein Bolzenschussgerät auf deine Stirn.

Du hast keine Chance, auszuweichen.

Du fühlst dich wie betäubt, glaubst bereits, das Schlimmste hinter dir zu haben… aber als dir das Messer in die Kehle fährt, merkst du, dass der Schuss nicht richtig getroffen hat.

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USA, Texas, unweit von Houston

9 Wochen vorher

Nr. 40-5998

Als du in den Schlachthof gebracht wirst, hast du plötzlich keine Angst mehr.

Lieber sterben als weiter vor sich hinvegetieren.

Nur der Gedanke, dass deine Leiche später in kleinen Stücken in den Mägen der Menschen landen wird, findest du irgendwie entwürdigend.

Auf den Tod warten

Du hoffst, dass du dir in deinem Leben als Rind genügend gutes Karma ansammeln konntest, um im nächsten Leben als Mensch wiedergeboren zu werden.

Eins weißt du jetzt schon: Du wirst Vegetarier sein.

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Indonesien, Insel Sumatra

3 Jahre später

Koko

Weißer Dampf steigt nach oben, winzige Tröpfchen bedecken dein Fell.

Es ist schwül und heiß.

Das ständige Gezwitscher der Vögel, das Rascheln der großen und dicken Blätter und das Gewusel tief unten am Boden des Waldes nimmst du gar nicht bewusst wahr, aber es gibt dir ein Gefühl der Sicherheit.

Dein Bein anschauen

Die schwarze Stelle schmerzt. Es ist eine verkrustete Narbe, die du dir zugezogen hast, als du in ein Buschfeuer geraten bist. Dein Revier ist geschrumpft.

Immer wieder siehst du die trockenen Flächen vor dir, ohne einen einzigen Baum.

Abgestorben und tot. Und dann beginnen schnurgerade Reihen von Gewächsen, riesige Monokulturen voller Palmölpflanzen.

Aufschrecken

Das Geräusch einer Motorsäge fährt dir in die Knochen.

Du hörst ein Knacksen.

Jemand ist in dein Territorium eingebrochen!

Flüchten so schnell du kannst
Eindringling beseitigen

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Indonesien, Sumatra

2 Stunden später

Soko

Du liegst auf der Lauer und wartest darauf, dass sich der Orang-Utan zeigt.

Dein Beruf als Wilderer ist noch schwieriger geworden, seit du dich mit Farmern, Tierschützern und Rohstofffirmen um die Ressourcen des Regenwalds streiten musst.

Dazu kommen die ständig wachsenden Palmölplantagen, die die Fläche des Regenwalds ständig verkleinern.

Beine strecken

Ungeduldig schaust du dich um. Die Sonne steht bereits tief und du musst endlich wieder einmal etwas schießen.

Ein toter Orang-Utan bringt dir auf dem Schwarzmarkt genug Geld ein, um für mehrere Monate gut zu leben.

Aufstehen

Plötzlich hörst du ein leises Knirschen. Ungefähr 30 Meter vor dir schwingt sich ein Orang-Utan auf die nächste Baumkuppel.

Du hältst den Atem an und legst an. Durch die Zielvorrichtung kannst du das Tier genauer beobachten. Sein Bein sieht seltsam aus, als wäre es verbrannt.

Das Tier bleibt sitzen. Jetzt!

Gewehr entsichern

Deine Hand streift über den Lauf, verharrt.

Orang-Utans sind bedroht und dir gegenüber völlig wehrlos.

Andererseits… das Tier ist verwundet, früher oder später wird es ohnehin sterben.

Dein Herz rast.

Gewehr senken
Abdrücken

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Indonesien, Sumatra

10 Jahre später

Toni

Du bist beeindruckt, als du dich von Soko durch die Reste des Regenwalds führen lässt.

Früher ein Wilderer, arbeitet er jetzt bei einer lokalen NGO, die sich für den Schutz des Regenwalds einsetzt.

Soko ist zufrieden mit seinem Job, denn er hat endlich das Gefühl, etwas Sinnvolles für den Planeten zu tun. Damit ist er der ideale Interviewpartner für dein Buch über den illegalen Ausbau von Palmölplantagen.

Gespräch starten

“Gibt es etwas, das du den Leserinnen meines Buches unbedingt mitteilen möchtest?”

“Ich wünsche mir nur, dass die Menschen in den reicheren Ländern der Erde weniger Palmölprodukte kaufen.”, sagt Soko, “Gegen die globale Nachfrage nach billigem Öl hat unsere NGO kaum eine Chance.”

Du nickst. Du weißt selbst, wie schwierig es ist, auf Palmölprodukte zu verzichten. Doch langsam wachen die Konsumierenden auf. Wird dein Buch sie dazu bringen, ihr Verhalten endlich zu ändern?

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Indonesien, Sumatra

2 Sekunden später

Soko

Die Kugel zischt haarscharf am linken Ohr des Orang-Utans vorbei.

Erschrocken zuckt das Tier zusammen und verschwindet blitzschnell in den Baumkronen des Regenwaldes.

Fluchen

In dem Moment raschelt es neben dir. Eine Hand packt dich und bis du begreifst, was geschieht, befindest du dich schon mit deinem Gesicht im Dreck.

Du spürst einen fauligen Atem neben deinem Gesicht.

“Wilderei ist nach indonesischem Gesetz verboten!”, sagt ein Polizist in Tarnuniform, “Sie sind hiermit verhaftet!”

Stöhnen

Handschellen klicken, du siehst förmlich das Grinsen in seinem Gesicht.

Du weißt nicht, ob es dieses Gesetz wirklich gibt, aber gegen die Willkür der Behörden kannst du wenig tun. Du bist fassungslos über so viel Scheinheiligkeit.

Würden sich die Behörden auch nur einen Deut um diese Tiere scheren, würden sie einfach die Palmölplantagen verbieten.

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USA, Houston, Texas

2 Wochen vorher

Toni

Seit du mit Edward zusammen bist, sind deine Geldsorgen dahin.

Er arbeitet im Management eines bekannten Süßwarenherstellers und verdient genug, um euch einen dreiwöchigen Urlaub auf Sumatra zu bezahlen.

Die letzten lebenden Orang-Utans zu sehen war schon immer dein Traum.

Abflughalle betreten

Gerade als ihr euch einen Schokoriegel teilen wollt, hörst du plötzlich Trillerpfeifen und Geschrei. Eine Hand voll Umweltschutz-Aktivisten rückt an.

Sie protestieren gegen den Flugverkehr und den rücksichtslosen Umgang mit bedrohten Tierarten. Schnell lässt du die Tickets in deiner Jackentasche verschwinden.

“Sicher, dass du fliegen willst?”, fragt dein Freund, “Die Orang-Utans könnten wir auch im Zoo angucken…”

Widerwillig zustimmen
Nicht auf die Reise verzichten

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USA, Houston, Texas

2 Jahre später

Koko

Du drückst deinen Kopf gegen das kalte Glas und starrst auf das Liebespaar.

Die Frau schaut dich mit einer Mischung aus Interesse und Enttäuschung an und macht ein paar Fotos von dir.

Gegen das Glas hauen

Mit aller Kraft wünschst du dir, das Glas zerbrechen und fliehen zu können, dich in eines der Flugzeuge zu setzen, die jeden Tag über den Zoo fliegen, und zurück nach Indonesien in deine alte Heimat zu kommen.

Du hättest den Menschen mit der Motorsäge nicht angreifen sollen. Du hast ihn nicht richtig erwischt, wurdest von ihm betäubt und bist in diesem schrecklichen gläsernen Gefängnis aufgewacht.

Durch das Glas gucken

Gelangweilt holt der Mann einen Schokoriegel hervor, dann schlendert das Paar weiter zu den Giraffen.

Wütend schleuderst du ihnen eine Bananenschale hinterher.

Sie prallt am Glas ab und rutscht langsam herunter, eine gelbe Schliere hinter sich herziehend.

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Indonesien, Sumatra

2 Wochen später

Toni

Während Edward im Hotel bleibt, bist du auf dem Weg ins Orang-Utan-Reservat.

Knappe zwei Stunden fährt der Jeep auf einer unbefestigten Straße immer tiefer in den Urwald. Immer wieder siehst du Menschen mit Motorsägen, die illegal Bäume fällen.

Irgendwo steigt Rauch aus dem Wald. Der Jeep kommt zum Stehen, der Eingeborene bietet dir an, dich im Dschungel herumzuführen und will dafür einen horrenden Preis.

Ablehnen

Seine Warnungen über illegale Wilderer und Holzfäller ignorierend, stürzt du dich ins Abenteuer.

Immer tiefer dringst du in den Wald, fasziniert von der Vielzahl unterschiedlicher Pflanzen und dem Vogelgezwitscher.

Nur das Geräusch einer Motorsäge irritiert dich.

Stehenbleiben

Neben dir knackst es unangenehm laut.

Im nächsten Moment kracht ein Baumriese neben dir zu Boden. Du stehst da wie erstarrt und siehst dich einem Orang-Utan direkt gegenüber.

Du starrst auf die prominente Narbe, die das Tier am Bein hat, unfähig, dich zu rühren, während das Tier langsam näherkommt.


 
 
 
 

 
 
 

Du lebst nur einmal

intro

Südafrika, Kapstadt

Sommer 2018

Yannie

Du stehst auf dem Tafelberg an deinem Lieblingsplatz und schaust auf den Hafen deiner Heimatstadt.

Kleine Schiffe voll beladen mit Touristen schaukeln auf dem Wasser, das in der Sonne blitzt.

Ihr Ziel ist Robben Island, die Insel, auf der Nelson Mandela 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte. Er hatte es gewagt, sich für ein Südafrika einzusetzen, in dem Menschen mit dunkler Hautfarbe die gleichen Rechte hatten wie Menschen mit heller Hautfarbe.

Den Schiffen nachschauen

Auch dank seines Einsatzes konntest du in einem demokratischen Staat aufwachsen und gehst zusammen mit weißen und schwarzen Teenagern zur Schule.

Aber nur weil das System “Apartheid” offiziell Geschichte ist, heißt das nicht, dass Südafrika eine heile Welt ist. Ein Spaziergang in der Nähe deines Zuhauses – im Township Philippi – genügt, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Einige deiner Freunde, mit denen du in der Grundschule gespielt hast, leben mittlerweile auf der Straße und verkaufen Drogen.

An die Zukunft denken

Du willst einen anderen Weg gehen. Du wirst in einer besseren Gesellschaft leben, als jetzt.

Du möchtest deiner Mutter ein gutes Leben ermöglichen, wenn sie alt ist.

Dein größter Traum ist, dass die Menschen zu dir aufsehen, stolz auf dich sind…

Doch wie willst du schaffen?

Hart arbeiten und reich werden
Dich für die Menschen vor Ort einsetzen

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Großbritannien, Oxford

5 Jahre später

Yannie

Du kannst es kaum glauben, dass du tatsächlich einen Platz an einer britischen Eliteuniversität ergattert hast.

Es ist ein prächtiger Septembertag, die Sonne scheint dir ins Gesicht und trotzdem fühlst du Wehmut in dir aufsteigen.

Du bist allein in einem fremden Land und hast das Gefühl, als würden die Leute auf der Straße dich merkwürdig anschauen, als gehörtest du nicht dazu.

Den gepflegten Rasen bewundern

Du denkst an deine Mutter, die ihr Bestes getan hat, um dir das Studium zu ermöglichen. Es hat nicht gereicht, du musstest viel Geld leihen, um für die Studiengebühren zu bezahlen.

Sie will nur, dass du glücklich bist. Aber was bedeutet Glück für dich? Wie soll dein zukünftiges Leben aussehen?

Was willst du die nächsten Jahre studieren? Du weißt, dass diese Entscheidung deinen weiteren Lebensweg entscheidend prägen wird.

Langsam über den Rasen laufen

Physik hat dich schon in der Schule fasziniert.

Heimlich träumst du sogar von einem Nobelpreis.

Andererseits stehen deine Chancen mit “Businessmanagement” gut, später für die wichtigsten Firmen der Welt arbeiten zu können.

Physik studieren
Businessmanagement studieren

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Großbritannien, Oxford

40 Jahre später

Yannie

Der Brief ist von einem großen Energiekonzern.

Du ahnst, was sie wollen…

Mit einem Team internationaler Experten ist es dir gelungen, Pläne für einen Kernfusionreaktor zu erstellen, der wirtschaftlich rentabel ist.

Das könnte die langersehnte Lösung für die Energieprobleme der Menschheit sein.

Brief öffnen

Der Konzern bietet dir an, die Rechte an den Bauplänen abzukaufen. Sie wären bereit, Unsummen dafür zu zahlen.

Damit könntest du dir endlich deinen Kindheitstraum von Yachten, großen Häusern am Strand und einem Leben in Luxus erfüllen.

Andererseits hattest du eigentlich vor, die Pläne der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, damit alle etwas davon haben.

Angebot annehmen
Angebot ablehnen

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Südafrika, Kapstadt

2 Jahre später

Yannie

Für deine Mutter kam das Geld zu spät. Gerade als die Villa am Strand fertig war, ist sie gestorben.

Jetzt stehst du alleine auf der Jacht, fühlst dich einsam. Viele Leute trauen dir nicht zu, dass du es als schwarze Frau aus den Townships mit eigener Arbeit zu so großem Reichtum gebracht hast.

Weiße Männer, die Fotos von Champagner-Parties ins Internet stellen, werden gefeiert. Du erhältst bloß Hasskommentare.

Zum Hafen schauen

Über den ganzen teuren Yachten thront unverändert der Tafelberg, auf den du früher so gerne gestiegen bist.

Früher hast du dir immer Geld gewünscht.

Jetzt weißt du gar nicht, wohin mit deinem Vermögen, und trotzdem hast du irgendwie dein Glück verloren.

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Südafrika, Kapstadt

10 Jahre später

Yannie

Nachdem dir als erste Südafrikanerin der Nobelpreis in Physik verliehen wurde, hat dich deine Heimatstadt zur Ehrenbürgerin ernannt.

Du lebst wieder im selben Township, in dem du aufgewachsen bist, doch es ist nicht wiederzuerkennen.

Du hast deine Erfindung frei verfügbar gemacht unter der Bedingung, dass auch die Energie, die durch deine Reaktoren erzeugt wird, frei verfügbar ist.

Deshalb ist Strom mittlerweile ein öffentliches Gut.

Umsehen

Die Sonne ist schon untergegangen, doch unter dir funkeln die Townships in neuem Glanz.

Eigentlich sind es keine Townships mehr.

Die Viertel sind hell erleuchtet, sauber und modern.

Das einzige, was geblieben ist, ist die Solidarität der Menschen.

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Großbritannien, London

10 Jahre später

Yannie

Die Rufe der Demonstranten hallen durch die Abflughalle.

Sie schreien “Klimakiller”, “Don’t melt our future” und “Climate Justice”.

Mithilfe deiner Bodyguards schaffst du es bis zum Terminal und betrittst verschwitzt das Flugzeug.

Du bist schon wieder hinter deinem Zeitplan.

Mails checken

Seit du Managerin einer großen Modefirma bist, fühlst du dich permanent unter Stress.

Selbst deine Mutter, die du aus dem Township nach London geholt hast, siehst du kaum noch.

Andererseits genießt du die Anerkennung, die du durch deinen Job bekommst. Du liebst es, in der Business Class zu fliegen und neue Länder kennenzulernen.

Mails beantworten

Die Vorwürfe der Demonstranten haben dich trotzdem getroffen.

Du weißt, wie umweltschädlich dein Lifestyle ist, und wenn die Welt so weitermacht, wird deine Heimatstadt Kapstadt überschwemmt werden.

Doch es ist so schwierig, etwas zu tun. Nicht mehr zu fliegen, bedeutet, alles aufzugeben, was du dir aufgebaut hast.

Weitermachen wie immer – alle anderen tun es auch
Radikalen Lebenswandel riskieren

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Großbritannien, London

20 Jahre später

Yannie

Stromversorgung zusammengebrochen.

Müll türmt sich meterhoch in den Straßen, wird von sturzflutartigem Regen in eine stinkende Masse verwandelt.

Menschen leiden wieder an Malaria – entgeistert betrachtest du die Bilder deiner Heimatstadt, die das Nachrichtenprogramm unbarmherzig über den Bildschirm flimmern lässt.

Smartphone zur Seite legen

Mit jedem Meter, den die Themse weiter ansteigt, verliert deine kleine Wohnung an Wert.

London ertrinkt, und mit ihm seine Reichtümer: der Buckingham Palast, das Finanzzentrum, die teuren Immobilien.

Die Stimmung ist gereizt, fremdenfeindlich. Obwohl du bereits seit mehr als 30 Jahren hier lebst, fühlst du dich nicht mehr willkommen.

Fenster öffnen

Du schaust nach unten, auf die dunkle Brühe der Themse.

Ein Schritt – in die Tiefe stürzen – ins Wasser fallen und an der Küste vor Kapstadt wieder auftauchen, das wäre schön.

Trotz der schrecklichen Bilder vermisst du deine Heimatstadt. Aber Flieger verkehren aufgrund der drastischen Klimaschutzmaßnahmen nur noch selten.

Und in Kapstadt lebt es sich mittlerweile sehr gefährlich, wenn man reich ist.

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Kapstadt, Südafrika

3 Jahre später

Yannie

Stolz präsentiert dir deine Mutter das selbst geschneiderte Kleid mit den traditionellen südafrikanischen Mustern.

Seit ihr wieder in Kapstadt seid, scheint sie ihre Lebenskraft wiedergefunden zu haben, hilft sogar in dem kleinen nachhaltigen Modeunternehmen mit, das du hier aufgebaut hast.

Kleid begutachten

Deine Mutter geht Wasser an einer der Ausgabestellen holen.

Die Townships kämpfen mit Wasserknappheit, die Entsalzungsanlagen vor der Küste funktionieren immer noch nicht richtig.

Die früher arbeitslosen Frauen aus den Townships, die du beschäftigst, klagen, dass man auch mit Strom sehr sparsam umgehen muss.

Seufzen

An manchen Tagen vermisst du dein altes Leben. Am Anfang hast du dich wie eine Versagerin gefühlt, als du hierher zurückgekommen bist.

Das Ansehen als self-made-woman, den kleinen annehmlichen Schnickschnack – alles weg. Doch plötzlich spürst du die knochige Hand deiner Mutter auf deiner Schulter, die lautlos in die Hütte gekommen ist.

“Ich bin sehr stolz auf dich, Yannie.”, sagt sie leise. Du lächelst und einen Moment durchdrängt dich das seltsame und wunderbare Gefühl von Glückseligkeit.

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Südafrika, Kapstadt

5 Jahre später

Yannie

Leylas eisblauen Augen blitzen auf. “Du kannst doch keine Weltreise machen, während die Leute hier in den Slums krepieren!“, sagt sie.

“Das ist jetzt wohl übertrieben!”, rufst du wütend. Du versuchst, nicht an dein früheres Zuhause zu denken.

Was kann ich dafür, dass sie arm sind?! Denkst du etwa, du hast ein besseres Recht, die Welt zu entdecken, nur weil du weiß bist?”

Auf die Zunge beißen

Sie sieht dich seltsam an. “Ich werde Kapstadt nicht verlassen.”, sagt sie leise.

“Und wenn du ein bisschen Verantwortungsgefühl hättest, würdest du es auch nicht tun. Mit jeder Reise, jedem Flug verschlimmert sich die Klimakrise, unter der die Menschen in Kapstadt leiden werden, besonders die Ärmsten!”

“Deine Träume gegen hundertfaches Leid – willst du diesen Tausch wirklich machen?”

Fäuste ballen

Dabei hätte es so schön sein können. Der Abend deiner Abschlussfeier, zusammen mit der Frau, die du liebst in einer hippen Bar.

Seit deine Mutter einen führenden Kopf aus der Regierungspartei geheiratet hat, kannst du dir den Luxus leisten, selbst die Weltreise, von der du immer geträumt hast, scheint in greifbare Nähe gerückt.

Und jetzt lässt Leyla die Weltverbesserin raushängen.

Glas leeren

Wie willst du die Welt verbessern, wenn du nichts von ihr gesehen hast?

Warum solltest du nicht das Recht haben, wie alle anderen reichen weißen Kids in ferne Länder aufzubrechen, ein bisschen Work und Travel, lokale Küche und Selbstfindung? Leyla oder die Welt – Läuft es wirklich darauf hinaus?

Pläne über den Haufen werfen, in Kapstadt bleiben
An den Plänen festhalten, Leyla ignorieren

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Südafrika, Kapstadt

20 Jahre später

Yannie

Die gleiche Bar. Die gleiche Frau dir gegenüber. Du verabscheust Déjà-vus.

“Das kann doch nicht sein!”, rufst du wütend, “Wir haben das Jahr 2043, warum ist eine lesbische Präsidentin immer noch ein Tabu-Thema?”

“Tja, unser Volk ist wohl konservativer, als wir dachten. Sieht man doch auch daran, dass der ANC immer noch regiert. Was wiederum gut für dich ist.” Sie lächelt schief.

Missmutig nicken

Mithilfe deines Charmes und deines Redetalents und mit der Unterstützung deines einflussreichen Stiefvaters hast du dich in den vergangenen Jahren im ANC, dem African National Congress, nach oben gearbeitet.

Du könntest Präsidentschaftskandidatin werden, und die Chancen, dass der ANC auch bei dieser Wahl gewinnt, stehen gut.

Weiteren Drink bestellen

Und bei Gott, es gibt viel zu tun, denn es scheint, als wäre die Apartheid in Südafrika zurück.

Diesmal wird jedoch nicht nach dem Pigmentierungsgrad der Haut getrennt, sondern nach der Anzahl Dollars, die man auf dem Konto hat.

Grund: Zunehmende Ressourcenknappheit und wachsende Ungleichheit. Je reicher die Reichen werden, desto mehr Angst haben sie vor der Armut.

Leylas Hand umklammern

Um von der Mehrheit der Partei und der Bevölkerung akzeptiert zu werden, müsstest du deine Beziehung mit Leyla geheim halten, vielleicht sogar aufgeben.

Die Zeiten sind extrem und die Menschen fangen wieder an, Andersfühlenden und Andersbegehrenden zu misstrauen.

Dabei willst du nichts sehnlicher, als endlich eine Familie mit ihr zu gründen.

Sie küssen – das letzte Mal für eine lange Zeit
Den Politikjob aufgeben und mit ihr zusammenziehen

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Südafrika, Kapstadt

1 Jahr später

Yannie

Dein Kalkül ist aufgegangen. Nach einer guten Kampagne bist du mit großer Mehrheit gewählt worden. Die erste Frau an der Spitze Südafrikas!

Du kannst es immer noch kaum glauben. Die Menschen setzen ihre Hoffnungen in dich, du willst sie nicht enttäuschen. Endlich kannst du in die Fußstapfen deines Kindheitshelden Nelson Mandela treten.

Du möchtest die Townships transformieren, mit höheren Steuern für Millionäre die Straßen renovieren und die Menschen dabei unterstützen, einen neuen Lebensstil zu finden.

Aufs Meer schauen

Ein südafrikanischer Lebensstil, bei dem das Wort “Respekt” im Mittelpunkt steht.

Respekt vor dem Leben, vor den fragilen Ökosystemen und vor den Bedürfnissen der Mitmenschen.

Du wünschst dir, dass Reiche und Arme miteinander ins Gespräch kommen, dass Greise von Kindern lernen und umgekehrt, und dass Liebe in jeglicher Form respektiert und anerkannt wird.

Vielleicht kannst du dann bei der nächsten Wahl mit Leyla an deiner Seite kandidieren.

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Südafrika, Kapstadt

10 Jahre später

Yannie

Du erklimmst den Tafelberg, Leyla an deiner Seite.

War wieder ein anstrengender Tag heute, besonders der Fall mit dem Jungen, der sich vor der Aggressivität seines drogenabhängigen Vaters in euren Jugendclub geflüchtet hat.

Belastend.

Verschnaufen

Seit du den Politikerjob an den Nagel gehängt hast, arbeitest du als Sozialarbeiterin.

Du bist es leid, dich über die Unfähigkeit deiner früheren Parteigenossen aufzuregen und versuchst nun, lokal etwas zu verändern.

Der Jugendclub bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen: Werkzeug, Pinsel, Bücher, Bälle und einen guten Internetanschluss. Für ein paar Stunden der Realität entkommen, Spaß haben und träumen.

Leylas Hand nehmen

Du fühlst dich zufrieden und erfüllt.

Du bist zwar nicht berühmt, aber die Kids in den Townships verehren dich und die Eltern respektieren dich.

Du bist stolz auf das, was du geschafft hast. Und auf die Tatsache, dass niemand mehr das Gesicht verzieht, wenn du mit Leyla irgendwo auftauchst.

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USA, New York

2 Monate später

Yannie

Du läufst die Fifth Avenue entlang, überwältigt von der emsigen Geschäftigkeit des “Big Apple”. Es kommt dir vor, wie in einem Zeitraffer.

Wasserstoffautos brausen über die Straße, über dir hörst du das Flapp-Flapp der Rotorenblätter von Hubschraubern, die auf den Dächern von Hochhäusern landen.

Dein Handy klingelt.

Rangehen

“Yannie!” Es ist dein Stiefvater. Irgendetwas stimmt nicht.

“Ich…deine… deine Mutter ist gestorben.” Das Blut gefriert dir in den Adern, du bleibst stocksteif stehen. Hinter dir flucht jemand.

“Wie?”

“Sie hatte Aids.” Ein Faustschlag in die Magengrube. “Aids?! Warum hat sie mir nie etwas davon gesagt?”

Handy umklammern

Erst jetzt erfährst du, dass sie sich prostituiert hat, um dich zu ernähren und dich auf eine bessere Schule zu schicken.

Jahrelang hat sie es getan, heimlich, bis sie deinen Stiefvater kennenlernte. Einer ihrer Kunden hatte HIV.

“Sie wollte nicht, dass du denkst, du hast eine Nutte als Mutter.”, flüstert dein Stiefvater.

Schreien

Leute schauen dich an, während du das Gefühl hast, den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Das erklärt den Vater, den du nie hattest. Erklärt ihre Depression. Das Flackern in ihren Augen. Die Flecken auf ihrem Rücken.

Also hat sie sich wegen dir…? Und was bist du? Bist du aus dem Sperma dieses Typen gekrochen? Der mit dem HIV?

Auf die Straße rennen

Alles ist vernebelt. Das Bild ihres toten Körpers blendet dich, ein Tränenfilm liegt über deinen Augen.

Entfernt hörst du die Stimme deines Stiefvaters aus dem Gerät plärren. Um dich herum bricht ein Hupkonzert aus, dann braust etwas mit zu hoher Geschwindigkeit auf dich zu.

Du blinzelst. Eigentlich siehst du nicht den Sinn, warum du weiterleben solltest.

Zur Seite werfen
Stehenbleiben, reglos

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Südafrika, Kapstadt

20 Jahre später

Yannie

Der Gottesdienst ist vorüber, Männer und Frauen stehen in kleinen Grüppchen zusammen und scherzen, um sie herum spielen die Kinder.

Die angenehme Geräuschkulisse tritt in den Hintergrund, während du die frische Luft in vollen Zügen einatmest.

Bilder tauchen vor dir auf, von Leyla, deiner Mutter, deinem Stiefvater.

Lächeln

Es tat weh, als sie abrupt aus deinem Leben verschwanden. Immer wieder hast du damit gespielt, deinem Leben ein Ende zu bereiten, bist an der Sinnlosigkeit verzweifelt.

Du hast dich nie dazu durchgerungen, sondern Ablenkung im Reisen gesucht. Die Naturwunder der Welt und ihre Zerstörung, das Leid der Menschen und ihr Lachen, das Glück der Liebe und der Schmerz der Trennung.

Du hast verstanden, dass das Schöne und das Schreckliche im Leben untrennbar miteinander verwoben sind.

Den Heimweg antreten

Mit der Zeit ist es dir gelungen, den Tod deiner Mutter zu ertragen. Die Beschäftigung mit der Religion hat dir den Sinn im Leben gegeben, den du verloren hattest.

Du bist zurückgekehrt nach Kapstadt, Pfarrerin geworden.

Nun möchtest du das an die Menschen hier weitergeben, das dir dabei geholfen hat, dich als geliebt und gewollt zu sehen und nicht als ein Versehen: deinen Glauben.

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Südafrika, Kapstadt

20 Jahre später

Yannie

Um dich herum steht die Community, klatscht, tanzt, während deine steifen Finger über die Kalimba tanzen.

Die Band dreht auf, Trommelsolos wechseln sich mit der rauchigen Stimme des Leadsängers.

Du fühlst dich wie berauscht, mitgerissen von der Musik, im Einklang mit der Band, sodass du völlig vergisst, dass sie stehen, während du auf dem staubigen Boden sitzt.

Solo beginnen

Das Auto hat dich nicht überfahren, doch es hat gereicht, um deine Beine zu zertrümmern. Der Schmerz war so stark, dass er sogar den Tod deiner Mutter überschattet hat.

Im Krankenhaus wolltest du das Werk vollenden, dich mit Tabletten zu deiner Mutter befördern.

Doch dann schenkt dir jemand eine Kalimba und du hast die Magie der südafrikanischen Musik entdeckt.

Solo beenden

Die Menge jubelt und das Glück durchdrängt jede Ader deines verbliebenen Körpers, verbindet dich mit den Zuschauern und der Band.

Vergessen die Tage der Trauer. Der Tsunami, der Teile der Stadt verwüstet hat. Die immer noch grassierende Drogenabhängigkeit.

Du willst genau so leben und nicht anders: Auf dem Boden im Staub, mit einer Kalimba, eins mit der Musik, dem Glück und den Menschen.


 
 
 
 

 
 
 

Hamsterrad der Macht

intro

Deutschland, Berlin

2021

Bundeskanzlerin

Jemand klopft an der Tür, doch bevor du “Herein” sagen kannst, stürmt dein Berater in großen Schritten ins Büro und baut sich vor deinem Schreibtisch auf.

“Frau Bundeskanzlerin!”, sagt er atemlos, “Ihr Statement bei der Pressekonferenz, bis 2025 aus Kohle und Atomkraft auszusteigen, ist irrwitzig!”

Beruhigen

“Dieses Vorhaben gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutschland!”, fährt er hitzig fort, “Die erneuerbaren Energien sind noch lange nicht ausgebaut, wir werden uns abhängig vom Ausland machen und Arbeitsplätze verlieren!

Ich bitte Sie für das Wohl der Wirtschaft, Ihre Entscheidung zu überdenken!”

Am Plan festhalten, Berater feuern
Auf den Berater hören

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Deutschland, Berlin

3 Jahre später

Bundeskanzlerin

Krisensitzung des Kabinetts, die zweite innerhalb von drei Tagen.

Die Worte der Wirtschaftsministerin wabern durch deinen Kopf. Rezession, rote Zahlen, Stromausfälle…

Du hast Kopfschmerzen. Die beißende Kritik, die seit Monaten auf dich einhagelt, hat dich mitgenommen.

Schluck Wasser trinken

Offenbar hatte dein Berater damals Recht. Die anderen Länder sind deiner Entscheidung nicht gefolgt, halten weiter an Atomkraft fest.

Dein ehemaliger Berater arbeitet jetzt für einen großen Energiekonzern und fährt eine Kampagne gegen dich.

Das Schicksal der Arbeiter, die durch den Kohle- und Atomausstieg ihre Arbeitsplätze verlieren werden, bewegt die Öffentlichkeit.

Kurzfristigen Stromausfall ignorieren

Du sitzt im Dunkeln deinen Ministern gegenüber und fühlst dich miserabel.

Bald ist wieder Bundestagswahl.

Wenn das so weitergeht, stehen deine Chancen auf den Kanzlerjob nicht gut.

Weiter wie bisher und hoffen, dass der Shitstorm nachlässt
Öffentlichkeit beruhigen: Kohleausstieg um 5 Jahre verschieben

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Deutschland, Lausitz

zwei Monate später

Thorsten

Du findest deine Kündigung im Briefkasten und schäumst vor Wut und Enttäuschung.

Bis zur letzten Minute hattest du gehofft, deinen Arbeitsplatz als Baggerfahrer im Tagebau behalten zu können.

Mit über 50 wirst du sehr wahrscheinlich nie wieder einen Job finden. Die Altersarmut ist vorprogrammiert.

Kündigung zerreißen

Denen da oben, die sich keinen Deut um das Schicksal einfacher Bürger scheren, willst du es zeigen.

Damit sie “das Klima” retten können, nehmen sie in Kauf, dass Menschen wie du im Alter Flaschen sammeln müssen.

Doch du willst dich nicht kampflos ergeben.

Partei wählen, die diesem Unsinn ein Ende bereitet
Für bedingungsloses Grundeinkommen demonstrieren

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Deutschland, Lausitz

20 Jahre später

Bundeskanzlerin

Langsam läufst du den Kiesstrand entlang und blickst auf das tiefblaue Wasser des Badesees.

Kaum zu glauben, was die Region für einen Wandel erlebt hat, seit du hier vor 20 Jahren das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt hast.

Falafel am Kiosk kaufen

Ganz Deutschland konnte beobachten wie die Menschen in der Region mit dem bedingungslosen Geld auch ihre Freiheit und Kreativität wiederfanden.

Die alten Braunkohletagesstätten wurden zu Seen, zu Abenteuerspielplätzen oder zu Museen.

Und die Menschen machen das, wofür sie brennen: Malen, backen, gärtnern, forschen, Bücher schreiben…

Zufrieden lächeln

Du bist stolz, dass du damals den Mut hattest, das Experiment zu wagen. Es war die beste Entscheidung deiner Karriere.

Die amtierende Regierung überlegt nun, das Ganze deutschlandweit einzuführen. Du hoffst, dass es klappt.

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Deutschland, Berlin

2 Jahre später

Bundeskanzlerin

Du sitzt in deinem Büro im Paul-Löbe-Haus und feilst an deiner Rede, die du gleich halten wirst.

Viele Leute haben dich verspottet, als du abgewählt worden bist.

Die amtierende Regierung hat alle deine Reformen rückgängig gemacht, aber damit wurde die Situation auch nicht besser.

Fertigschreiben

4 wertvolle Jahre verloren.

Die Folgen des Klimawandels machen sich immer stärker bemerkbar. Schon wieder haben die deutschen Bauern Ernteausfälle zu beklagen.

Das Chaos wird noch eine Weile weitergehen.

Büro verlassen

Bei der nächsten Bundestagswahl stehen deine Chancen gut. Auf deiner Agenda stehen geradezu revolutionäre Punkte: bedingungsloses Grundeinkommen, eine ökologische Steuerreform, Abschied vom Wirtschaftswachstum.

Die Menschen unterstützen dich, denn sie wollen jetzt mutige Entscheidungen sehen.

Gemeinsam werden wir die Wende vielleicht noch kratzen, denkst du. Dann betrittst du den Plenarsaal.

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Deutschland, Berlin

7 Jahre später

Bundeskanzlerin

Die Entscheidung damals hat dir zur Wiederwahl verholfen, aber war langfristig ein Fehler.

Der Energiekonzern ist mittlerweile wegen Börsenspekulationen bankrott, dazu kommen die verlorenen Arbeitsplätze in der Solarindustrie, die du damals gar nicht mitbedacht hast.

Dein Handy vibriert leise.

Aufs Smarthpone schauen

Es ist der Präsident von Mauretanien. Du weißt, was er möchte, und stellst das Handy auf Flugmodus.

Die Verhandlungen mit den afrikanischen Ländern sind zäher als erwartet.

Weil der Ausbau der Erneuerbaren jahrelang verschleppt wurde, ist die einzige Chance auf eine gelungene “Energiewende” eine starke Kooperation mit afrikanischen Ländern.

Lagebericht der deutschen Diplomaten öffnen

Die Afrikaner sind geschickte Verhandler.

Sie wissen, dass Europa die großen sonnenreichen Gebiete des afrikanischen Kontinents braucht, um dort hocheffiziente Solaranlagen zu bauen.

Sie verlangen, den größten Teil der möglichen Gewinne zu bekommen, während die Länder aus dem Norden für die Investitionen bezahlen sollen.

Überlegen

Bei der Bevölkerung kommt es nicht gut an, sich abhängig vom Ausland zu machen.

Aber irgendwo muss die Energie herkommen.

Die Zeit der Kohle ist vorüber.

Bedingungen der afrikanischen Staaten zustimmen
Lieber die Erneuerbaren in Deutschland weiter ausbauen

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Berlin, Deutschland

10 Jahre später

Bundeskanzlerin

Deine letzte Amtszeit geht zu Ende.

Du wirst vor allem für deine Weitsicht in die deutsche Geschichte eingehen, denn die Kooperation mit den afrikanischen Ländern war eine vernünftige Entscheidung: Stromausfälle sind eine Seltenheit geworden, denn Hochleistungstrassen versorgen Europa mit Sonnenstrom aus der afrikanischen Wüste.

Aus dem Fenster schauen

Berlin ist “multikulti” wie schon immer, aber entgegen aller Befürchtungen nicht von Flüchtlingen überlaufen.

Mit dem Geld, das in die nordafrikanischen Staaten fließt, ist es den Regierungen gelungen, ihre Länder langsam zu entwickeln, sodass die Menschen eine Perspektive in ihrer Heimat sehen.

Zwar gibt es immer noch große Probleme mit der Korruption, doch mit steigendem Wohlstand haben die Menschen Zeit, sich mit Politik zu beschäftigen und gegen die Missstände zu demonstrieren.

Büro verlassen

Zeit, sich aus der Politik zu verabschieden. Du wirst nach Burkina Faso ziehen und die Entwicklung des Landes mit eigenen Augen verfolgen.

Von den Lobbyisten in grauen Anzügen, die dich hier jeden Tag belagern, hast du genug gesehen.

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Berlin, Deutschland

10 Jahre später

Bundeskanzlerin

Du stehst in deinem Schrebergarten und erntest mit deinen Enkeln Zucchini und Kürbisse. Dieses Jahr ist wegen der Hitze nicht so viel gewachsen, aber für die Gemüsespieße wird es reichen.

Dafür liefern die Solarzellen auf dem Dach genügend Strom, um zu kochen, warm zu duschen und das Tablett aufzuladen.

Schweiß von der Stirn wischen

Der Ausbau der Erneuerbaren kam langsamer voran als du dachtest, und am Ende wurdest du abgewählt.

Du wurdest als Zerstörerin der deutschen Wirtschaft und als Einsiedlerin beschimpft. Trotzdem hat die Nachfolgeregierung deinen Kurs weiterverfolgt.

Inzwischen sind die kritischen Stimmen verstummt.

Ins Gras setzen

Obwohl der Lebensstandard in Deutschland gesunken ist, scheinen die Menschen nicht unglücklich zu sein.

Während das Leben in anderen Ländern sich immer weiter beschleunigt, herrscht hier eine Gelassenheit, für die Deutschland beneidet wird.

Du bist nicht sicher, ob du alles richtig gemacht hast. Die Idylle, die vorherrscht, ist trügerisch. Der Versuch, unabhängig von anderen Ländern zu sein, könnte krachend scheitern.

Doch fürs Erste kommt dir Deutschland vor wie ein der Zeit entrücktes kleines Paradies.

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Deutschland, Berlin

8 Jahre später

Bundeskanzlerin

Der Wissenschaftler vom Institut für Klimafolgenforschung versucht, mit ruhiger Stimme zu sprechen, aber du siehst ihm die Hysterie an.

“Sie müssen diesen Klimaschutzmaßnahmen zustimmen! Die Welt steht kurz vor der Katastrophe!”

Er hat leider Recht. Der Klimawandel ist noch viel todbringender, als von den Wissenschaftlern prognostiziert.

Bericht der DAX-Konzerne überfliegen

Leider werden die von den Vereinten Nationen vorgeschlagenen Klimaschutzmaßnahmen auch eine Katastrophe für die Wirtschaft sein.

Vor 10 Jahren nicht konsequent Klimaschutz betrieben zu haben, war ein fataler Fehler.

Jetzt müssen so drastische Maßnahmen getroffen werden, dass die Wirtschaft zum Erliegen kommen könnte.

Bericht in den Müll werfen

Die Konzerne drohen, in die USA und China abzuwandern, die das Klimaschutzprogramm ablehnen.

Die Wissenschaftler drängen dich, dem Programm zuzustimmen. Was tun?

Der Wissenschaft folgen
Der Wirtschaft folgen

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Deutschland, Berlin

1 Jahr später

Bundeskanzlerin

Die Frau von der Auto-Industrie betritt dein Büro.

“Unsere Branche steckt tief in der Krise.”, sagt sie, “Ihre Entscheidung für das Klimaschutzprogramm war schon ein schwerer Schlag für uns, aber die Subventionen für die E-Autos zu streichen, werden uns den Todesschlag versetzen!”

Sie redet noch weitere 10 Minuten und sagt dann: “Bitte überlegen Sie noch einmal, was Sie tun! Denken Sie an die ganzen Arbeitsplätze und an die Technologie, die wir an die Koreaner verlieren werden!”

Gespräch beenden

Ihr Gesichtsausdruck erinnert dich an den deines Entwicklungsministers, als er nach seiner Afrika-Reise mit dir gesprochen hat.

“Die Lage dort ist kaum auszuhalten. Der Klimawandel macht ganze Regionen zur Wüste. Menschen verhungern auf offener Straße. Wir müssen in die Armutsbekämpfung dort investieren, mit riesigen Summen, sonst wird das Leid bald bei uns anklopfen!”

Der Staatshaushalt ist begrenzt. Du musst eine Entscheidung treffen.

Weiter E-Autos subventionieren
Mit dem Geld aus den Subventionen Armut bekämpfen

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Deutschland

5 Jahre später.

Bundeskanzlerin

Die Welt hat gerade noch die Kurve gekriegt.

Die USA und China sind zur Vernunft gekommen, nachdem alle anderen Länder sich dem Klimaschutzprogramm angeschlossen haben.

Nicht nur die Autoindustrie in Deutschland ist zu Bruch gegangen, weltweit können sich die Menschen keine Autos mehr leisten.

Durchatmen

Dafür haben sich neue Sektoren gebildet.

Die Fahrrad- und Segelschiffindustrie zum Beispiel.

Auch die Flüchtlingsströme aus Afrika sind etwas zurückgegangen, seit die EU große Summen in den Aufbau nachhaltiger Infrastruktur, Bildung und Landwirtschaft vor Ort investiert.

Zurückdenken

Heute bedauerst du, dass du nicht schon vor 14 Jahren mutigere Entscheidungen getroffen hast.

Erst der Zusammenbruch ganzer Industrien hat die Welt zum Nachdenken gebracht.

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, würdest du dich anders entscheiden?

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Deutschland

3 Jahre später

Bundeskanzlerin

Die Bilder auf dem Bildschirm sind belastend.

Als Kanzlerin bist du eine der wenigen, die noch uneingeschränkt digitale Geräte benutzen dürfen.

Trotzdem würdest du am liebsten den Laptop ausschalten.

Genauer hinschauen

Hunderttausende von Elektro-Autos stehen auf einer riesigen Betonfläche und warten auf ihre Verschrottung.

Die Branche hat viele Autos produziert, doch leider hat sich die Technik zur Energieerzeugung nicht im gleichen Tempo weiterentwickelt.

Es kann nicht genügend Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt werden, um die Autos zu betreiben.

Die jahrelangen Subventionen waren letztlich nur Geldverschwendung.

Nächstes Bild anschauen

Ein italienischer Sandstrand, auf dem sich die Leichen ertrunkener Flüchtlinge türmen.

Jeden Tag werden neue Körper angespült. An Badeurlaub denkt hier keiner mehr.

Du schüttelst den Kopf.

Die Welt hat den Zusammenbruch des Ökosystems vorerst verhindert, doch sie wird noch lange den Preis dafür zahlen, dass sie Jahrzehnte lang die drängendsten Probleme des Planeten ignoriert hat.

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Deutschland

8 Jahre später

Bundeskanzlerin

Die Menschheit hat es nicht geschafft, den Klimawandel aufzuhalten und frisst weiterhin Ressourcen, als ob es kein Morgen gäbe.

Wissenschaftlern zufolge, haben die ökologischen Systeme kritische Punkte überschritten, die nicht wieder rückgängig gemacht werden können.

Die arabische Halbinsel und ein Drittel des afrikanischen Kontinents sind unbewohnbar geworden.

Aus dem Fenster schauen

Es sind deine letzten Tage als Kanzlerin, du sehnst dich nach dem Ende.

An den europäischen Außengrenzen spielen sich ungeheure Szenen ab. Dir kommt es so vor, als hätten die anderen europäischen Länder vergessen, was Menschenrechte sind. Du möchtest die Flüchtlinge aufnehmen, aber das könnte noch mehr Menschen dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen.

Alleine kann Deutschland diese Massen nicht bewältigen.

Flüchtlinge aufnehmen
Grenzen dicht machen

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Berlin, Deutschland

10 Jahre später

Bundeskanzlerin

Der Altenpfleger mit jemenitischen Wurzeln bringt dir deine Antidepressiva und lächelt dich aufmunternd an.

Du weißt nicht, was du fühlen sollst.

Deutschland ist nicht mehr wiederzuerkennen.

Der Staat war mit den vielen Neuankömmlingen völlig überfordert, die Gesellschaft ist immer noch tief gespalten. Misstrauen und Fremdenhass greifen um sich.

Medikamente schlucken

Es hätte noch schlimmer kommen können, das ist dein einziger Trost.

Deine Entscheidung, Flüchtlinge aufzunehmen, hat dazu geführt, dass es mittlerweile ein Recht auf Asyl für Klimaflüchtlinge gibt.

Viele Menschen waren von deiner Entscheidung damals beeindruckt, die globale Solidarität scheint zu wachsen. Das ist auch dringend nötig.

Denn der Klimawandel hört nicht auf.

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Deutschland, Lausitz

10 Jahre später

Bundeskanzlerin

Die Grenzen zu schließen hat nichts gebracht.

Selbst als die Staaten anfingen, auf Flüchtlinge zu schießen, war es schon zu spät.

Irgendwann überrollten die Menschenmassen die “Festung Europa”, das ganze System brach zusammen.

Nun regiert das Chaos und die Verwüstung. Ein permanenter Kriegszustand.

Augen schließen

Du hast dich in einer kleinen Hütte am Rande eines früheren Braunkohletagebaus verschanzt, staunst über die Kurzsichtigkeit der Menschheit und wartest auf das Ende.


 
 
 
 

 
 
 

Im Spiegel: Die Armut

intro

Indien, Neu-Delhi, Slums

heute

Amrit

Du steigst aus dem Taxi und bemerkst, dass du an der falschen Adresse bist.

Du kennst die Gegend.

Dein Büro ist nur ein paar Straßen entfernt, dazwischen ein Meer von Müll, Dreck und kleinen Hütten.

Umsehen

Du spürst die Blicke der Slum-Bewohner auf deinem schwarzen Anzug.

Wohlhabende Menschen sind hier nicht gern gesehen.

Du quetschst dich durch das Gedränge, der Gestank nach verbranntem Plastik und Armut sticht in der Nase.

Weitergehen

Vor einem Müllberg sitzt eine Frau, eingehüllt in einen roten Sari.

Eure Blicke treffen sich kurz.

In ihren Augen: Hoffnungslosigkeit.

Blick abwenden

Du weißt nicht, wo du hinschauen sollst.

Du bist umgeben von bettelnden Kindern, alten Krüppeln, hageren Jugendlichen, die dich vom Rand der Straße mustern.

Was wollen sie von dir?

Dein Smartphone vibriert.

Aufs Smartphone schauen

Noch 15 Minuten bis zum Meeting.

Das wird knapp. Du wischst dir den Schweiß von der Stirn.

Aus den Augenwinkeln bemerkst du, wie sich zwei Männer der Frau im roten Sari nähern.

Ihr helfen und auf sie zugehen
Ins nächstbeste Tuk-Tuk steigen – bloß weg von hier

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Indien, Neu-Delhi, Slums

zur selben Zeit

Ajala

Der Mann mit dem Anzug kommt auf dich zu.

Du schaust ihn nochmal bittend an und senkst den Kopf.

Zurückerinnern

Vor zwei Jahren bist du vom Land nach Neu-Delhi gekommen, voller guter Hoffnungen.

Du warst gerade einmal 14, aber trotzdem hast du dich durchgeschlagen: auf Mülldeponien und in Kleidungsfabriken.

Mit leeren Händen bist du hierhergekommen und nun stehst du immer noch mit leeren Händen da. Das einzige, was dir Sicherheit gibt, ist das Küchenmesser.

Messer fest umklammern

Eine Frau zu sein macht alles noch schwieriger: Die Nächte auf der Straße sind lebensgefährlich.

Warum hattest du nie eine richtige Chance auf ein besseres Leben?

Als Unberührbare geboren, als solche sterben, und dazwischen für Großhändler und Immobilienbesitzer arbeiten, ist das gerecht?

Aufschauen

Der Mann im Anzug steht direkt vor dir.

In dem Moment wird er von hinten am Kopf getroffen und knickt vor dir ein. Sein Portemonnaie fällt ihm aus der Hand.

Zwei Männer kommen auf dich zugerannt. Ihre Blicke zeigen keine Gnade.

Den Männern mit dem Küchenmesser drohen, nach Hilfe rufen
Das Portemonnaie schnappen und wegrennen

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Indien, Neu-Delhi, Büro

5 Jahre später

Amrit

Du blickst auf das Schreiben des Immobilien-Kartells.

Zusammen bieten sie 25 Milliarden Rupien für Genehmigungen, um neue Apartments und Bürogebäude nahe des Stadtzentrums errichten zu dürfen.

Weiterlesen

Auf den Grundstücken befindet sich seit Jahren eine riesige Papp- und Blechlandschaft.

Mehrere tausend Menschen müssten aus diesen Slums – ihr Zuhause – womöglich mit Gewalt vertrieben werden.

Weglegen und aufschauen

Deine Parteikollegen aus dem Ausschuss für Stadtentwicklung sehen dich erwartungsvoll an.

Du bist unschlüssig und fährst unwillkürlich über die Narbe an deinem Nacken.

Zurückerinnern

In genau diesem Slum wurdest du vor 5 Jahren überfallen, aber jemand hat dich vor dem Schlimmsten gerettet.

Warum wurden diese Slums eigentlich nicht schon früher geräumt?

Neu-Delhi ist zur größten Stadt der Weltgeschichte geworden und gleichzeitig die Stadt, in der die Armut die brutalsten Opfer fordert.

Etwas gegen die unmenschlichen Verhältnisse tun, ohne die Menschen zu vertreiben
Das Angebot annehmen – die Stadt benötigt dringend Geld für ihr Trinkwassersystem

path_aaa

Indien, Neu-Delhi

30 Jahre später

Amrit

Jahrelang hast du versucht, den Menschen ausfindig zu machen, der dich damals im Slum gerettet hat.

Endlich bist du fündig geworden: Es ist die zerbrechliche Frau, die mit einem Beatmungsgerät vor dir liegt.

Sie trägt immer noch den gleichen abgewetzten roten Sari wie damals.

An ihr Bett treten

Eure Blicke treffen sich.

Sie kann nicht sprechen, denn die jahrelange Arbeit im Smog hat ihre Lunge fast zerstört.

Aber ihre lebendigen Augen sind voller Hoffnung und ihr Gesicht verzerrt sich zu einem Lächeln, während sie zum Fenster zeigt.

Kopf zum Fenster drehen

Auf der Fensterbank stehen Bilder von ihren Kindern. Sie gehen zur Schule, die älteste Tochter studiert.

Vor dem Fenster zeichnet sich eine futuristische Silhouette ab. Neu-Delhi ist nicht mehr wiederzuerkennen, die Slums sind verschwunden.

Das ist auch dein Verdienst, denn als Politiker hast du dein Leben den Bedürftigen gewidmet.

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Indien, Neu-Delhi, Büro

30 Jahre später

Amrit

Du sitzt in deinem Büro und schaust auf Neu-Delhi.

Deine Entscheidung, auf den Deal einzugehen, hat vielen Menschen das Leben gekostet.

Auch die Frau im roten Sari, der du an jenem schicksalhaften Tag begegnet bist, ist nicht wieder aufgetaucht.

Zurückerinnern

Als an die Öffentlichkeit gelangte, dass die Stadtverwaltung die Slums für große Mengen schmutziges Geld räumte, kam es zu Massenprotesten.

Für kurze Zeit herrschten bürgerkriegsartige Zustände im Herzen von Neu-Delhi.

Das Geld ist nie aufgetaucht.

Hand zur Faust ballen

Frustriert hast du dich mit anderen jungen Politikern zusammengetan, um für die Enteignung von Großgrundbesitzern zu kämpfen.

Nachdem du durch jahrelangen Einsatz das Vertrauen der Menschen wiedergewinnen konntest, willst du als Bürgermeister nun den Traum erfüllen, dass Neu-Delhi nicht nur die größte, sondern bald auch die gerechteste Stadt der Welt wird.

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Indien, Neu-Delhi, Markt

2 Stunden später

Ajala

Du kannst es nicht fassen – das Portemonnaie ist bis auf ein paar Münzen und Visitenkarten leer.

Portemonnaie wegstecken

Aber dann hast du doch noch Glück – ein Tourist kauft dir das Portemonnaie für 10.000 Rupien ab.

Du bist aufgeregt. Noch nie hattest du so viel Geld auf einen Schlag in der Hand.

Was machst du jetzt damit?

Umschauen

Von den Marktständen dringt der Duft von frischem Hähnchen-Curry herüber.

Dein Magen beginnt höllisch und schmerzhaft zu knurren. Seit Tagen hast du dich nur von den Speiseresten ernährt, die du erbetteln konntest.

Du steuerst einen der Stände auf dem Basar ein.

Geld ausgeben, satt lässt es sich besser überleben
Geld investieren und das Risiko wagen, ein kleines Geschäft zu starten

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Indien, Neu-Delhi, Markt

30 Jahre später

Amrit

Du bestellst ein frisches Curry am Imbissstand.

Als du bezahlst, stutzt du.

Die Frau, die das Curry zubereitet hat, kommt dir bekannt vor. Dieser rote Sari…

Ein Gespräch mit ihr anfangen

Sie erzählt, dass sie jeden Tag zehn Stunden Essen für andere Menschen zubereitet, obwohl sie selbst oft auf Mahlzeiten verzichtet, um ihre Kinder durchzubringen.

Mit dem Geld, das am Monatsende übrig bleibt, versorgt sie Flüchtlinge aus Bangladesch, denen es noch schlimmer ergeht.

Fragen, warum sie das macht

Ihre größte Hoffnung ist es, dass ihre Kinder die Schule abschließen und einen guten Beruf finden.

Am besten sollen sie Beamte werden und nie wieder in ihrem Leben einen Slum betreten müssen.

Betreten schweigen

Sie gesteht, dass sie dich damals im Stich gelassen und mit deinem Portemonnaie verschwunden ist.

Sie konnte vom Verkauf des Portemonnaies mehrere Wochen gut leben, dann musste sie sich wieder von übrig gebliebenem Naan-Brot ernähren.

Kopf schütteln

Du schwankst zwischen Wut und Mitleid.

Das fehlende Portemonnaie hast du damals nicht mal bemerkt, du warst einfach froh, dass du schwer verletzt mit dem Leben davongekommen bist.

Du hast den Slum nie wieder betreten, sondern dich auf dein Immobiliengeschäft konzentriert.

Jetzt bist du reich.

Blick über den Markt schweifen lassen

Neu-Delhi platzt aus allen Nähten, besonders die Slums, in denen die verschiedensten Menschen Seite an Seite leben: Wanderarbeiter, Bauern, die ihr Land an Großgrundbesitzer verloren haben, sowie Menschen, die vor Überschwemmungen flüchten, die der Klimawandel verursacht.

Die indische Regierung tut ihr Bestes, um die Not zu lindern, investiert in neue Schulen mit gut ausgebildeten Lehrern.

Aber es sind einfach zu viele Menschen.

Die Frau anschauen

Du bezahlst für das Essen und wünschst ihr alles Gute. Dann suchst du dir einen Platz zum Essen, während sie weiterarbeitet.

Zwischen euch liegt eine unsichtbare Mauer, die du nicht überbrücken kannst.

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Indien, Neu-Delhi, Slums

30 Jahre später

Ajala

Du kannst dich noch genau an jenen Tag erinnern, an dem du die Idee hattest, eine kleine Näherei zu gründen und Mundschutze zu verkaufen.

Zusammen mit anderen Frauen, die mittellos waren, bist du nun ein stolzer Teil der indischen Mittelschicht.

Doch du lässt dich nicht blenden.

Auf die Straße schauen

Neu-Delhi ist zwar kein menschenfeindlicher Ort mehr, gleichzeitig immer noch arm und verschmutzt.

Die Stadt ist noch größer geworden.

Jedes Jahr werden schwimmende Zelte aufgestellt, die den Menschen Schutz vor dem starken Monsun bieten.

Du wurdest von der Stadt in eine Kooperation eingebunden, die Menschen aus den Slums eine kostenlose Ausbildung bietet und sie aus dem Teufelskreis der Armut befreit.

Zum ersten Mal in deinem Leben hast du das Gefühl, dass du die Zukunft ein Stück besser machen kannst.

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Indien, Neu-Delhi, Slums

Einen Augenblick später

Amrit

Das Tuk-Tuk fährt los.

Im Rückspiegel siehst du, wie die Männer die Frau im roten Sari von hinten überwältigen und um die Ecke schleifen.

Ein Gefühl von Ekel steigt in dir auf.

Der Tuk-Tuk-Fahrer schaut dich mit einem seltsamen Blick an.

Aussteigen, Hochhaus betreten, den Lift nehmen

Etwas verschwitzt betrittst du den Meeting-Raum.

Dein Chef ist wütend, dass du wieder nicht pünktlich bist und droht, dich zu feuern.

Auf das Beste hoffen

Aber dein Chef weiß um dein Verhandlungsgeschick mit den Behörden und braucht dich für seine Pläne, auf dem Gebiet des großen Slums am Stadtrand ein teures Wohnviertel zu errichten.

Dein Chef gibt dir eine letzte Chance: Du wirst einen guten Preis aushandeln oder du bist deinen Job für immer los.

Überlegen

Wenn du den Auftrag deines Chefs erfüllst, werden die Menschen im Slum den Neubauten weichen müssen.

Aber wenn du dich weigerst, kannst du das Schulgeld für die Privatschule deiner Kinder nicht mehr bezahlen.

Kündigen und einen anderen Job suchen
Anweisung befolgen – schnell zum Ausschuss für Stadtentwicklung

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Indien, Neu-Delhi, Büro

5 Jahre später

Amrit

Nachdem du deinen Job bei der Immobilienagentur geschmissen hast, bist du in die Politik gewechselt.

Inzwischen bist du der Leiter der Indischen Wettbewerbsbehörde und ermittelst gegen ein großes Saatgutunternehmen.

Problem rekapitulieren

Der multinationale Konzern aus Deutschland verkauft seit Jahren gentechnisch verändertes Saatgut zu überteuerten Preisen.

Einmal abhängig von diesem Saatgut müssen die Bauern jedes Jahr neues Saatgut nachkaufen und verschulden sich. Doch die Erträge, welche die gentechnisch veränderten Pflanzen abwerfen, sind zu niedrig, um auf dem Weltmarkt mithalten zu können.

Was dann geschah

Im sogenannten Selbstmordgürtel im Herzen des Landes haben sich in den letzten 10 Jahren 200.000 Bauern umgebracht, da sie nicht mehr wussten, wie sie weiterleben sollen.

Entscheidung treffen

Du willst etwas gegen den Konzern unternehmen. Gleichzeitig weißt du, dass viele Bauern völlig von dem gentechnisch veränderten Saatgut abhängig sind.

Wenn der Konzern sich aus dem indischen Markt zurückzieht, droht eine schwere Wirtschaftskrise, womöglich sogar eine Hungersnot.

Eine Milliardenstrafe gegen den Konzern verhängen und die Bauern unterstützen
Nichts tun, um den Konzern nicht zu verärgern

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Indien, Auf dem Land

8 Jahre später

Ajala

Die Sonne prallt auf deinen Rücken, und dein Schweiß vermischt sich mit dem Saatgut, das du über die trockene Erde streust.

Seit einigen Jahren entdecken Indiens Bauern die jahrtausend Jahre alte Tradition des Samenzüchtens wieder neu.

Die Saat kommt gut mit den schwierigen Wetterbedingungen klar und kann dich und deine Familie vorerst ernähren.

Den unglücksbringenden Namen des Konzerns, der deinen Vater in den Selbstmord getrieben hat, hörst du nur noch selten.

Aufstehen und zurück zur Hütte laufen

“Mama!” Dein Sohn kommt zurück von der Dorfschule, die kürzlich von den Dorfbewohnern renoviert wurde.

Du nimmst ihn in die Arme.

Du liebst dein Kind über alles, obwohl du in ihm bereits ein wenig die Züge des Mannes zu erkennen glaubst, der dich damals im Slum vergewaltigt hat.

Zurückerinnern

Als dein Sohn zwei Jahre alt war, hast du es in der Stadt nicht mehr ausgehalten und bist zu deinen Eltern aufs Land zurückgekehrt.

Die indischen Behörden haben mutig gehandelt, den Einfluss der Großkonzerne zurückgedrängt und die Bauern mit viel Geld unterstützt.

Heute stehen du und deine Familie wieder auf eigenen Füßen.

Du bist stolz darauf, dass du zur Nahrungsmittelversorgung deines Landes beitragen kannst und hoffst, dass auch dein Sohn eines Tages den Bauernberuf ergreifen wird.

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Indien, Neu-Delhi

5 Jahre später

Amrit

Durch einen fadenscheinigen Korruptionsvorwurf bist du im Gefängnis gelandet.

Du vermutest, dass der Saatgutkonzern dahintersteckt. Sie sahen in dir wohl eine potentielle Gefahr für ihr blühendes Geschäft auf dem indischen Subkontinent.

Durch das vergitterte Fenster schauen

Du weißt nicht, wie sich die Welt draußen weiterentwickelt, aber das, was durch die Gefängnismauern dringt, klingt nicht gut. Offenbar hat der große Konzern die Preise für Saatgut weiter erhöht.

Dazu kommen die durch den Klimawandel verstärkten Dürreperioden, welche die Saaten nicht aufgehen lassen.

Du bereust bitter, dass du es damals nicht mit dem Konzern aufgenommen hast. Du willst den Fehler wiedergutmachen, doch erstmal sitzt du für die nächsten Jahre hier fest.

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Indien, Neu-Delhi

30 Jahre später

Amrit

Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren und trotzdem durchtränkt der Schweiß deinen Anzug und vermischt sich mit dem Rosenwasser, das du großzügig unter den Achseln verteilt hast.

Du wünschst dir wieder einmal duschen zu können, aber die Wasserversorgung in der Stadt ist zum Erliegen gekommen.

Das Büro verlassen

Endlich hörst du die Rotoren des Flugtaxis.

Wieder zu spät.

Du steigst ein und hebst ab.

Nach unten auf die Stadt schauen.

Unter dir drängen sich die Menschenmassen auf den Straßen.

Es sind Einheimische darunter, die in den wenigen verbliebenen Slums keinen Platz finden, aber auch Flüchtlinge aus Bangladesch, die ihr gesamtes Hab und Gut in den schrecklichen Überschwemmungen durch den Monsun letztes Jahr verloren haben.

Schon seit Jahren hast du keinen Fuß mehr auf den Boden gesetzt, denn auf den Straßen liegt der Dreck zentimeterhoch.

Auf die Ankunft vorbereiten

Du betrittst den Meeting-Raum.

Inzwischen macht niemand mehr den Mund auf, wenn du zu spät zu einem Meeting kommst, denn du bist seit 5 Jahren der Chef der Immobilienfirma und gehörst zu den reichsten Menschen Indiens.

Dich nach der aktuellen Lage erkundigen

“Wir haben schon wieder eine wichtige Kundin verloren.”, sagt ein Mitarbeiter.

“Die Sicherheitslage in Neu-Delhi verschlimmert sich von Tag zu Tag. Seit Wochen besetzen Obdachlose immer wieder leerstehende Apartments.”

Die Obdachlosen erstmal dort wohnen lassen, bis die Lage sich gebessert hat
Polizei rufen, um die Obdachlosen aus deinen Häusern zu vertreiben

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Indien, Neu-Delhi

Einen Augenblick später

Amrit

Deine Mitarbeiter schauen dich überrascht an.

So viel Empathie sind sie von dir nicht gewohnt.

Sie wissen nicht, dass du immer noch ein schlechtes Gewissen hast, wegen der Sache mit der Frau im roten Sari.

Auf den Boden schauen

Dein ganzes Leben lang hast du dich auf deine Karriere fokussiert. Deine Kinder studieren an Eliteunis in China, du hast sehr viel Geld.

Aber trotzdem bist du nicht glücklich.

Meeting beenden

Du bleibst allein im Büro zurück.

Dein ganzes Geld reicht nicht aus, um den Smog aus Neu-Delhi wegzubekommen. Um frisches Wasser zu bekommen.

Kein Geld der Welt kann dich von den Gefühlen befreien, die du hast, wenn du an die Frau im roten Sari denkst.

Insgeheim hoffst du, dass sie eine von den illegalen Hausbesetzern ist und dank deiner Entscheidung jetzt wenigstens ein Dach über dem Kopf hat.

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Indien, Neu-Delhi

5 Stunden später

Amrit

Du bist zurück in deinem Apartment. Erschöpft lässt du dich in deinen Sessel fallen. Du trinkst zu viel, sagt die Stimme in deinem Kopf. “Zu viel Stress”, grummelst du.

Drei Schlaftabletten mit viel Bier runterspülen

Im selben Moment hörst du das Klirren einer eingeschlagenen Scheibe. In deiner Küche steht jemand.

Augen zusammenkneifen

Es ist eine Frau in einem abgetragenen roten Sari mit einem Messer in der Hand. Irgendwo hast du sie schon mal gesehen.
Du greifst nach der Schusswaffe neben dem Sessel, aber in dem Moment setzt die Wirkung der Schlaftabletten ein.


 
 
 
 

 
 
 

Kampf des roten Drachen

intro

China, Chongqing

2020

Xiao Ben Dan

Eine falsche Bewegung und du bist tot.

Du spürst das kalte Metall an deinem Hals, das an deiner pochenden Halsschlagader entlang gleitet.

Du wusstest, dass es eine schlechte Idee war, in dem Moment, wo du das Geld angenommen hast.

Dabei hat es Bu Cong Ming doch auch gemacht…

Tabletten schlucken

Schlagartig verschwindet das Messer, aber deine Hände zittern noch immer.

Dein Verstand dreht langsam durch.

Du ahnst, dass die Klauen der Partei nach dir greifen und du weißt, was bestechlichen Beamten droht.

Du musst das Geld loswerden, so schnell wie möglich. Dein Sohn…

Überlegen

Du möchtest ihn schon seit langem auf einem Schweizer Internat sehen.

Ein Schweizer Abschluss ist ein Sprungbrett für eine steile Karriere…

In dem Moment denkst du plötzlich an die Reportage über chinesische Bauernkinder im Hinterland.

Das imaginäre Messer bohrt sich in deinen Kopf.

Ächzen

Sie sind bitterarm, haben nicht mal Geld, sich ein Handy zu kaufen.

Mit der Kohle könntest du ihnen eine Chance auf ein besseres Leben geben… aber dein Sohn müsste weiterhin unter dem erbarmungslosen hiesigen Bildungssystem leiden und deine Altersversorgung läge im Argen.

Deinem Sohn das Internat bezahlen
Einigen Bauernkindern das Studium finanzieren

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China, Chongqing

2 Wochen später

Xiao Lü She

Die Ermittlerin schaut dich kalt an.

“Was ist jetzt mit Ihrem Zwillingsbruder?”

Du fragst dich, warum du so dumm warst, dich freiwillig in die Bredouille zu bringen.

War es Neid, dass er auf einmal das Geld hat, seinen verwöhnten Sprössling in die Schweiz zu schicken? Oder die Schande der Korruption, die nun euren Namen befleckt?

Schlucken

Du willst dein Gesicht nicht verlieren.

Deinen Bruder zu verraten wird der Partei in ihrem Kampf gegen die Korruption helfen.

Wenn du schweigst, könnte die Ermittlerin womöglich noch auf die Rolex an deinem Handgelenk aufmerksam werden…

Aber es ist immer noch dein Zwillingsbruder, dem du so nahestehst!

Schweigen
Reden

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Zürich

15 Jahre später

Xiao Wen Ti

Veganes Käsefondue. Ein wöchentliches Ritual, seit deine gesamte Verwandtschaft in die Schweiz geflüchtet ist.

Trotz ihrer Laktoseintoleranz wollen sie sich integrieren. Denn eine Abschiebung wäre katastrophal.

China versinkt im Sumpf der Korruption, die Partei hat noch Rechnungen mit deiner Familie offen.

Onkel begrüßen

Auch hier lässt sich mit Schmiergeld einiges erreichen, doch es ist teuer.

Dein Lohn als Bankangestellter ist zwar hoch, aber reicht nicht aus, um deine Familie zu versorgen.

Und dann ist da auch noch das Problem mit den inoffiziellen Konten, die du betreust…

Brot in den Käse tunken

Täglich verwaltest du für Diktatoren das Geld, das sie ihrem Staat geklaut haben, und hilfst gut betuchten Managern Steuern zu hinterziehen.

Gleichzeitig drohen in etlichen Ländern Staatsbankrotte, was viele Menschen in einen nackten Überlebenskampf treibt.

Brot aus dem Fonduetopf ziehen

Du könntest deine Bank unter Druck setzen, damit sie dich für dein Schweigen bezahlen.

Dann hättest du das Geld, um deiner Familie ein Bleiberecht kaufen zu können.

Andererseits möchtest du nicht mehr Teil dieses perversen Systems sein.

Gleichzeitig weißt du, dass du dich damit selbst in Gefahr bringst.

Bank Schweigegeld abpressen
Skandal an die Öffentlichkeit bringen

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In der Nähe von Zürich

2 Jahre später

Xiao Ben Dan

Du starrst auf die Alpen und auf den tiefblauen Bergsee. Die Natur kommt dir kalt und unbarmherzig vor.

Du wünschst dir nichts sehnlicher, als nach China zurückkehren zu können. Doch dort herrschen bürgerkriegsartige Zustände.

Die Partei konnte nichts gegen die ausufernde Korruption unternehmen, die Wirtschaft brach ein, die Bevölkerung hatte genug.

Kopf in den Händen vergraben

Das Schlimmste ist, dass dein Sohn spurlos verschwunden ist, seit er das Gespräch mit seinem Chef hatte.

Dabei war dein Sohn zuversichtlich, dass er mit einer Lohnerhöhung nach Hause kommen würde!

Du hast mehrmals nachgefragt, doch die Bank gibt sich ahnungslos. Seitdem ist das imaginäre Messer wieder an deinem Hals.

Tabletten schlucken

Mit deinem Bruder züchtest du jetzt veganen Käse, damit ihr über die Runden kommt. Du hasst den Gestank, doch die Schweizer fahren extrem darauf ab.

Immerhin lenkt dich die Arbeit ab. Von dem Messer, das dich ständig begleitet.

Und von dem Gedanken, dass die Leiche deines Sohns vielleicht unten im Bergsee vor sich hintreibt.

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Zürich

2 Jahre später

Xiao Ben Dan

Manchmal bist du ein wenig sauer auf das, was dir dein Sohn eingebrockt hast.

Als Whistleblower hat er die mächtige Bank zum Einsturz gebracht, den makellosen Ruf der Schweiz beschädigt und anderen Staaten geholfen, ihr Geld wiederzubekommen.

Doch um welchen Preis?

Hefeflocken in den Eimer schütten

Gut, die Ehre der Familie ist gerettet.

Dafür lebt ihr jetzt inkognito in einer winzigen Hütte und ernährt euch von selbst gezüchteten veganem Käse.

Ihr hofft, dass euch der Auftragskiller nicht findet, den die verärgerte Bank auf euch angesetzt hat.

Wolltest du wirklich, dass es so endet, also du deinen Sohn in die Schweiz geschickt hast?

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Chongqing

15 Jahre später

Xiao Wen Ti

Das feuchtwarme Wasser läuft über deinen Körper.

Du schrubbst kräftig, um den Geruch von Käse wegzubekommen. Von irgendwoher dröhnt chinesischer Pop.

Als du die Dusche verlässt, siehst du die Kakerlake.

Du denkst an deinen Onkel.

Kakerlake zertreten

Nachdem sie deinen Vater eingelocht haben, war kein Geld mehr da für deine Ausbildung in der Schweiz.

Das einzige, was du von dort mitnehmen konntest, war ein Geheimrezept für veganen Bergkäse.

Nun hältst du dich über Wasser, indem du veganes Raclette verkaufst.

Nicht gerade typisch für den Sohn eines hohen Parteikaders.

Abtrocknen

Du glaubst, dass dein Onkel sich die Korruptionsvorwürfe ausgedacht hat, um an das Geld deines Vaters zu kommen.

Er lebt in einer Villa, wo er seinen Reichtum bunkert, der eigentlich dir gehört, während dein Vater im Gefängnis aufs Übelste schikaniert wird.

Seit Jahren hast du ihn nicht mehr gesehen. Doch dir fehlt das Geld, um ihn freizukaufen.

Onkel aus dem Weg schaffen
Für die Freilassung deines Vaters demonstrieren

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Chongqing

1 Woche später

Xiao Ben Dan

Eine falsche Bewegung und du bist tot.

Das Ganze erinnert dich an ein schlimmes Déjà-vu. Doch das Messer ist nicht eingebildet.

Mit vielem hast du gerechnet, als du in die Villa deines Bruders eingebrochen bist – nur nicht, dass dort schon jemand auf dich warten würde.

Der Killerin in die Augen sehen

Ihre schwarzen Augen verschlingen dich. Wie konnte das nur passieren?

Noch nicht einmal zwei Wochen bist du aus dem Gefängnis draußen, und jetzt soll alles enden?

Dabei war dein Plan wasserdicht: Während dein Bruder in Peking ist, sein Vermögen plündern, und dann ab in die Schweiz zu deinem Sohn.

Kopf leicht drehen

Du siehst aus wie eine exakte Kopie von deinem Zwillingsbruder, die Sicherheitsleute haben keinen Verdacht geschöpft, als du in das Haus spaziert bist…

Der Druck der Klinge gegen deinen Hals verstärkt sich.

“Sind Sie Herr Xiao?”, zischt die Frau.

Langsam nickst du. Im nächsten Moment sticht sie zu.

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Chongqing

1 Jahr später

Xiao Ben Dan

Als dein Sohn in deine Zelle tritt, weinst du vor Glück.

Du bist unglaublich stolz auf ihn. Die von ihm organisierten Demonstrationen sind schnell zu Massenprotesten geworden.

Er hat sich nicht von den Drohungen der Partei einschüchtern lassen, sondern immer weiter demonstriert.

Ihn in die Arme schließen

Die Partei hat die Demonstrierenden ignoriert, aber klammheimlich wurden die Bedingungen im Gefängnis schrittweise verbessert.

Deine Peiniger verschwanden und du durftest einen Antrag auf Bewährung einreichen.

Nachdenklich lächeln

“Ich habe eine gute Nachricht!”, sagt dein Sohn in dem Moment.

“Der Gefängnisdirektor hat deinen Bewährungsantrag akzeptiert. In wenigen Tagen wirst du aus dem Gefängnis entlassen werden.”

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China, Ürümqi

5 Jahre später

Xiao Ben Dan

Durch deine Großherzigkeit mit den Bergbauern hast du das Vertrauen der Bevölkerung gewonnen.

Die Partei hat beschlossen, die Ermittlungen gegen dich fallen zu lassen und stattdessen Cong Ming Bu ins Gefängnis gesteckt.

Glück für dich. Du bist aufgestiegen und bist nun für den Ausbau der erneuerbaren Energien zuständig.

Vertraulichen Bericht öffnen

Der chinesische Geheimdienst berichtet von Unruhen bei den Uiguren.

Sie halten nichts von deinem Plan, eine Trasse durch die landwirtschaftlich genutzten Gebiete zu bauen.

Dabei hast du ihnen schon kostenlose Ausbildungen und kleinere Entschädigungen für ihre Umsiedlung zugestanden.

Bericht lesen

Offenbar drohen sie, die Bauarbeiten mit Terrorakten zu behindern.

Dabei ist diese Trasse extrem wichtig, denn sie soll erneuerbaren Strom aus der chinesischen Wüste direkt nach Europa leiten.

Langfristig würde die Region enorm profitieren, das explosive Wirtschaftswachstum würde endlich auch hier ankommen und sogar das Klima würde geschont.

Deinen Chef anrufen

“Peking will diese Trasse, basta.”, sagt dein Chef.

“Und bloß keine weiteren Terroranschläge! Gehen Sie notfalls hart vor, um dieses Uiguren-Problem zu lösen!”

Trasse bauen, ohne Rücksicht auf Verluste
Versuchen, Kompromiss mit den Uiguren auszuhandeln

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China, Lanzhou, Provinz Gansu

wenige Monate später

Chen Mei Ya

Du stehst am Ufer des Gelben Flusses und bereust, dass du dich von dem bierbäuchigen Schweizer in ein Gespräch verwickeln lassen hast.

“Aber was haben Sie denn gegen den grünen Kurs Ihrer Regierung?”, fragt er naiv.

“Den CO2-Zertifikatehandel einzuführen war eine Schnapsidee.”, sagst du.

“Es wird unser Wachstum bremsen!”

Ihm in die Augen schauen

“Hier gibt es immer noch viel zu viel Armut. Der einzige Weg, sie zu besiegen, ist schnelles Wachstum.”, erklärst du ungeduldig.

“Was nützt es uns, wenn wir grüne Energie nach Europa leiten, während die Menschen hier im Winter frieren, weil sie den Strom nicht mehr bezahlen können?”

Er entgegnet irgendetwas.

Nicht zuhören

Als irgendein Parteikader auf die Idee kam, dir ein Studium zu finanzieren, hast du diese Chance genutzt, um der bitteren Armut in deinem Dorf zu entfliehen.

Mit deinem exzellenten Abschluss hast du es an die Spitze eines großen Kohlekraftwerks geschafft.

Doch dann wurde die neue Trasse gebaut und seitdem boomen die erneuerbaren Energien.

Aufschauen

“Außerdem”, sagst du, “erstickt die Partei jeden Widerstand im Kern. Schauen Sie nur, was mit den Uiguren passiert ist. Wollen Sie das? Klimaschutz statt Menschenrechte?”

“Ich arbeite für eine Menschenrechtsorganisation.”, sagt er trocken und lächelt dann plötzlich.

“Sie scheinen mir ein kluger Kopf zu sein! Wenn Sie bei uns einsteigen möchten…”

Visitenkarte nehmen

Du denkst an dein anstehendes Treffen mit dem Politiker, der für den CO2-Zertifikatehandel zuständig ist.

Eigentlich wolltest du ihn schmieren, um deinen Konzern und deinen Ruf als Managerin zu retten.

Was der Schweizer dir anbietet, ist dagegen eine gefährliche, aber interessant klingende Arbeit.

Beim ursprünglichen Plan bleiben
Angebot annehmen

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China, Ürümqi

8 Jahre später

Xiao Ben Dan

So sehr sich Peking auch anstrengt, die grüne Politik setzt sich einfach nicht durch.

Überall lassen sich Beamte bestechen, um für große Konzerne Ausnahmen zu machen.

Die Korruption treibt ihre Blüten bis in die höchsten Etagen der Partei.

Aus dem Fenster schauen

Auf den Straßen Ürümqis drängen sich Menschen, die wegen des Baus der Stromtrasse in die Stadt ziehen mussten.

Sie sind wütend, denn inzwischen wird die Trasse nicht einmal mehr benutzt.

Da es im eigenen Land nicht funktioniert, will Peking Druck auf die EU machen, damit sie mehr für den Klimaschutz tut.

Seufzen

Du bist das ewige hin und her leid.

Während sich die Politiker streiten, spürt die Bevölkerung hier bereits die Auswirkungen des Klimawandels.

Die fruchtbare Gegend ist inzwischen zu trocken für den Anbau Obst.

Die Wirtschaft ist zum Erliegen gekommen, die Bevölkerung steht kurz vor der Revolte.

Zum Horizont schauen

Du hast dein Bestes gegeben, doch es hat nicht gereicht.

Am Horizont braut sich etwas zusammen, was dir nicht gefällt.

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China, Ürümqi

10 Jahre später

Xiao Ben Dan

Die grüne Transformation ist gelungen.

Auf den Dächern der Hochhäuser glitzern die Solarzellen, an den Außenwänden der Parteizentrale wurden Zucchini und Tomaten so gepflanzt, dass man von weitem meint, die chinesische Flagge zu erkennen.

Zumindest bis vorgestern.

Überwachungsaufnahmen ansehen

Eine von einem unverschämten Schweizer und einer frechen Dissidentin geleitete Organisation hat in einer “Protestaktion” den vertikalen Garten geplündert, mit dem Gemüse eine offene Grillparty geschmissen und die Bevölkerung dazu gebracht, kollektiv gegen die angebliche “Ökodiktatur” und Menschenrechtsverletzungen zu klagen.

Nase putzen

Leider waren Misshandlungen der Uiguren schon häufiger in der ausländischen Presse, sodass es dieses Mal nicht in Frage kommt, die Organisation mundtot zu machen…

Unterdrückung erschien dir früher als eine notwendige Lösung von widerspenstigen Problemen.

Doch mittlerweile ist China eine weltweit anerkannte Großmacht, die respektiert werden will – vielleicht ist es Zeit, versöhnliche Töne anzuschlagen.

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Peking

5 Jahre später

Xiao Ben Dan

Junge Menschen auf dem Tian An Men Platz. Der gute Deng hätte sich im Grab umgedreht.

Dieses Mal protestieren sie für den Klimaschutz.

Beschweren sich, dass die grüne Transformation zu langsam verläuft.

Dass die Trasse, die grüne Energie zwischen China und Europa fließen lassen soll, immer noch nicht gebaut wurde.

Mit den Zähnen knirschen

Ein paar von den Wortführern hast du Jahre zuvor sogar noch ihr Studium finanziert.

Ist das der Dank? Wo ist der Respekt für die ältere Generation, für die Tradition?

Das mit der Trasse wird negativ auf dich zurückfallen, einige Parteirivalen warten nur auf eine Chance, deinen begehrten Platz einzunehmen.

Du musst etwas tun.

Nachdenken

Dein Verhandlungsgeschick mit den Uiguren hat dir gute Presse beschert.

Dein Chef wurde abgesetzt und du konntest weiter aufsteigen bis in den obersten Zirkel der Partei.

Doch dein Gefühl sagt dir, dass Verhandlungen dieses Mal wirkungslos sein könnten.

Nachgeben heißt, Schwäche zeigen. Das wäre der Anfang vom Ende der kommunistischen Partei.

Haare raufen

Die Kontrolle der Situation könnte der Partei entgleiten.

Was werden eine Milliarde Menschen tun, die das Gefühl haben, dass sie niemand mehr kontrollieren kann?

Der Gedanke lässt dich schaudern. Gleichzeitig willst du schlechte Presse im Ausland vermeiden. Viel zu viele ausländische Organisationen haben sich unter die jungen Menschen gemischt, die alles dokumentieren.

Proteste beenden
Proteste zulassen

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China, Ürümqi

1 Jahr später

Xiao Ben Dan

Der Shitstorm in den chinesischen sozialen Medien war sogar noch größer als der Aufschrei der Weltgemeinschaft.

Du musstest deinen Posten in Peking räumen und bist nun wieder in Xinjiang tätig.

Wenigstens die Uiguren haben dich noch in guter Erinnerung.

Schweiß von der Stirn wischen

Immer wenn du an das Tian An Men Debakel denkst, kommen deine alten Schreckgespenster wieder.

Ständig hast du Angst, von einem wütenden Studenten ein Messer in den Rücken gestochen zu bekommen, obwohl du weißt, dass China ein zivilisiertes Land ist.

Tabletten schlucken

Du glaubst immer noch, vor einem Jahr das Richtige getan zu haben.

Für die Protestierenden war es hart, aber immerhin hat die Partei vorerst die Kontrolle behalten.

Bevölkerung unter Kontrolle, Wirtschaftswachstum stabil und dank des neuen 5-Jahres-Klimaplans der Partei wird auch der Klimawandel bald unter Kontrolle sein.

Was will man mehr?

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Peking

10 Jahre später

Xiao Ben Dan

Die Vertreter der Lokalräte und der Parteien debattieren über den besseren Schutz von Chinas großen Küstenstädten, die durch Überflutungen bedroht sind.

Das Klimaschutzprogramm der regierenden Partei – den ökologischen Feministen – wird von der konfuzianischen Ordnungspartei in Grund und Boden geredet – und du führst den Vorsitz.

Zurückerinnern

Nie hättest du gedacht, dass die Partei Macht abgeben könnte, ohne das Gesicht zu verlieren und das Land ins Chaos zu stürzen.

Die USA sah ihre Chance und versuchte sich einzumischen, die Lage drohte zu eskalieren.

Doch dann formten sich die Gemeinderäte, bildeten sich verschiedene politische Lager und die kommunistische Partei ließ erstmals andere politische Meinungen bei den Wahlen zu.

Den Uiguren das Wort erteilen

Jetzt hat China eine chinesische Demokratie, mit der sich alle arrangieren können. Durch das neue Verantwortungsgefühl in der Gesellschaft ist die Korruption stark gesunken.

Terrorismus ist ein Übel der Vergangenheit, denn seit die Minderheiten mitregieren können, sehen sie keinen Grund mehr, Bomben zu bauen.

Als Vorsitzender der Neuen Chinesischen Volksrepublik bist du stolz auf dein Land.


 
 
 
 

 
 
 

Schöne Neue Welt

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Russland, im Kreml

2021

Präsident

“Sehr geehrter Herr Präsident, die Klimakrise ist eine Herausforderung für die ganze Menschheit und bedroht das Leben auf diesem Planeten in noch nie gekanntem Ausmaß.”

“Nur wenn jedes Land sich dazu verpflichtet, seinen Treibhausgasausstoß zu senken, und weitreichende Maßnahmen für den Klimaschutz vornimmt, können wir die Erderwärmung auf unter 2 Grad begrenzen.”

Weiterlesen

“Besonders Russland als größtes Land der Erde trägt eine besondere Verantwortung.”

“Deshalb möchten wir Sie zur Teilnahme an den Nachverhandlungen zum Klimaabkommen von Paris einladen.”

“Gezeichnet, der Präsident der Französischen Republik.”

Schreiben abheften

Es war absehbar, dass dieser Vorschlag von den Europäern kommt. Sehr viel Idealismus, kein Sinn für Realpolitik.

Klar, der Klimawandel ist Realität, und gerade in Russland ist die Temperatur schneller gestiegen als im Rest der Welt. Trotzdem ist dieses beunruhigende Naturphänomen nicht auf Platz eins deiner Prioritätenliste.

Du willst, dass es mit der russischen Wirtschaft bergauf geht, und dass du bei der Bevölkerung beliebt bist.

Was tun?

Bei den Verhandlungen wird wahrscheinlich nur heiße Luft geredet, aber zumindest würde Russland kooperativ dastehen.

Außerdem vergessen die Europäer vielleicht durch ein gutes Abkommen den Streit um die Halbinsel Krim und lockern die lästigen Sanktionen gegen dein Land.

Ein Abkommen könnte aber auch die Entwicklung der russischen Wirtschaft um Jahrzehnte zurückwerfen und deinen Kritikern in die Hände spielen.

Überlegen

Der Klimawandel ist nicht deine Schuld, sondern wurde hauptsächlich vom Westen verursacht.

Einige deiner Berater sind der Meinung, dass Russland durch die Erwärmung wirtschaftlich sogar profitieren wird.

Trotzdem an den Verhandlungen teilnehmen
Nicht an den Verhandlungen teilnehmen

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USA, im Weißen Haus

7 Jahre später

Präsident

Ein langer Protestzug zieht vorbei.

Er besteht aus tausenden von Menschen, welche ihre Familienmitglieder und Häuser verloren haben, als der letzte Hurrikan die karibischen Inseln traf.

Neben Nothilfe fordern sie auch, dass die USA ihre Klimaziele einhält.

Vorhänge zuziehen

Du bist solche Proteste bereits gewöhnt, denn todbringende Hurrikans sind mittlerweile an der Tagesordnung.

Wie die Menschen es jedes Mal schaffen, bis zum Weißen Haus zu kommen, ist dir ein Rätsel.

Du vermutest, dass sie von den Russen bezahlt werden, um ein schlechtes Bild von den USA zu zeichnen.

Sicherheitsberater anrufen

Das Klimaabkommen ist dir schon lange ein Dorn im Auge.

Dein Vorgänger hat es ausgehandelt, um vor der Weltgemeinschaft gut dazustehen, hat aber kaum an die wirtschaftlichen Folgen gedacht, die das Abkommen für die US-Bürger mit sich bringt.

Die Russen, Chinesen und Inder haben sich für eine Verschärfung des Pariser Klimaabkommens eingesetzt, um die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen.

Dich nach der aktuellen Lage erkundigen

Laut Informationen des Geheimdienstes umgeht Russland seine Verpflichtungen und verkauft heimlich Erdöl auf dem Schwarzmarkt…

Solltest du es den Russen gleichtun?

Damit könntest du dich bei den Erdölkonzernen beliebt machen und dir deine nächste Wahlkampagne finanzieren lassen.

An die Protestierenden denken

Sie tun dir leid.

Wenn du die eingegangenen Verpflichtungen nicht einhältst, sind diese Proteste erst der Anfang, ganz zu schweigen von dem Shitstorm, der dich in den sozialen Netzwerken erwartet.

Dich an den Klimaschutzvertrag halten
Dich nicht an den Vertrag halten – genau wie Russland

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Russland, Moskau

4 Jahre später

Toma

Der Mann mit dem grauen Bart und den grauen Augen schaut dich verzweifelt an.

Er kommt aus Sibirien, aus deiner Heimatstadt Omsk, hat jahrelang in der Erdgasförderung gearbeitet.

Im Gegensatz zu dir hat er den Aufstieg nicht geschafft: Während du als Managerin des Konzerns keine Geldsorgen hast, fürchtet er mit Mitte 50 keine neue Arbeit mehr zu finden, in Armut zu altern.

Flachbildfernseher anschalten

Das weiße Gesicht des Präsidenten blickt euch entgegen, der das neue Gesetz verliest, das den Untergang deines Konzerns bedeutet: Heute kommt Russland seiner Verpflichtung nach, die es im neuen Klimaabkommen eingegangen hat.

Um das Ziel einer Null-Emissionen-Wirtschaft zu erreichen, wird ab sofort der Handel mit Erdöl und Erdgas verboten.

Den Mann entlassen

Du schaust ihm nach, wie er mit gesunkenem Kopf aus dem Büro schlurft.

Verbitterung steigt in dir hoch. Dein ganzes Leben hast du diesem Konzern gewidmet, hast auf eine Familie und Freizeit verzichtet, um Russland zum Vorreiter in der Erdgasförderung zu machen.

Wie konnte der Präsident deine Firma auf diese Weise verraten?

Den nächsten Arbeiter hereinbitten

Du wirst etwa 250.000 Menschen entlassen müssen, um den Konzern rentabel zu halten.

Sie werden das nie verzeihen.

Aber was kannst du tun?

Dich dem Schicksal fügen
Etwas gegen den Präsidenten unternehmen

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Russland, Sibirien, Omsk

20 Jahre später

Präsident

Du bist stolz auf die großen technologischen Sprünge, die deinem Land in den letzten Jahren gelungen sind, was natürlich auch an deiner Präsidentschaft liegt.

Die erste Welle der Arbeitslosigkeit infolge der Reformen hat dein Image stark angekratzt, doch inzwischen verehrt dich die Bevölkerung wie einen Helden.

Hände schütteln

Heute besuchst du ein Aufforstungsprojekt, in dem viele Menschen arbeiten, die früher in der Erdöl- und Erdgasförderung tätig waren.

Solarbetriebene Drohnen fliegen über die riesigen Flächen, die vor Jahren abgebrannt sind, und werfen kleine Samenpakete auf den Boden.

Dank des speziellen Nanoschlamms, der auf dem Boden liegt, wird hier in wenigen Jahren ein kleiner Wald entstanden sein.

Zufrieden nicken

Es ist der Menschheit gelungen, das Klimaproblem in den Griff zu bekommen und du konntest deine Macht sichern.

Wenn du alt bist, wirst du dich hier in Omsk niederlassen, in einem der schönen Baumhäuser, die hoch oben in den Nordtannen hängen.

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Russland, Nowosibirsk

4 Jahre später

Toma

Beim Anschlag auf den Präsidenten ist etwas schief gegangen.

Es gab einen Maulwurf. Viele deiner Freunde wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Auch du sitzt seit 4 Jahren wegen Korruptionsvorwürfen hinter Gittern.

Die Zellwand anstarren

Der Staat hat sich dafür eingesetzt, dass die entlassenen Arbeiter eine feste Stelle im Wirtschaftssektor für erneuerbare Energien bekommen.

Mittlerweile bereust du, dass du vorschnell gehandelt hast. Wenn du wieder frei kommst, wirst du Russland nicht mehr wiedererkennen.

Du nimmst dir vor, ein neues Unternehmen aufzubauen, das nicht auf Kohle oder Erdöl beruht.

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Russland, im Kreml

20 Jahre später

Präsident

Die Zeiten sind rauer geworden. Krieg liegt in der Luft. Die Amerikaner haben dich nicht nur mit dem Klimaabkommen hereingelegt, sie haben auch einen Atomwaffenvertrag nach dem anderen gekündigt. Von Klimaschutz redet mittlerweile keiner mehr: die Wohlhabenden haben sich in die skandinavischen Länder und nach Russland geflüchtet; wie es in Afrika und auf den ostasiatischen Inseln aussieht, weißt du nicht. Seit Jahren traut sich kein Kamerateam mehr dorthin.

Bericht des Geheimdienstes lesen

Die Welt befindet sich in einer Aufrüstungsspirale. Das ist nötig, um die Grenzen mit brutaler Gewalt gegen illegale Migranten zu sichern und im globalen Kampf um die verbleibenden Ressourcen nicht zurückzufallen. Täglich erfährst du von Scharmützeln zwischen amerikanischen, chinesischen und russischen Streitkräften, die in der Arktis nach Rohstoffen suchen, sowie von amerikanischen Cyberattacken auf russische Energieversorger.

Nach dem Smartphone greifen

Zum ersten Mal in deiner Zeit als Präsident machst du dir wirklich Sorgen um dein Land. Die Amerikaner sind zu allem be- Dein Smartphone vibriert.

Die Tonabfolge kommt dir bekannt vor. Es ist die Melodie aus der “Toteninsel” von Rachmaninov. Du hast sie in deinen Träumen schon viel zu oft gehört.

Mit zitternden Fingern öffnest du das AI-Programm auf dem Gerät, das täglich die geheimen Sicherheitsbesprechungen des US-amerikanischen Präsidenten ausliest und übersetzt..

Übersetzung lesen

У нас есть бомба… мы будем воспользоваться возможность…вначале США…сердце России…нападение [Wir haben die Bombe…wir werden die Gelegenheit nutzen…Amerika zuerst…das Herz Russlands… Angriff]

Programm schließen

Ein Angriff der Amerikaner auf den Kreml. Insgeheim hast du schon seit Jahren damit gerechnet, dass es irgendwann soweit sein würde, aber trotzdem trifft es dich völlig unvorbereitet. Du weißt, dass dir nur noch wenige Minuten bleiben, um eine Entscheidung zu treffen.

Lage einschätzen

Den Vorteil des Erstschlags nutzen und angreifen? Oder die Raketenabwehrsysteme hochfahren und dich im Bunker verschanzen?

Sicherheitsberater anrufen, in Richtung Bunker rennen
Befehl geben, die Atomraketen auf Washington zu feuern

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Russland, im Kreml

ein paar Sekunden später

Präsident

Die Tür schließt sich. Der Aufzug schießt nach unten. Du befindest dich tief unter dem Kreml. Du kletterst durch eine gelbe Röhre in den sichersten Teil des Bunkers. Hinter dir verschmelzen die dicken Bleiwände. Das Rauschen in deinen Ohren vernebelt deine Gedanken.

Sekunden zählen

Es passiert nichts. Einige Minuten später hat sich das Notstromaggregat aktiviert. Du rufst in der Militärzentrale an. Fehlalarm. Es gab keinen Einschlag, die AI hat einen Übersetzungsfehler gemacht: Die USA haben gar nicht geplant, Russland anzugreifen. Stattdessen wollten sie als Zeichen der Versöhnung in Kooperation mit Russland ein neues Kernfusionswerk im Herzen Russlands in Angriff nehmen.

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Russland

800.000 Jahre später

X.M.

“Und so kam es, dass sich die sogenannte menschliche Rasse selbst in die Luft jagte, unfähig ihren Erdölkonsum und ihre Spielsucht mit tödlichen Waffen in den Griff zu kriegen.”, beendet die Museumsdirektorin die Führung.

Gähnen

Der Untergang des homo sapiens sapiens verhalf eurer Zivilisation zum Aufblühen. Euren Körpern macht die radioaktive Strahlung nichts aus, im Gegenteil, ihr zieht aus der Strahlung die Energie, die ihr zum Leben braucht.

Museum verlassen

Du bist froh nicht unter diesen Menschen gelebt zu haben. Die letzten homo sapiens sapiens haben in ihrer Hoffnung zu überleben tausende gentechnische Menschenversuche gemacht, aus denen irgendwann der homo clarus, die eigentliche Schöpfungskrone entstand. Nachdem die letzten homo sapiens sapiens ausgerottet waren, stieg euer Menschengeschlecht zu wahrer Größe auf und machte sich daran, die Galaxie zu bevölkern.

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Russland, im Kreml

10 Jahre später

Präsident

Fassungslos schaust du auf die Bilder der NASA, welche die renommierteste Klimaforscherin Russlands gepostet hat. Man sieht eine orange glühende Fläche, vermischt mit grauen Schlieren. Ist das ein Bild von der Sonne?

Post lesen

“Für unsere sibirischen Wälder ist es bereits zu spät, genau wie für die 5000 Menschen, die bei den Waldbränden bereits ums Leben gekommen sind.”, schreibt sie, “Aber der Klimawandel hört nicht auf. Bitte tun Sie etwas, bevor es zu einer Katastrophe kommt. Wir müssen die Förderung von fossilen Energieträgern beenden und den Wald wieder aufforsten!”

Genauer hinschauen

Du zweifelst an der Echtheit dieser Bilder. Der Name der Forscherin ist auch nach investigativer Recherche nirgends aufzufinden. Ziemlich sicher ein Täuschungsversuch der Amerikaner, die wissen, dass die Zukunft des Landes an den Erdgasvorkommen und dem Handel mit Erdöl hängt. Aber die Tweets in den sozialen Netzwerken, die Bilder von Kindern aus Irkutsk und Krasnojarsk, die an Lungenvergiftung in Krankenhäusern sterben – das alles kann man nicht fälschen.

Klimaschutzmaßnahmen ergreifen, Gesundheit der Bürger schützen
Nicht Russlands Wirtschaftswachstum wegen Falschinformationen gefährden

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Russland, im Kreml

2 Wochen später

Präsident

Die Bevölkerung ist nicht mit den geplanten Klimaschutzmaßnahmen einverstanden. Du bereust jetzt, dass du jahrelang die Verbreitung von Dokumentationen gefördert hast, die bestritten, dass der Mensch irgendetwas mit dem Klimawandel zu tun hat. Da du dich nie an Klimaabkommen beteiligt hast, misstraut dir die Weltgemeinschaft.

Nachdenken

Um internationale Unterstützung für die Wiederaufforstung der sibirischen Wälder und die Versorgung der Verwundeten zu bekommen, musst du beweisen, dass du es ernst meinst.

Aufklärung über den Klimawandel in der Schule einführen
Freiheitsrechte einschränken; bis die Leute aufgeklärt sind, ist es zu spät fürs Klima

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Russland, Moskau

20 Jahre später

Sascha, Sohn des Präsidenten

In der Schule hast du gelernt, wie wichtig Klimaschutzmaßnahmen für das Wohlergehen der Menschheit sind. Du hast beschlossen, deine Intelligenz dafür zu verwenden, um an einer besseren Welt zu arbeiten, statt deinem Vater ins Präsidentenamt zu folgen. Mit anderen internationalen Studierenden hast du ein chemisches Verfahren entwickelt, um große Mengen des ausgestoßenen CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen und in Graphen umzuwandeln.

Paper fertig schreiben

Dein Vater hat versucht, sich das Verfahren für seine Zwecke unter den Nagel zu reißen, sogar den Geheimdienst eingeschaltet, aber du hast dich erfolgreich dagegen gewehrt. Die Zeiten des Nationalismus sind vorbei. Du bist stolz auf dein Land, aber um die Ökosysteme des Planeten wieder ins Gleichgewicht zu bringen, braucht es die klügsten Köpfe aller Nationen. Es wird noch viele Jahre dauern, bis die Menschheit das Klimaproblem wirklich in den Griff bekommt. Doch zumindest in Russland herrscht wieder ein Zustand, der sich ein wenig wie Normalität anfühlt.

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Russland, Sankt Petersburg

20 Jahre später

Sascha, Sohn des Präsidenten

Früher wurde Sankt Petersburg auch als “Venedig des Nordens” bezeichnet, heute würde “Venedig im Dunkeln” besser passen. Seit Jahren brennt nachts keine einzige Straßenlaterne mehr, es herrscht Ausgangsverbot. Krampfhaft umklammerst du die schwach leuchtende Lampe, die du dir aus einer teuren 9-Volt-Batterie und einer Kaputten LED zusammengebaut hast.

An dunklen Mauern vorbeischleichen

Nervös ziehst du ein paar Scheine aus der Hose. Gegenstände wechseln den Besitzer, dann ist dein Gegenüber schon in der Nacht verschwunden. Tief einatmen. Endlich wieder ein Handy. Wenn dein Vater davon Wind bekommt…

Den Rückzug antreten

Seit dein Vater den Besitz sämtlicher elektronischer Geräte wegen ihres Stromverbrauchs verboten hat, sind Handys eine heiß begehrte Ware auf dem Schwarzmarkt. Du hast jahrelang für dieses alte Nokia gespart. Es hat nicht einmal Internetzugang, aber das Internet hat für dich ohnehin keinen praktischen Nutzen, denn im russischen Internet gibt es nur Websites zur Wichtigkeit des Klimaschutzes.

Handy im Mantel verstecken

Zum ersten Mal seit Jahren steigt Hoffnung in dir auf. Mit etwas Glück kannst du am Stadtrand, am letzten funktionierenden Sendemasten, deine Tante erreichen, die einzige aus der Präsidentenfamilie, der die Flucht gelang. Vielleicht kann sie dir helfen. Von deinem Vater hast du oft gehört, wie schwierig das Leben damals war. Für dich fühlt es sich so an, als hätte die Sowjetunion nie aufgehört zu existieren.

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Kasachstan, Kosmodrom Baikonur

40 Jahre später

Präsident

Du hast Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um an einen Platz im Raumschiff zu gelangen.

Bald wirst du diesen Planeten für immer verlassen.

Ziel der Reise ist ein neuer Planet am anderen Ende der Galaxis, der den Menschen genügend Lebensgrundlagen bietet, um dort eine neue Zivilisation zu errichten.

Die Rakete mustern

Für den Planeten Erde und die Menschen, die du zurücklässt, gibt es keine Hoffnung mehr. Es ist schlimmer gekommen, als die Klimaforscher gedacht haben.

Das System Erde hat mehrere Kipppunkte überschritten. Russlands Permafrostböden haben angefangen zu tauen, die Wälder Sibiriens sind vollständig abgebrannt, das Land wird von meuternden Banden beherrscht.

Du hast auf die Innovationskraft der Wirtschaft gesetzt, aber die Naturzerstörung war schneller als der technische Fortschritt.

Deinen Sohn anschauen

“Vater, du musst jetzt gehen.”, sagt dein Sohn. Du drückst ihn fest an dich, spürst seinen Körper zum letzten Mal.

Plötzlich wird dir bewusst, wie alt du bist. Ihn hier zurück zu lassen bedeutet womöglich seinen Tod.

Aber du fürchtest den Zorn der Bevölkerung, wenn du an seiner Stelle zurückbleibst, denn als Präsident hast du jene verhängnisvollen Entscheidungen getroffen, die das Land und den Planeten in diese schreckliche Lage gebracht haben.

“Nein. Steig du ein, Kind. Keine Widerrede.”
Schlucken und das Raumschiff betreten

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Kasachstan, Kosmodrom Baikonur

3 Minuten später

Präsident

Die Rakete hebt ab. Schneller als du blinzeln kannst, ist sie hinter dem schwarzen Nachthimmel verschwunden.

Was erwartet dein Kind auf dem neuen Planeten? Werden die Menschen aus ihren Fehlern lernen? Werden sie es schaffen, eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen? Werden sie die Natur als etwas Bewahrenswertes sehen, das geachtet werden muss, oder werden sie auch diesen anderen Planeten ausbeuten und dann weiterziehen, als Nomaden der Galaxis?

Du wirst es nie erfahren.

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Weltraum

5 Minuten später

Präsident

Die Rakete hebt ab. Du wirst in den Sitz gedrückt. Der Planet Erde entfernt sich in rasender Geschwindigkeit. Früher wurde er der “Blaue Planet” genannt. Du würdest ihn eher als Glühwürmchen bezeichnen. Durch die Eutrophierung des Meeres gibt es so viel phosphoreszierende Algen, dass das Wasser neongelb schimmert.
Du weißt nicht, wie viel Zeit vergangen ist, als das Licht erlischt. Dein Herz beginnt zu rasen. Du hörst gedämpfte Schreie. “Bitte bleiben Sie ruhig.”, sagt eine Stimme, “Es ist nur ein kleiner technischer Fehler, wir haben ihn bald-”
Die Verbindung bricht ab. Die wird schwarz vor Augen.


 
 
 
 

 
 
 

Spiel mit dem guten Leben

intro

Deutschland, Frankfurter Börse

2024

Börsenspekulant

Ein großer Ventilator schiebt dir die stickige, dicke Büroluft gegen dein Gesicht.

Schweiß läuft deinen Rücken hinunter, während du die Entwicklung deiner Aktien verfolgst.

Die Kurse an der Börse sind schon seit Wochen hoch.

Viel zu hoch.

Aus dem Fenster schauen

Viele Experten reden schon von einer Verfälschung des Kurses, von Hochkonjunktur und warnen vor der großen Rezession.

Der Wert von Aktien in erneuerbare Energien hat sich innerhalb von wenigen Tagen fast verdoppelt.

Deine arroganten Aktionäre sollten dankbar sein, dass du in Risikogeschäften immer den richtigen Riecher hattest.

Augen aufreißen

Der Vogel fliegt direkt auf dich zu und prallt an der Scheibe ab.

Dein Blick wandert zum Bildschirm. Verdammt.

Der Aktienkurs für erneuerbare Energien hat 5 Prozentpunkte verloren. Das ist viel zu viel. Du fällst förmlich aus dem Sessel. Es deutet alles auf einen Finanzcrash hin.

Durchatmen

Solltest du doch lieber in Rohstofffonds und Kaffee investieren?

Diese Branchen sind zwar spekulativ aber könnten dir dicke Gewinne einbringen.

Erstmal abwarten
Ins Rohstoffgeschäft einsteigen

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Kolumbien, Barranquilla

3 Monate später

María

Knatternd kommt der alte Motor zum Stillstand. Du steigst aus, checkst, ob die leeren Kaffeesäcke immer noch auf der Ladefläche des alten Trucks liegen.

Da eilt bereits der Tankstellenbetreiber auf dich zu, erfreut über die späte Kundschaft. “Kann ich Ihnen behilflich sein?”, fragt er, “Wie möchten Sie tanken? Elektrisch?

Mit Wasserstoff? Oder brauchen Sie eine neue Solarbatterie?”

Kopf schütteln

Einige deiner Verwandten, die auf den Koka-Anbau umgeschwenkt sind und Geschäfte mit der Drogenmafia machen, haben inzwischen das Geld, um sich Elektromotorräder und teure Wasserstoffautos zu leisten.

Du selbst bist beim Kaffeeanbau geblieben und musst schauen, wie du über die Runden kommst.

Müde lächeln

“Wir bieten jetzt auch Bio-Kraftstoff an.”, fährt der junge Mann eifrig fort, “Das ist kaum teurer als normaler Sprit, aber damit können Sie Ihren Beitrag für den Umweltschutz leisten.” Umweltschutz ist etwas für Reiche.

Du tust schon dein Bestes, um deine Kaffeepflanzen zu pflegen. Andererseits sind die Preise auf dem Weltmarkt einigermaßen stabil und du konntest heute deine ganze Ernte verkaufen.

Biosprit tanken
Benzin tanken

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Niederlande, Den Haag

2 Jahre später

CEO eines Ölkonzerns

Wälder brennen ab, Arbeiter laden verkohlte Baumstümpfe auf einen Lastwagen…die ersten Traktoren rollen über das neue Sojafeld.

Aus dem dichten, undurchdringlichen Regenwald ist eine neue Biospritproduktion geworden. Bilder von abgemagerten Familien flackern über den Bildschirm.

Du denkst an deine eigenen Kinder. Sieht so die Zukunft aus?

Video schließen

Deinen Posten als Chefin des Ölkonzerns hast du in schwierigen Zeiten angetreten: Die Finanzwelt investiert wie verrückt in erneuerbare Energien und immer mehr Aktionäre verkaufen ihre Aktien.

Du warst überzeugt davon, dass Biokraftstoffe die perfekte Lösung sind, um den Sinkflug der Aktien zu stoppen, die Profitgier der Aktionäre zu stillen und etwas für die Umwelt zu tun.

Anruf ignorieren

Du weißt nicht, was du tun sollst.

Du musst den Konzern rentabel und konkurrenzfähig halten, schließlich sind 81.000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt auf ihre Arbeitsplätze angewiesen.

Gleichzeitig plagen dich schwere Gewissensbisse, wenn du an die Folgen denkst, die deine Entscheidung verursacht.

Aufs Smartphone schauen

Der Anruf kam von deinem guten Freund, der an der Börse spekuliert. Du könntest ihn überzeugen, in die Region vor Ort zu investieren, um der indigenen Bevölkerung eine Perspektive zu bieten und den Regenwald zu schützen.

Doch werden die Menschen einer Person vertrauen, die seit Jahren auf ihre Kosten Profite macht?

Überlegen

Du könntest auch in Zukunft auf kleinerem Fuß leben, dein gesamtes persönliches Vermögen für Aufforstungsprojekte und Nahrungsmittelhilfe verwenden und eine Aufklärungskampagne bei den Kunden starten.

Nur mit dem Konzern wäre es dann wahrscheinlich vorbei.

Leben ändern und versuchen, Fehler wiedergutzumachen
Konzern am Laufen halten, deinen Freund bitten, den Rest zu erledigen

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Kolumbien, Barranquilla

30 Jahre später

Börsenspekulant

Als dir deine Freundin damals erzählt hat, dass sie ihr ganzes Vermögen aufgeben möchte, um den Regenwald zu retten, hast du nur gelacht.

Doch dann nahmen die Proteste vor der Börse zu und du musstest viel Geld spenden, um das Gesicht zu wahren.

Viel zu viel Geld.

Schweiß von der Stirn wischen

Kolumbien ist heiß. Viel zu heiß.

Du weißt nicht, warum diese ganzen Kaffee-Bauern, die zur Tankstelle kommen, um ihre Trucks mit Wasserstoff zu tanken, so gut gelaunt sind.

Du hast nicht viel zu lachen, seit du beim letzten Börsencrash dein ganzes Vermögen verloren hast. Du hast dich nach Kolumbien abgesetzt, um nochmal von vorne anzufangen, als Betreiber einer Wasserstofftankstelle. Die guten Zeiten werden wiederkommen.

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Irgendwo in Kolumbien

5 Jahre später

Börsenspekulant

Die Aktionäre haben dich gefeuert.

Es war naiv, dem Rat deiner Ex-Freundin und ehemaligen CEO eines Ölkonzerns zu folgen und in Umweltprojekte in Argentinien zu investieren.

Kein Wunder, dass der Konzern pleitegegangen ist.

Vögel füttern

Verdammte Aktionäre…der Kurs der Umweltprojekte hat sich nach wenigen Monaten erholt und geht jetzt total durch die Decke.

Leider siehst du nicht mehr viel von dem Geld. Der große BMW ist weg und du sitzt in einer kleinen Hütte in Kolumbien fest.

Käfig saubermachen

Ein Kleinhändler hat dir diese Vogelzucht angedreht. Es war die Gelegenheit, viel Geld zu machen.

Leider brach die Nachfrage nach Luxusvögeln einige Wochen später weg. Konnte keiner vorhersehen. Du bist auf diesen seltenen Urwaldvögeln sitzen geblieben.

Mistviecher. Die fressen viel zu viel.

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Venezuela, Caracas

2 Jahre später

Premierminister

Naturkatastrophen und blutige Aufstände haben in Venezuela viele Bürger das Leben gekostet.

Du hast das Militär beauftragt, drastische Maßnahmen zu ergreifen, damit im Land das Chaos nicht die Oberhand gewinnt.

Lagebericht lesen

Aktuell kann sich deine Regierung nur halten, weil du die großen Ölfelder Venezuelas kontrollierst.

Der Hunger nach Erdöl ist groß, gleichzeitig ist der Ölexport das einzige sichere Geschäft, dass dem Staat Geld bringt. Bricht dieses auch nur für kurze Zeit ein, wird die venezolanische Wirtschaft in ein tiefes Loch fallen.

Die Inflation wird unkontrollierbare Ausmaße annehmen und das Militär könnte sich von dir abwenden.

An das Angebot der Chinesen denken

Die Geheimdienste der USA warten nur auf erste Anzeichen von Schwäche, um dich zu beseitigen. Die kritischen Stimmen im Volk werden immer lauter, es ist höchste Zeit zu handeln.

Die Volksrepublik China hat dir einen Tausch angeboten: Du verkaufst mehrere Häfen von Venezuela und Lizenzen für die Erdölförderung und dafür werden chinesische Ingenieure dabei helfen, Wasser- und Solarkraftanlagen in Venezuela zu installieren.

Und das Öl?

Auch die Chefin eines großen Ölkonzerns hat dir ein lukratives Angebot unterbreitet:

Sie helfen dir bei der Ölförderung und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Lage in Venezuela stabil bleibt, indem sie ein gutes Wort bei der amerikanischen Regierung einlegen.

Mit den Chinesen paktieren
Angebot des Ölkonzerns annehmen

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Venezuela, Cáracas

30 Jahre später

Börsenspekulant

“再见”, verabschiedet sich der freundlich lächelnde Roboter, als du die venezolanische Börse verlässt. Viel zu viel chinesisch.

Addis Abeba, Kairo, Hanoi, Tokio…Wo man auch hinkommt, ist chinesisch die neue Amtssprache. Du kannst den seltsamen Klang dieser Sprache nicht ausstehen.

Durchsichtige Graphenröhre betreten

Mit Überschallgeschwindigkeit schießt du ans andere Ende der Stadt, wo du in deinem Geschäftshotel 400 Meter über dem Boden von einem weiteren Roboter empfangen wirst.

Du hasst diese Art der Fortbewegung. Viel zu schnell, davon wird dir immer übel.

Einchecken

Du lässt deinen Blick über die gewaltige Skyline schweifen. Die Chinesen haben kräftig in ihr neues Überseegebiet investiert.

Cáracas kann sich in seiner technischen Entwicklung mit Weltmetropolen wie Peking oder New York messen. Das Land ist stabil, die Bürger gefügig. Nur vom alten Präsidenten, der damals den ersten Deal mit China abschloss, hat man schon lange nichts mehr gehört.

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Chile, Santiago de Chile

31 Jahre später

Börsenspekulant

Im Rückblick war es ein Fehler, nach Venezuela zu ziehen. 20 Jahre lang boomte die Wirtschaft und du hast richtig Cash gemacht. Dann war das Erdöl ausgepumpt.

In Windeseile wurden mehrere Atomkraftwerke an der venezolanischen Küste errichtet. Du hast natürlich heftig investiert.

Stöhnen unterdrücken

Doch dann wurden die Reaktoren von mehreren Wirbelstürmen und einem tödlichen Tsunami getroffen.

Die Kühlung von mehreren Reaktoren ist ausgefallen, es kam zur Kernschmelze, die das Land atomar verseuchte.

Zur Seite drehen

Du konntest dich noch aus dem Land retten, bevor Venezuelas Nachbarländer wegen der nicht bewältigbaren Menge an Flüchtlingen die Grenzen schlossen.

Jetzt teilst du dir das Bett mit zwei weiteren schwerkranken Patienten. Diagnose: Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium.

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Im Norden Kolumbiens

2 Wochen später

María

Der Truck – voll beladen mit Kaffeebohnen – verschwindet aus deinem Sichtfeld und die untergehende Sonne bestrahlt die geernteten Plantagen.

Die letzte Fuhre.

Erschöpft stellst du den leeren Holzkorb auf die Erde. Mit deinen Verwandten hast du jede einzelne Bohne von Hand gepflückt.

Hütte betreten

Dein Mann sitzt gebückt am Esstisch, füttert den Kleinen. Die Flecken auf seiner Haut sind nicht mehr zu übersehen.

An den Tisch setzen

Du hattest gehofft, endlich Medikamente für deinen Mann kaufen zu können, aber der Weltmarktpreis für Kaffee ist dieses Jahr so tief… du wirst die Schulden bei der Bank schon wieder nicht zurückzahlen können.

Und was ist, wenn die Kaffeepreise im nächsten Jahr noch weiter fallen?

Nach Ausweg suchen

Die Frauen auf dem Markt haben dir von dem Konzept des “Fairen Handels” erzählt, der den Bauern ein sicheres Einkommen unabhängig vom Weltmarktpreis verspricht.

Du weißt aber nicht, ob der Preis für die Medikamente deines Mannes reichen wird. Eine andere Möglichkeit wäre, Koka statt Kaffee anzubauen.

Dein Cousin hat Verbindungen zur Drogenmafia und würde dafür sorgen, dass du einen guten Preis für die Ernte bekommst.

Dein Glück mit dem Fairen Handel versuchen
Auf den Koka-Anbau umsteigen

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Kolumbien, Barranquilla

1 Jahr später

María

Dich der Kaffee-Kooperative anzuschließen war eine gute Entscheidung, denn du verdienst nicht nur mehr, du hast auch das Recht auf Mitsprache in der Kooperative.

In den Versammlungen entscheidest du mit, in welche Projekte die Kooperative die Prämien investiert, die ihr erhaltet, wenn der Verkauf in Deutschland und den USA gut läuft.

Mit dem Geld habt ihr eine weiterführende Schule mit guten Lehrkräften aufgebaut.

Umschauen

An der Wand hängt ein Banner mit einem Fairtrade-Siegel.

Durch das Siegel verdienst du zwar mehr, aber das ist nichts im Vergleich mit den Supermärkten in Europa, die einen Großteil des Preisaufschlags einstreichen.

Stimmengewirr ignorieren

Die Mitglieder der Initiative sind in hitzige Diskussionen verstrickt. Eine Bäuerin möchte Teil eurer Kleinbauernkooperative werden. Das Problem ist, dass ihr bereits mehr produziert, als der Vertrag, den ihr mit den Abnehmern aus Europa abgeschlossen habt, umfasst.

Die Überschüsse müsst ihr zu schlechten Preisen auf dem Weltmarkt verscherbeln und dann reicht das Geld nicht für die Medikamente deines Mannes.

Ein weiteres Mitglied aufzunehmen, könnte das Problem weiter verschärfen.

Entscheidung treffen

“Ruhe bitte!”, ruft die Vorsitzende und der Lärm um dich herum ebbt ab, “Wir stimmen jetzt ab!”

Dich solidarisch zeigen, für ihre Aufnahme stimmen
Nicht riskieren, wieder Schulden zu machen! Dagegen stimmen

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Im Norden Kolumbiens

3 Jahre später

María

Es ist alles ganz anders gekommen, als du befürchtet hast.

Die Nachfrage von fair gehandeltem Kaffee in Europa steigt jedes Jahr.

Eure Kaffee-Kooperative hat sich mit anderen ähnlichen Kooperativen auf der ganzen Welt zusammengeschlossen.

Weiter

Zusammen konntet ihr einen neuen Vertrag aushandeln, der dafür sorgt, dass die Haupteinnahmen aus dem Fairen Handel nicht in die Kassen der Supermärkte in Europa fließen, sondern tatsächlich bei euer Kooperative ankommen.

Die Kooperative trägt nun die Kosten für die Behandlung deines Mannes und ihr konntet weitere Bauern aufnehmen.

Lächeln

Du schaust zuversichtlich in die Zukunft.

Der weltweite Spirit von Solidarität wird euch Kleinbauern helfen, gegen die Herausforderungen des Klimawandels und den Rohstoffspekulationen auf den Finanzmärkten anzukämpfen.

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Im Norden Kolumbiens

3 Jahre später

María

Es ist alles ganz anders gekommen, als du befürchtet hast.

Die Nachfrage von fair gehandeltem Kaffee in Europa ist stark gestiegen und deine Kooperative konnte einen neuen Vertrag aushandeln, der dafür sorgt, dass die Haupteinnahmen aus dem Fairen Handel nicht in die Kassen der Supermärkte in Europa fließen, sondern tatsächlich bei eurer Kooperative ankommen.

Weiter

Du hast nun das Geld, um deinen Mann zu versorgen und kannst dich glücklich schätzen.

Trotzdem geht dir das Schicksal der Bäuerin nicht mehr aus dem Kopf, die ihr damals nicht in die Kooperative aufgenommen habt.

Du hoffst für sie das Beste, aber in dir ist die schleichende Vorahnung, dass sie nun für die Mafia Koka-Plantagen bestellt.

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Kolumbien, Medellín

6 Jahre später

Präsidentin

Keine zwei Wochen bist du im Amt, trotzdem fühlst du dich so ausgezehrt, als wärst du schon seit Jahren Präsidentin des Landes.

Immer wieder erreichen dich Nachrichten von rätselhaften Ermordungen und Überfällen auf militärische Konvois, hinter denen du die führenden Köpfe der Drogenkartelle vermutest.

Du hast deinen Wählern ein oft gehörtes Wahlversprechen gegeben, das noch keiner deiner Vorgänger einhalten konnte: Den Drogenhandel staatlich kontrollieren.

Nach draußen schauen

Amerikanische Soldaten patrouillieren auf offener Straße.

Der Einfluss von Drogenkartellen und Paramilitärs, die den Drogenfluss über die Grenze organisieren, ist mittlerweile so groß, dass das US-Militär wieder einmal in Kolumbien interveniert hat.

Doch die Intervention hat nur zu mehr Gewalt und Toten geführt.

Nachdenken

Dein größtes Problem ist die Korruption innerhalb von Polizei und Militär, und die Armut, die sich in den letzten Jahren verschlimmert hat.

Sie verleitet die Bauern dazu, mit den Drogenkartellen zusammenzuarbeiten…

Die Drogen sind seit über 60 Jahren Teil der kolumbianischen Geschichte. Was tun, um dem endlich ein Ende zu bereiten?

Einfluss der Drogenbosse brechen, auch wenn es lebensgefährlich ist
Mafia einen Deal vorschlagen, um die Gewalt zu beenden

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Im Norden Kolumbiens

4 Jahre später

María

Schon von weitem siehst du deinen Mann an der Tür stehen und dir zuwinken.

Seit er regelmäßig Medikamente einnimmt, geht es ihm besser.

Trotzdem muss etwas Ungewöhnliches passiert sein, du siehst es daran, wie er sich ungeduldig durch den Bart fährt.

Deine Schritte beschleunigen

“Du wirst es nicht glauben!”, ruft er atemlos, “Die Präsidentin wurde erschossen!

Man sagt dahinter steckt die Mafia…” Seine Stimme verstummt.

Du senkst den Kopf und betrittst die Hütte. Gemischte Gefühle steigen in dir auf.

An die Präsidentin denken

Du hast sie bewundert, sie war eine mutige und intelligente Frau. Doch das neue Gesetz, das sie verabschieden wollte, hätte verhindert, dass du weiter Koka anbauen und an die Drogenbosse verkaufen kannst.

Die Mafia ist grausam. Aber sie geben dir das Geld, um die Medikamente deines Mannes zu bezahlen und deinen Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen. Vielleicht ist es besser so, wie es gekommen ist.

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Deutschland, Frankfurt

2 Jahre später

Börsenspekulant

Du bereust, dass du dich auf einen Platz im Freien gesetzt hast.

Es ist schon wieder viel zu heiß hier.

Endlich bringt dir die Bedienung einen Fairtrade-Kaffee und deine Lieblingszeitung, die Frankfurter Allgemeine.

Großzügig Trinkgeld geben

Deine Spekulationsgeschäfte haben dich reich gemacht. Sehr reich.

Du trinkst einen Schluck des köstlichen Arabica-Kaffees, schlägst die Zeitung auf und überfliegst die Schlagzeilen:

Anteil der absolut Armen in Kolumbien steigt weiter an – US-Militär zieht sich aus Kolumbien zurück –

Umblättern

Korrupte Eliten in Kolumbien – Mafia-Bosse außer Kontrolle…

Kein Wunder, dass dieses Land kein Wirtschaftswachstum hat… – Du hörst ein leises ‘Plop’. Ein Vogel hat dir in den Kaffee geschissen.


 
 
 
 

 
 
 

Tödliche Fehler

intro

USA, Nevada, Creech Air Force Base

2018

McRavan

Du starrst auf den Bildschirm. Graue Punkte bewegen sich über die Oberfläche.

Mit einer kleinen Bewegung des Joysticks lässt du die MQ-9-Reaper-Kampfdrohne in einen Sinkflug gehen. Dann hörst du den vertrauten Alarmton: Die Drohne hat einen der Punkte ins Visier genommen.

“Das ist er!”, sagt der General aufgeregt.

Ranzoomen

Tatsächlich! Es ist der Gesuchte, er besteigt gerade einen Truck, voll beladen mit Munition…

Was ist mit den anderen Punkten? Du kannst nicht erkennen, ob sie Waffen tragen, alles ist zu verschwommen.

Und diese kleine Figur hinter dem Truck? Ein Kind?

Atem anhalten

Die Menschen auf dem Bildschirm wirken so unecht, so als ob der Wüstenboden, auf dem sie stehen, nicht zu einem Land auf der anderen Seite der Erdkugel gehört, sondern zu einem Planeten am anderen Ende des Universums.

Es ist wie in einem Computerspiel. Nur ein Spiel.

“Fire!”

Auslöser drücken
Kopf schütteln, Finger von der Steuerung nehmen

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Irgendwo in Deutschland

4 Minuten vorher

Hackerin

Der Code ist geschrieben, das Programm startklar.

Dein Finger ruht über der Entertaste.

In wenigen Minuten wird der Luftwaffenstützpunkt Ramstein komplett zusammenbrechen, die Systeme gehackt von einem Flüchtling aus dem Jemen, der das Töten nicht länger ansehen möchte.

Bitter lächeln

Du dachtest, Deutschland wäre ein Land, das den Frieden liebt.

Aber sie lassen zu, dass die USA von ihrem Boden aus deine Landsleute töten. Zeit, dem Spukt ein Ende – “Bist du wahnsinnig geworden?”

Dein Mann stürmt ins Zimmer.

Kopf drehen

“Hör sofort auf damit! Was du tust, ist unverantwortlich.” Er sieht dich flehend an.

“Bitte! Wir haben so viel riskiert, um es nach Deutschland zu schaffen! Wenn irgendjemand rausbekommt, wer Ramstein lahmgelegt hat, schweben wir in Lebensgefahr! Sie werden uns rauswerfen, zurück in den Jemen schicken, oder gleich umbringen!”

Schlucken

“Bitte!”, wiederholt dein Mann, “Denk an die Kinder!”

Etwas krampft sich in dir zusammen.

Bilder flimmern durch dein Sichtfeld: Deine eigenen Kinder, gerade in der Schule, und die namenslosen Kinder im Jemen, gerade am Verhungern oder durch Bomben bedroht.

Entertaste drücken
Angriff abbrechen

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Jemen, Provinz Ma’rib

2 Stunden später

Nasher

Du siehst die Drohne wie ein Raubvogel am Himmel kreisen. Wo ist Ayasha?

Alles geht viel zu schnell. Die Schüsse schlagen um dich herum ein. Sie treffen den alten Truck, der mit einem ohrenbetäubenden Knall explodiert.

Du bist unfähig, dich zu rühren, während um dich herum die Menschen zu Boden fallen. Die Drohne dreht ab, der Staub legt sich.

Hektisch umschauen

Ayasha! Nein! Du siehst das Mädchen mit abgetrennten Gliedmaßen einige Meter neben dir leblos auf dem Wüstenboden liegen.

Die Welt um dich herum bricht zusammen. “Ayasha! Mein Kind…Ihr Monster…!”

Du kniest dich neben deine Tochter, fängst an zu schreien, brüllst das Unrecht in die Welt hinaus, aber dein Schmerz lässt nicht nach.

Dich rächen, koste es, was es wolle
Neben deine Tochter knien, sie wegtragen

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USA, New Orleans

3 Jahre später

McRavan

Es ist 23:55 Uhr und im Club nähert sich die Stimmung dem Höhepunkt. Du bestellst noch einen Drink.

Morgen wirst du wieder töten müssen, Terroristen auf der anderen Seite der Welt ausschalten. Aber jetzt wird erstmal gefeiert. Dein Sichtfeld verschwimmt, das Gelächter um dich herum erreicht seinen Höhepunkt.

Du bemerkst nicht, wie eine vermummte Gestalt den Club betritt und das Gewehr entsichert. Als das Kreischen der Menge zu dir dringt, ist es bereits zu spät für eine Flucht.

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USA, Las Vegas

10 Jahre später

McRavan

Als du der jungen Frau im Rollstuhl in die Augen siehst, wunderst du dich über die Ruhe in ihrem Blick.

Keine Spur von Hass, obwohl sie durch deine Drohne sämtliche Gliedmaßen verloren hat.

10 Jahre hast du nach ihr gesucht, weil dir das Bild des explodierenden Trucks und des scheinbar toten Mädchens nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte.

Blick zum Boden

“Kann ich irgendetwas tun, damit Sie mir verzeihen können?”, fragst du.

“Sie haben meine Kindheit zerstört.”, flüstert sie, “Mein Land liegt in Trümmern. Vater ist vor ein paar Jahren gestorben. Die Menschen im Jemen leiden und Ihr Land hat sich leise aus dem Staub gemacht…”

“Das alles können Sie nicht ändern. Aber eins können Sie tun: Helfen Sie mir, die Regierung dazu zu bekommen, Ramstein endlich zu schließen!”

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Afghanistan, Kandahar

9 Jahre später

McRavan

Die Stadt wirkt wie ausgestorben: Die Bewohner, die klug genug waren, sind schon längst geflohen.

Andere, die ihr zuhause nicht verlassen wollten, liegen nun unter ihren früheren Häusern begraben. Als du noch Drohnenpilot warst, kam dir der Krieg immer vor wie ein Spiel.

Jetzt befindest du dich selbst mitten in diesem Spiel um Leben und Tod, als Teil der US-Bodentruppen an vorderster Front.

Umsehen

Seitdem Ramstein regelmäßig von Hackerangriffen lahmgelegt wird, setzen die USA wieder auf den direkten Einsatz von Soldaten.

Du bist befördert worden, kämpfst für die Werte und Sicherheit der Nation und verdienst ein ordentliches Gehalt.

Aber das ändert nichts daran, dass du jeden Moment von einem hinter den eingefallenen Häusern lauernden Taliban erschossen werden könntest.

Orientieren

Du musst deinen Trupp finden, bevor es dunkel wird. Eine Nacht allein in einer von Taliban kontrollierten Stadt wirst du nicht überleben.

Du bahnst dir vorsichtig einen Weg durch die Berge von Schutt und Asche, als du zehn Meter rechts von dir eine Bewegung wahrnimmst. Dein Herzschlag beschleunigt sich.

Etwas liegt auf dem Boden, zuckt krampfhaft. Ein verwundeter Taliban?

Person erschießen
Dich der Person nähern

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Afghanistan, Kandahar

2 Minuten später

McRavan

Es war ein Hinterhalt der Taliban.

Fast im selben Moment, als der Schuss die Stille durchbricht, bist du umzingelt von Kämpfern, die ihre Gewehre auf dich halten.

Du weißt, was jetzt passieren wird.

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Afghanistan, Kandahar

2 Minuten später

McRavan

Es ist dein blutüberströmter Kamerad. Er hat das Bewusstsein verloren. Aber sein Funkgerät funktioniert noch! Du bist gerettet.

Eine halbe Stunde später sitzt du im Helikopter, der sich zügig von Kandahar entfernt und euren Stützpunkt ansteuert. Du blickst auf deine Hände, an denen das Blut deines Kameraden klebt.

Wird wieder ein US-Soldat sterben für einen Krieg, der kein Ende findet und bei dem es keine Sieger gibt?

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USA, unbekannter Ort

11. September 2021

McRavan

“General!” Als du damals den Befehl verweigert hast, hättest du niemals damit gerechnet, befördert zu werden.

Doch nachdem herauskam, dass der von der Drohne identifizierte Mann gar nicht der gesuchte Warlord war, sondern Familienvater von sieben Kindern, machte die Öffentlichkeit Druck.

Du bist nun im National Security Department und hast die Befehlshoheit über die Raketenabfangsysteme an der Westküste.

Aufschauen

“General! Ein Anruf der nationalen Flugbehörde! Es ist dringend!”

Der junge Soldat hält dir das Smartphone entgegen. Beunruhigt presst du dir das Gerät ans Ohr. “Wir haben ein Problem mit einer Maschine: Boeing 747 von Aden nach San Francisco”, sagt die Stimme am anderen Ende der Leitung, “Unser System hat das Flugzeug verloren.

Kontaktaufnahme mit den Piloten ist nicht möglich. Es müsste noch etwa eine halbe Stunde von San Francisco entfernt sein.”

Auf die Lippe beißen

Aden. Das ist in Jemen. “Wie viele Menschen?”

“Ewa 400 Flüchtlinge. Ein Rettungsprogramm der US-Regierung.”

“Ok, wir- ” Der junge Soldat kommt auf dich zugerannt und zerrt dich zu einem der Überwachungssysteme in der Zentrale. Auf dem Radar ist ein Flugzeug zu sehen, das sich der Nordwestküste der USA nähert.

Schweiß von der Stirn wischen

Eine rote Zahl blinkt auf: 911. Auf dem Bildschirm erscheint die Golden Gate Bridge und dahinter die Skyline von San Francisco.

Du hast es geahnt. Heute jähren sich die Terroranschläge auf das World Trade Center zum 20. Mal – perfekt für einen zweiten Anschlag.

Deine Gedanken überschlagen sich, während du beobachtest, wie das Flugzeug sich ungebremst seinem Ziel nähert.

Faust ballen

Du darfst nicht zulassen, dass sich 9/11 wiederholt.

Es ist fast sicher, dass das Flugzeug entführt wurde und dass die Terroristen es auf die Brücke abgesehen haben.

Aber genauso sicher ist, dass an Bord 400 unschuldige Menschen sitzen.

Fieberhaft überlegen

In der Zentrale bricht Tumult aus. “Informiert den Präsidenten!”, ruft jemand.

“Ruhe!”, brüllst du. Ihr habt keine Zeit mehr. Die Geschwindigkeit des Flugzeugs ist hoch, viel zu hoch für einen Landeanflug.

In wenigen Sekunden wird es euer Flugzeugabschusssystem durchquert haben. Dann ist es zu spät für San Francisco.

Befehl geben, das Flugzeug abzuschießen
Zum Präsidenten durchstellen lassen

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USA, unbekannter Ort

1 Jahr später

Richterin

Du bist schon sehr lange Richterin am Militärgericht, aber noch nie musstest du einen so schweren Fall entscheiden.

Der Angeklagte hat vor mehr als einem Jahr ein Passagierflugzeug abschießen lassen, das im Verdacht stand, einen schweren Terroranschlag auf die Golden Gate Bridge auszuüben.

Das Flugzeug stürzte ins Meer, ein Großteil der Insassen ertrank.

Akten durchblättern

Doch die Überlebenden bestreiten, dass ihr Flugzeug von Terroristen entführt worden war und beschuldigen den Angeklagten, dass er ihre Familien umgebracht habe.

Zeugenaussagen zur Folge habe der jemenitische Pilot an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten und kurzweilig das Bewusstsein verloren, aber der Copilot habe die Situation schließlich unter Kontrolle gebracht.

Weiterlesen

Pilot und Copilot können diese Aussagen weder bezeugen noch dementieren, da sie beide ums Leben gekommen sind.

Du stehst vor einem Dilemma.

Die Ankläger wollen Gerechtigkeit, der Angeklagte behauptet, einen möglichen schrecklichen Terroranschlag verhindert zu haben.

Ihn verurteilen
Ihn freisprechen

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USA, San Francisco

10 Jahre später

McRavan

Freiheit.

Du kannst nicht glauben, wie sich die Welt verändert hat. San Francisco ist zu einer schwimmenden Insel geworden, auf der sich die Menschen nur noch mit Schlauchbooten fortbewegen.

In Texas gibt es mittlerweile keine Rinder mehr, nur noch Algenfarmen.

Grinsen

Man kann nun Sprit aus Algen statt Benzin tanken und an jeder Ecke Sushi essen. Und die größte Überraschung: Der Präsident des Landes ist eine Frau!

Im Gefängnis hast du lange nachgedacht. Du hast immer versucht, die richtige Entscheidung zu treffen.

Du hast dich geweigert zum Killer zu werden, aber du warst bereit, für das größere Wohl zu töten.

In den Sonnenuntergang schauen

Dass es schließlich so kommen musste, liegt nicht an dir, sondern an der Grausamkeit von Krieg und nicht endenden Gewaltspiralen.

Bis heute weißt du nicht, ob du damals das Richtige getan hast. Aber du hast mit der Vergangenheit abgeschlossen.

10 Jahre hast du der Armee gedient, 15 Jahre deines Lebens im Gefängnis verloren – die restlichen 30 Jahre, die dir noch bleiben, wirst du für den Frieden kämpfen.

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Aden, Jemen

30 Jahre später

McRavan

Du sitzt am Strand und beobachtest die Silhouette Adens, die im Licht der untergehenden Sonne aufstrahlt.

Die Temperaturen sind mittlerweile so stark gestiegen, dass man nur noch abends das Haus verlassen kann, und es wird jedes Jahr schlimmer.

Umso erstaunlicher ist es, wie schnell die Stadt nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde und sich ein geschäftiges Alltagsleben eingestellt hat.

Den Wellen lauschen

Du hast alles getan, um beim Wiederaufbau zu helfen, hast Spenden aus aller Welt organisiert und eine NGO gegründet.

Alles, um deine Schuld zu begleichen, um den Menschen hier in die Augen sehen zu können, ohne den Blick abwenden zu müssen.

Umschauen

Unweit von dir spielen Kinder. Sie wachsen auf in einem neuen Jemen, ohne Krieg, ohne Drohnen.

Ein abgewetzter Ball segelt herüber. Der Kleinste aus der Gruppe kommt angerannt.

Ihm den Ball zuwerfen

Er grüßt, lächelt dich an und du blickst in seine dunklen, braunen Augen.

Ob er weiß, dass du früher fürs US-Militär gearbeitet hast? Dass du schuld am Tod von 388 seiner Landsleute bist? Ob er aus deinem Gesicht das schlechte Gewissen herauslesen kann?

“Willst du mitspielen, Opa?”, fragt der Junge plötzlich erwartungsvoll. Zum ersten Mal seit Langem bahnt sich ein Lächeln auf deine trockenen Lippen.

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USA, Westküste

5 Minuten vorher

Ayasha

Amerika. Was für ein seltsam klingendes Wort. Wird das bald dein neues Zuhause sein? Erwartungsvoll presst du deinen Kopf an die Scheibe, aber bis jetzt siehst du nur das Blau des Ozeans unter dir.

Du sitzt ganz vorne im Flugzeug, neben deinem Vater und deinen Brüdern. Die erste Klasse ist reserviert für Verletzte und Kranke und da dein Vater nur noch ein Bein hat, seid ihr in den Genuss der breiten Sessel gekommen.

Den Ozean betrachten

In dem Moment zerfetzt ein Geräusch die Luft.

Du hast es in den letzten Jahren so oft gehört, dass du sofort weißt, was es ist: der Schuss einer Kalaschnikow.

Einen Augenblick betritt eine Stewardess den Gang. Ihr Gesicht ist weißer als Papier. Hinter ihr stehen zwei Männer mit Sturmgewehren.

Auf den Gang starren, reglos

Wie in Zeitlupe laufen sie an dir vorbei, zwingen die Frau die Tür zum Cockpit aufzumachen. Als dir klar wird, was sie vorhaben, fängst du an, zu schreien.

Die Menschen scheinen wie zu Eis erstarrt zu sein. “Hilfe!”, schreist du, “Tut doch was! Die werden uns umbringen!”

Jemand drückt dir die Hand vor den Mund. “Bitte Ayasha!”, fleht dein Vater, “Sei still!”

Losreißen, auf die offene Tür des Cockpits zurennen
Nicken, Tränen in den Augen

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USA, Westküste

6 Jahre später

McRaven

Es ist gefährlich geworden, in einem Schlauchboot aufs offene Meer zu fahren.

Unvorhersehbare Hurrikans werden immer mehr, und die Rettungskräfte haben genug damit zu tun, verzweifelte Flüchtlinge aus dem Wasser zu ziehen, die von verschiedenen untergehenden Inseln aus versuchen, Amerika zu erreichen.

Du kommst trotzdem jedes Jahr hierher.

Weiterpaddeln

Es ist der Ort, wo das Flugzeug aus Aden das Wasser berührte und für immer im Meer verschwand. Es ist nicht deine Schuld.

Die Insassen haben sich selbst dazu entschlossen. Damit haben sie ein schreckliches Blutbad verhindert, ein zweites 9/11.

Es war ein paar Wochen groß in der Presse, inzwischen kennt kaum jemand auch nur die Namen der 400 Flüchtlinge aus dem Jemen, die sich für Amerika geopfert haben.

Gesicht vor einer Welle schützen

Hast du damals richtig gehandelt? Hättest du sie retten können? Wie konnte es nur soweit kommen?

Du glaubst, die Antwort zu kennen, aber niemand in der Armee will sie hören. Fakt ist: Seitdem die USA keine Kriege mehr um Öl und Macht im Nahen Osten führen, sind die Terroranschläge extrem gefallen.

Aber dir ist klar: Es reicht ein steigender Ölpreis, ein verrückter Präsident oder eine chinesische Militärbasis im Nahen Osten und alles fängt von vorne an.

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USA, San Francisco

Wenige Sekunden später

Ayasha

“Ayasha!” Du wachst schweißgebadet auf. Du spürst die Hand deines Mannes auf deinem zum Schrei geöffneten Mund.

“Bitte. Die Kinder schlafen.”, flüstert er. Du schaust ihm verlegen in die Augen.

Es ist schon 15 Jahre her, seit du mit deiner Familie aus dem Jemen geflohen bist. Du hast in den USA dein neues Zuhause gefunden und eine Familie gegründet.

Tränen wegblinzeln

Du hast versucht, den Krieg zu vergessen.

Doch er überfällt dich immer, wenn du wehrlos bist, wenn niemand da ist, um dir zu helfen: mitten in der Nacht in deinen Träumen.

“Ruhig.”, sagt dein Mann, nimmt dich in die Arme, küsst dich.

“Es ist vorbei ist. Alles ist gut.”


 
 
 
 

 
 
 

Wasser verbindet

intro

Dänemark, Nordsee

2020

Emma

Eine Möwe zieht kreischend über deinen Kopf hinweg. Du wickelst dich in dein Handtuch, schaust hinaus auf das Meer. In der Ferne wachsen Bohrtürme aus dem Wasser, welche die Erdölreserven der Nordsee nach oben pumpen. Große Frachter ziehen langsam an ihnen vorbei. Was sie wohl geladen haben? Eigentlich willst du es gar nicht so genau wissen…

Umsehen

Der Strand ist voller Touristen, die ihren Müll am Strand lassen. Die Fische im Meer sind verschwunden, und mit ihnen auch die alten Fischer. Trotzdem weht von der neuen Imbissbude der verführerische Duft von Fischbrötchen herüber. Dein Magen beginnt zu knurren.

Aufstehen

Eine Plastiktüte tänzelt an dir vorbei, irgendjemand muss sie verloren haben. Der Wind treibt sie Richtung Meer.

Ignorieren – Es ist nicht deine Aufgabe, Müll anderer Leute aufzusammeln
Tüte aufheben und ein Fischbrötchen bei der Imbissbude kaufen

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Auf den Philippinen, Manila Bay

5 Jahre später

Richelle

Mit langsamen Schritten läufst du den Strand entlang. Er ist übersät von Plastiktüten, Zigarettenstummeln, eingedellten Coca-Cola-Dosen, alten Fischernetzen.
Vor einem besonders großen Plastikberg ist eine Gruppe weißer Jugendlicher stehengeblieben und diskutiert lautstark.

Grüßen

Diese Kids machen einen freiwilligen Auslandsdienst und glauben, sie würden den Bewohnern hier helfen. Wahrscheinlich haben sie an unberührte Sandstrände und glasklares Wasser gedacht, als sie sich für die Philippinen entschieden. Manchmal fragst du dich, ob sie wissen, dass ein großer Teil des Abfalls in ihrer Heimat produziert und hier entsorgt wurde.

Grübeln

Du hast andere Sorgen als den Plastikmüll im Meer.

Beim letzten Orkan wurde das Haus deiner Eltern vernichtet, die Überreste treiben jetzt irgendwo auf dem Wasser.

Du bist extra hierhergekommen, um ihnen zu helfen… aber du hast immer noch keinen Job gefunden.

Bücken

Um gegen die Plastikflut anzukämpfen, wurde ein Programm gestartet: Ein Sack Müll kann gegen einen Sack Reis umgetauscht werden.

Deine Familie braucht dringend Reis. Du spürst die Blicke der Fremden auf dir und fühlst dich gedemütigt.

Anfangen, den Müll aufzusammeln
Umdrehen und weggehen – du bist doch keine Müllabfuhr

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Philippinen, Manila Bay

zur gleichen Zeit

Emma

Du hast die Plastiktüte nie vergessen, die du an deinem Lieblingsstrand dabei beobachtet hast, wie sie vom Wasser verschluckt wurde. Oft hast du dich gefragt, was mit der Tüte passiert ist. Ist sie im Magen einer Schildkröte gelandet? Auf dem Boden der Tiefsee? Im ewigen Eis der Arktis? Oder liegt sie jetzt hier auf diesem Strand?

Umschauen

Du schämst dich ein wenig, als du siehst, wie die Frau anfängt, ohne Handschuhe Unmengen von Plastikmüll in einen Sack zu stopfen.
Seit drei Monaten machst du bereits deinen Freiwilligendienst auf den Philippinen. Viel helfen konntest du den Menschen bisher nicht, aber du selbst hast unglaublich viel gelernt.

Zurückerinnern

Du bist geschockt über den Umgang mit Plastik. An den Imbissständen wird alles zweifach verpackt, für jeden Drink bekommt man einen neuen Einwegbecher, für jeden Einkauf eine neue Plastiktüte. Früher oder später endet das Zeugs im Meer. Im fernen Europa ist das Problem genauso ernst, nur weniger sichtbar. Denn die Europäer verschiffen trotz immer strengerer Vorschriften Plastikmüll hierher.

Kopf drehen

Der Küstenwind weht den Plastikabfall von den offenen Deponien hinaus aufs Meer…

Dein Leben der Beseitigung des Plastikproblems widmen
Auf Plastik verzichten, sobald du wieder in Dänemark bist

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Dänemark, Kopenhagen

30 Jahre später

Emma

Du blickst durch das Mikroskop auf die Petrischale. Die rötlich schimmernden Bakterien haben sich rasant vermehrt. Ein Hochgefühl steigt in dir auf. Dreißig Jahre lang hast du jeden Tag nach einer Lösung gegen das Plastik gesucht, das mittlerweile auf den entlegensten Inseln und in den Bewohnern der Tiefsee nachgewiesen werden kann.

Bakterien mit Plastik füttern

Du hast zuerst Chemie studiert und seitdem jeden Tag im Labor an Bakterien geforscht, die Plastik verdauen können. Endlich siehst du Erfolge.

Träumen

Für viele Tierarten im Meer kommt deine Erfindung zu spät. Doch bald werden die Strände frei von Plastik, Mikroplastik aus den Abwässern entfernt und die riesigen Plastikstrudel in den Weltmeeren verschwunden sein. Die Touristen werden wieder an die Nordsee kommen, die Imbissbude wird wieder aufmachen und du wirst Fischbrötchen essen und in sauberem Meerwasser baden können, wie in deiner Kindheit.

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Dänemark, Nordsee

20 Jahre später

Emma

Du schaust aufs Meer. Am Horizont siehst du nur noch selten die großen Fischkutter von früher, denn inzwischen ist die Nordsee leergefischt und die afrikanischen Länder verweigern den Europäern Lizenzen für ihre Fischgründe. Dafür sind ein paar neue Bohrtürme errichtet worden, die das Erdöl mit noch größerer Geschwindigkeit aus dem Meeresboden pumpen.

Umsehen

Alles scheint so wie immer und doch ganz anders. Es ist still. Du bist nicht mehr umgeben von lachenden Touristen, sondern von Plastikmüll: Zigarettenstummel, Plastikbecher, geknickte Getränkedosen. Eine einsame Möwe zerrt an einem Sandwich in einer aufgerissenen Plastikverpackung. In schrecklicher Weise fühlst du dich an deinen Freiwilligendienst auf den Philippinen zurückerinnert.

An die Philippinen denken

Dort konnte das Plastikproblem durch den Einsatz von Behörden und Bewohnern gelöst werden. Die reichen Länder mussten ihren Plastikmüll zurückzunehmen. Von deinen Freunden dort hast du gehört, dass Plastikverpackungen inzwischen völlig verboten sind. Die Menschen benutzen pflanzliche Verpackungen, die sich nach dem Gebrauch vollständig zersetzen.

Plastikbecher in die Hand nehmen

Hier wird immer noch viel zu viel Plastik konsumiert. Mit jedem Tag fällt es dir schwerer, den Plastikverzicht durchzuhalten. Nicht einmal Fischbrötchen kannst du mehr essen, denn die werden neuerdings auch in Plastik verpackt. Aus Gründen der Haltbarkeit.

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Irgendwo im Nordpazifik

30 Jahre später

Emma

Die Insel liegt im Nordpazifik. Sie ist mehrere Kilometer lang und besteht aus schwimmenden Müll. Als dein Haus von anhaltenden Überflutungen zerstört wurde, konntest du dich mit einem Rettungsboot von Dänemark auf die Insel retten…
Jemand ruft deinen Namen.

Aufschauen

“Emma!”, sagt Richelle aufgeregt und kommt auf dich zu.

Du hast es ihr zu verdanken, dass die Philippiner, die schon lange auf der Insel leben, dich aufgenommen haben.

Du hast Richelle seit deinem Freiwilligendienst damals nie vergessen. Jetzt müsst ihr beide eure letzten Tage auf einem täglich wachsenden Gebilde aus Plastik in kleinen Zelten verbringen…

Richelle umarmen

“Es wurde entschieden, eine Expedition zu entsenden, um den Mikroplastikgehalt im Wasser zu prüfen.”, erzählt Richelle. Da die Inselbewohner vom Fischfang leben und Fische durch das verschmutzte Wasser selten geworden sind, braucht die Gemeinschaft eine Unterwasserfarm. “Sie suchen noch jemanden, der das Ganze leiten möchte.”, fährt Richelle fort.

Überlegen

Du hast gehört, dass gestern in unmittelbarer Nähe der Insel ein Schiff urplötzlich von einem Meeresstrudel in die Tiefe gezogen wurde. Deshalb möchte niemand die Expedition leiten.

Du meldest dich trotzdem freiwillig
Zu riskant. Für ein paar Wasserproben setzt du nicht dein Leben aufs Spiel.

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Irgendwo im Nordpazifik

2 Monate später

Emma

Dein Mut hat sich ausgezahlt. Die Expedition war erfolgreich und eure neue Unterwasserfarm floriert: Die verschiedenen Muschelarten, Algen und Fische vermehren sich mit großer Geschwindigkeit. Du arbeitest jeden Tag viele Stunden, um die Farm am Laufen zu halten, und hast dir dafür den Respekt der Inselbewohner verdient.

An die Zukunft denken

Die Farm wirft genug Erträge ab, um euch am Leben zu erhalten, auch wenn ihr täglich große Mengen an Mikroplastik verzehrt, das sich in den Meerestieren abgelagert hat. Langsam schöpfst du wieder Hoffnung. Wenn du dich weiter anstrengst, hast du vielleicht bald das Geld zusammen, um dir ein neues Leben in der Antarktis aufzubauen.

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Irgendwo im Nordpazifik

2 Monate später

Emma

Du streifst dir den Tauchanzug über und blickst in das undurchdringliche Wasser. Hinter dir liegen die wackeligen Bauten, die auf der Plastikinsel errichtet wurden. Obwohl die Proben eine hohe Konzentration an Mikroplastik im Wasser ergeben haben, wurde die Unterwasserfarm gebaut, denn der Konservenvorrat wurde knapp.

Tief Luft holten und fallenlassen

Eiskaltes Wasser schlägt dir entgegen, für einen Moment stoppt dein Herzschlag. Die Arbeit unter Wasser macht dich panisch, aber du musst dich in die Gemeinschaft einbringen, wenn du nicht verhungern willst.

In die Tiefe tauchen

Die kleinen Fische um dich herum beobachten dich mit Unschuldsaugen. Nervös kontrollierst du das Wachstum der Miesmuscheln und erntest ein paar Algen.

Irgendetwas brodelt unter deinen Füßen.

Nach unten schauen

Bewegung kommt in die Fische. Aus den Tiefen des Meeres schießt etwas Schwarzes hervor.

Du strampelst mit den Beinen, drückst dich nach oben, um wieder an die Wasseroberfläche zu kommen.

Im nächsten Moment legt sich eine eiskalte, glitschige Schlinge um deinen Hals und zieht dich unerbittlich in das dunkle Reich der Tiefsee.

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Hohe See

2020

Kapitän

Der letzte Streifen der dänischen Küste ist schon längst verschwunden. Bald werdet ihr die fischreichen Küsten Afrikas erreicht haben. Du fragst dich, ob es wieder Zusammenstöße mit den lokalen Fischern geben wird. Dir kann man jedenfalls nichts vorwerfen, deine Flotte hat ordnungsgemäß Fanglizenzen von der EU gekauft.

Aufs Meer schauen

Du wärst lieber in deinen Heimatgewässern geblieben. In der Vergangenheit habt ihr die Fischbestände fast leer gefangen. Jetzt hat die Politik Maßnahmen ergriffen und ihr musstet euch nach alternativen Gewässern umschauen.

An die Touristen denken

Die Menschen essen so gerne Fischbrötchen, wenn sie schon einmal an der Nordsee sind. Sie ahnen nicht, dass sie mit jedem Imbiss einem kleinen Fischer in Afrika oder Südostasien das Mittagessen wegessen.

Verbittert lachen

Das ist nicht das einzige schwarze Geheimnis der industriellen Fischerei. Als Kapitän der Fangflotte zeigst du es nicht vor der Besatzung, aber dir blutet jedes Mal das Herz, wenn du siehst, wie Massen von Rochen und Schildkröten, manchmal auch Seevögel oder Delphine halbtot zurück ins Meer geworfen werden.

Kurs kontrollieren

Es will nun mal keiner gebratene Schildkröten oder Delphin-Brust essen. Du starrst frustriert vor dich hin. Du willst dem Ganzen ein Ende bereiten. Doch du kennst genügend Leute, die nur darauf warten, deinen Posten zu übernehmen und deine Skrupel nicht teilen.

Job kündigen
Noch 3 Jahre bis zur Rente durchhalten

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Dänemark, Torring

2 Jahre später

Kapitän

Die Lachse gucken dich mit stumpfen Augen gierig an. Du kennst diesen Blick mittlerweile sehr gut. Gelangweilt drückst du einen Knopf und die tägliche Ladung an geschreddertem Fisch wird in das riesige Aquarium geschüttet. Die Fische stürzen sich auf das Futter, in wenigen Minuten ist das Wasser wieder blank und die Fische fangen erneut an, dich anzustarren.

Gähnen

Dein Job auf dem Fischkutter war zwar brutaler, aber bedeutend aufregender. Manchmal bereust du, dass du die Missstände in der Fischereiindustrie lautstark angeprangert hast. Dir kommen immer mehr Zweifel, ob du in deinem alten Beruf wirklich mehr Schaden angerichtet hast als hier.

Grübeln

Du produzierst zwar Biofisch, aber für ein Kilo Lachs musst du 4 Kilo Kleinfisch kaufen, der vorher wahrscheinlich auf genau dem Kutter gefangen wurde, den du für immer hinter dich lassen wolltest. Außerdem pumpt ihr viele Medikamente und Düngemittel ins Wasser. Du findest es unglaublich, dass der Betrieb trotzdem ein Biosiegel bekommt.

An deinen Freund denken

Oskar hat dir von “Aquaponik” erzählt. Diese Anbautechnik kombiniert die Fischzucht mit dem Gemüseanbau ohne Erde, produziert anscheinend kaum Abfälle. Du hättest große Lust, es auszuprobieren, aber das hieße auch, nichts mehr gegen lasche Siegelvergabe zu unternehmen.

Aquaponik ausprobieren
Ein gutes Nachhaltigkeitssiegel entwickeln

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Dänemark, Nordsee

3 Jahre später

Emma

Das Kreischen der Möwen weckt dich aus deinem Mittagsschlaf. Du streckst dich, suchst das Meer nach Schiffen ab. Doch heute bleibt alles leer. Seit ein berühmter Kapitän eines großen Fischereikutters die Missstände in der Fischereiindustrie angeprangert hat, trauen sich nur noch wenige Reedereien trotz der weltweiten Kritik weiter über die Meere zu ziehen.

Beine vertreten

Du sammelst ein paar herumliegende Plastiktüten auf. Es ist Frühling – Nebensaison – und am Strand treiben sich nur vereinzelt Touristen herum, trotzdem liegt Müll rum, der jederzeit vom Meer verschlungen werden kann.

Zur Imbissbude gehen

“Wir bieten jetzt Fisch aus Aquaponik-Zucht an.”, verkündet der Imbissbudenbetreiber stolz. Aquaponik ist der letzte Schrei und hat sich in ganz Dänemark als erfolgreiches Geschäftsmodell verbreitet. Das neue Fischbrötchen ist etwas teurer, aber mit diesem Fisch schadest du weder der Umwelt noch anderen Menschen.

Fischbrötchen kaufen

In dem Moment schießt die Möwe vom Himmel, schnappt dir das Brötchen aus der Hand und macht sich mit dem Fisch im Schnabel aus dem Staub, ein triumphierendes Kreischen ausstoßend.

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Dänemark, Nordsee

3 Jahre später

Emma

Das Kreischen der Möwen weckt dich aus deinem Mittagsschlaf. Du streckst dich, suchst das Meer nach Schiffen ab. Doch heute bleibt alles leer. Seit ein berühmter Kapitän eines großen Fischereikutters die Missstände in der Fischereiindustrie angeprangert hat, trauen sich nur noch wenige Reedereien trotz der weltweiten Kritik weiter über die Meere zu ziehen.

Beine vertreten

Du sammelst ein paar herumliegende Plastiktüten auf. Es ist Frühling – Nebensaison – und am Strand treiben sich nur vereinzelt Touristen herum, trotzdem liegt Müll rum, der jederzeit vom Meer verschlungen werden kann.

Zur Imbissbude gehen

Seit einigen Wochen bietet der Imbiss nur noch Fisch an, der mit einem speziellen Nachhaltigkeitssiegel versehen ist. Dieses Siegel ist das Vermächtnis des Kapitäns. Seit er unter mysteriösen Umständen bei Verhandlungen mit der Fischereiindustrie verschwand, ist er der neue Nationalheld Dänemarks.

Fischbrötchen kaufen

Das Fischbrötchen kostet mehr als doppelt so viel wie früher, aber endlich bist du dir sicher, dass du mit diesem Fisch weder der Umwelt noch anderen Menschen schadest.
In dem Moment schießt die Möwe vom Himmel, schnappt dir das Brötchen aus der Hand und macht sich mit dem Fisch im Schnabel aus dem Staub, ein triumphierendes Kreischen ausstoßend.

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Somalia, Ceel Huur

2 Jahre später

Aman

Enttäuscht ziehst du das kleine leere Boot an den Strand. Seit die großen Fischtrawler aus dem Norden vor der Küste Somalias herumkreuzen, gibt es kaum noch Fisch mehr. Dabei ernähren sich die Menschen hier seit Urzeiten vom Fischfang. Keinen Fisch zu haben bedeutet, nichts zu essen zu haben.

Den Horizont absuchen

Die Besitzer der Fischkutter kümmert das nicht. Manche wedeln dir mit Papieren vor der Nase herum, um zu beweisen, dass sie hier fischen dürfen. Andere machen sich gar nicht die Mühe, sondern ziehen wortlos von dannen, nachdem sie ihren Fang eingeholt haben.

Augen schließen

Du hast keine Chance, dich gegen sie zu wehren.

Einige deiner Freunde sind bereits gerammt worden und ertrunken…

Du hörst, wie die Wellen gegen die Felsen schlagen. Irgendwie musst du einen Weg finden, deine Familie zu versorgen.

Somalia verlassen. Hier gibt es keine Zukunft mehr.
Auf einem Piratenschiff anheuern. Das bringt genug Geld, um zu überleben.

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Dänemark, Kopenhagen

20 Jahre später

Aman

Als du das Urteil endlich in den Händen hast, fühlst du dich plötzlich unglaublich müde. Es war extrem schwierig, die illegalen Hochseetrawler, die den somalischen Fischern ihre Nahrung geraubt haben, vor Gericht zu bringen. Manche fahren unter falscher Flagge, bei anderen haben sich die Staaten geweigert, Verantwortung für die Schiffe zu übernehmen, oder alles abgestritten.

Deine Frau umarmen

Endlich ist euch Gerechtigkeit widerfahren. Die Betreiber der illegalen Fischkutter werden lange im Gefängnis sitzen und müssen euch Entschädigung für euer Leid bezahlen. Aber für die Fischer in Somalia kommt das Urteil zu spät.

An deine Heimat denken

Die jahrelangen Praktiken der riesigen Fischkutter, der Klimawandel, der Anstieg des Meeresspiegels, der ganze Küstenstreifen unbewohnbar gemacht hat, dazu noch das ganze Plastik vor den Küsten Somalias – all das war zu viel. Jetzt gibt es keinen einzigen Fischer mehr an Afrikas Ostküste.

Kopf schütteln

In deiner alten Heimat herrscht Hungersnot, während die Leute in deiner neuen Heimat Dänemark noch immer Fischbrötchen essen.

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Somalia, Ceel Huur

25 Jahre später

Aman

Du sitzt allein in deinem Holzboot und lässt dich von den Wellen treiben. Je weiter von der Küste weg, desto besser. Angst vor den Piraten hast du nicht, schließlich warst du bis vor wenigen Wochen selbst einer. Jetzt gibt es keine Piratenschiffe mehr vor der Küste Somalias.

Ins Wasser starren

Keine Piratenschiffe, weil keine Fischkutter. Keine Fischkutter, weil keine Fische. Etwas streift den Bug des Bootes. Ein Tier?

Genauer hinschauen

Es ist nur ein totes Stück Plastik. Verzweifelt vergräbst du das Gesicht in deinen Händen.
Du hast seit Tagen nichts mehr gegessen. Du traust dich nicht nach Hause, da du deinen Kindern nicht mit leeren Händen entgegentreten kannst. Du fühlst dich alt und müde. Hoffnungslos.


 
 
 
 

 
 
 

Wüstenstaat am Abgrund

intro

Saudi Arabien, Riad

2022

Kronprinz

“Es geht nicht mehr. Ich fühle mich gefangen, ohne Hoffnung. Unterdrückt von Menschen deines Geschlechts. Ich liebe dich trotzdem. Gott möge mir verzeihen.”
Das waren also ihre letzten Worte, bevor sie sich umbrachte. Es ist dir nie aufgefallen, wie stark Frauen in deinem Land diskriminiert werden. Doch jetzt, wo dieses bildhübsche Mädchen, mit dem du eine Affäre hattest, für immer von dieser Welt verschwunden ist, fällt es dir wie Schuppen von den Augen.

Nachricht löschen

Nie hast du darüber nachgedacht, wie es ist, von einem männlichen Vormund abhängig zu sein, sein Gesicht nicht offen zeigen zu dürfen, sich unsichtbar machen zu müssen.
Das muss ein Ende nehmen. Der Staat braucht eine Reform, welche den Frauen endlich die volle Gleichberechtigung bringt.

Innehalten

Den fundamentalistischen Religionsgelehrten wird das nicht gefallen. Sie haben viel Macht und schäumen vor Wut über jedes Gesetz, das Saudi-Arabien “dem Westen” ähnlicher macht. Du hast sie schon öfters provoziert, aber eine so bedeutende Reform könnte dich in ernsthafte Gefahr bringen.

Reform durchsetzen
Vergessen, was passiert ist

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Saudi-Arabien, Riad

2 Jahre später

Mohammed

Die Türen der luxuriösen Shopping-Mall öffnen sich und zwei verschleierte Gestalten in schwarz betreten das gläserne Gebäude. Voller Abscheu siehst du den Frauen nach. Die Gelehrten sagen, dass zügelloser Konsum eine Sünde ist…
Deine Finger legen sich um den Sprengstoffgürtel unter deiner Kleidung. Noch vor einer halben Stunde warst du fest davon überzeugt, dein Leben zu opfern, um deine Schwester zu rächen, die Ehre der Familie wiederherzustellen und ins Paradies zu kommen. Doch jetzt meldet sich dein Lebenstrieb.

Zögern

Du denkst an deine Schwester, die sich vor zwei Jahren selbst umgebracht hat. Jeder wusste, dass der Kronprinz sich an sie rangemacht und sie entehrt hat. Du hasst diesen Mann. Frauen die gleichen Rechte zu geben wie Männern, ist in deinen Augen nur ein kläglicher Versuch des Kronprinzen, seine Schuld zu sühnen.

Entscheidung treffen

Auch andere Menschen sind mit dem Regime unzufrieden. Du könntest dich einer der Protestbewegungen anschließen. Aber die Gelehrten und deine ganze Familie würde dich als Feigling verspotten.

Zur Protestbewegung wechseln
Ins Kaufhaus stürmen und die Bombe zünden

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Saudi-Arabien, Riad

10 Jahre später

Kronprinz

Die Stimmen der Demonstranten sind so laut, dass sie bis ins Innere des Königspalastes dringen. Sie fordern die Abschaffung der Todesstrafe und eine saudi-arabische Demokratie! Wenn du gewusst hättest, welche Folgen die Reform für die Gleichberechtigung der Frau mit sich bringen würde, hättest du dich trotzdem für sie entschieden?

Aus dem Fenster spähen

Scharen von – unverschleierten – Frauen ziehen am Palast vorbei, an ihrer Seite marschieren tiefgläubige Wahhabiten. Wer hätte gedacht, dass sich die Religiösen mit den Frauenrechten abfinden und mit den Frauen gemeinsame Sache machen, um das saudische Königshaus abzusetzen?

Abwägen

Macht abzugeben ist nicht einfach. Du und deine Familie, ihr würdet alle eure Privilegien verlieren. Außerdem hast du schon oft genug gesehen, wie schwache Herrscher von ihrem Volk wortwörtlich zerrissen wurden.

Forderungen der Demonstranten nachgeben
Demonstration niederschlagen lassen

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Saudi-Arabien, Riad

40 Jahre später

Enkelin des Kronprinzen

Du glaubst es kaum, als du den Königspalast betrittst, aus dem dein Großvater und deine Verwandten vor 40 Jahren ausziehen mussten.

Inzwischen ist dieser Palast das Herzstück der “Islamischen Demokratie Saudi-Arabien”: Hier befinden sich der Plenarsaal der Abgeordneten und das Büro der Staatspräsidentin – dein Büro, denn du bist als erste Frau in der Geschichte Saudi-Arabiens an die Spitze des Staates gewählt worden.

Plenarsaal betreten

Du bist stolz auf dich und auf dein Land. Doch am meisten bist du deinem Großvater dankbar, der vor wenigen Monaten gestorben ist. Ohne seine Weitsicht und Einsicht wäre dein Traum, an der Spitze eines freien Staates die Geschicke der saudischen Bevölkerung zu lenken, niemals wahr geworden.

Und so beginnst du deine Rede vor den Abgeordneten: “Im Gedenken an den letzten Kronprinzen unseres Landes…”

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Saudi-Arabien, Riad

10 Jahre später

Kronprinz

Nach der brutalen Niederschlagung der Proteste hat sich dein Volk deiner eisernen Herrschaft gebeugt. Niemand wagt mehr, den Mund aufzumachen, wenn eine Frau ohne Schleier das Haus verlässt oder Mann und Frau sich gemeinsam auf der Straße zeigen.

Andererseits traut sich auch keiner das ausschweifende Leben deiner Verwandten zu kritisieren.

Das macht es schwierig für dich, gegen die grassierende Vetternwirtschaft und die massive Geldverschwendung vorzugehen.

Auf und ab gehen

Im Hintergrund tickt eine Zeitbombe: Die Ölquellen versiegen, das Geld wird knapp, der Klimawandel trifft das Land heftiger und die Spannungen in der Bevölkerung nehmen zu.

Du ahnst, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es wieder zu Protesten kommt. Dieses Mal ist die Bevölkerung zu allem bereit…

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Saudi-Arabien, Riad

1 Woche später

Kronprinz

Die grausame Attacke eines gestörten Jugendlichen auf das berühmte Kaufhaus für Frauen in der Innenstadt von Riad hat die öffentliche Stimmung auf deine Seite gezogen und die radikalen Religionsgelehrten unter Druck gesetzt.

Hand zur Faust ballen

Auch deine Frau und deine dreijährige Tochter ist bei dem Terroranschlag ums Leben gekommen. Die geheuchelten Beileidsbekundungen des Klerus machen dich rasend. Doch du brauchst die Gelehrten bei der Lösung von Konflikten im Volk, die wegen der dauernden Dürre und Wasserknappheit immer häufiger werden.

Deine Gegner zerstören und deine Familie rächen
Mit den Feinden zusammenarbeiten, um die Wasserprobleme zu lösen

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Saudi-Arabien, Riad

2 Jahre später

Kronprinz

“Wir haben einen mutmaßlichen Terroristen geschnappt!”, informiert dich der Leiter des Geheimdienstes, “Er wollte ein Ölfeld in Brand legen. Er ist Schiit, wahrscheinlich vom Iran beauftragt. Er behauptet, er sei ein Kameltreiber aus dem Süden, und sagt auch unter Folter nicht die Wahrheit. Wir sollten ihn beseitigen.”

Nicken

Du starrst dem Geheimdienstchef nach. Durch die Unterdrückung deiner Gegner hast du dir viele Feinde gemacht. In den letzten zwei Jahren ist das Land extrem unsicher geworden. Mit der systematischen Folter begann auch deine Paranoia, eines Tages selbst von deinen Feinden gefoltert zu werden. Die USA, die dich vor Jahrzehnten wegen der Gleichberechtigung von Frauen lobten, zeigen sich entsetzt. Du hältst das für scheinheilig, denn du weißt, dass sie selbst Menschen hinrichten und foltern.

Ein Glas Schnaps trinken

Du bist unglücklich mit der ganzen Situation. Viele Menschen fliehen aus dem Land, entweder vor den Folgen des Klimawandels oder aus Angst vor deiner Herrschaft. Doch du weißt nicht, wie du deine Entscheidungen rückgängig machen sollst.

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Saudi-Arabien

30 Jahre später

Enkelin des Kronprinzen

Es ist der Tag deiner Thronbesteigung. Du wirst als erste Königin Saudi-Arabiens das Land regieren. Du trittst ans Fenster des Palastes. Unter dir hat sich eine große Menge versammelt, die dir zujubelt, aber du lässt dich nicht täuschen.

Winken

Die Bevölkerung ist misstrauisch. Obwohl Frauen für ihre Rechte kämpfen, ist der Einfluss des Klerus immer noch stark, besonders die Alten betrachten dich mit Skepsis. Mithilfe der Geistlichen konnten die Umweltprobleme besser angegangen werden; inzwischen ist Saudi-Arabien ein modernes Land, bezieht Strom aus erneuerbaren Energien und gewinnt als erstes Land der Welt in großem Stil Trinkwasser aus dem Meer.

Der Menge zulächeln

Der Preis, den dein Großvater für die Unterstützung des Klerus zahlen musste, ist, dass immer noch eine große Kluft zwischen der Gleichberechtigung der Frauen auf dem Papier und in der Realität ist. Doch du wirst das Erbe deines Großvaters weiterführen und dafür sorgen, dass sich das sehr bald ändert.

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Saudi-Arabien, Riad

3 Jahre später

Kronprinz

Du unterdrückst ein Gähnen. Sitzungen mit dem Umweltminister waren dir schon immer ein Gräuel. “Ich habe schlechte Nachrichten.”, sagt er. War zu erwarten. “Wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen, dürfen wir nicht weiter unsere Ölfelder abpumpen. Wir sollten die Einnahmen aus dem Ölhandel in Erneuerbare Energien stecken.”

Abwinken

Er hat leider Recht. Schon jetzt kämpft Saudi-Arabien mit extremer Hitze und Wasserproblemen. Doch Erneuerbare Energien sind voller Risiken. Dein Land hat nicht die nötige Technologie, um sie auszubauen. Öl dagegen ist eine sichere Einkommensquelle. Die Preise für Öl sind hoch, die Nachfrage steigt täglich.

Überlegen

Dein wichtigster Partner, die USA, sind vom Öl deines Landes abhängig. Du darfst sie nicht enttäuschen, sonst schwebt deine Herrschaft in Gefahr.

Trotzdem in Erneuerbare Energien investieren
Die Ölförderung weiter ausbauen

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Saudi-Arabien, Riad

4 Jahre später

Kronprinz

Es klopft zaghaft. Du bittest den chinesischen Botschafter zur Audienz.

Höflich nimmt er zwei Schlückchen von dem starken Schwarztee, den du ihm servieren lässt, dann kommt er zur Sache: Die Volksrepublik China bietet dem Königreich Saudi-Arabien an, zu seiner Schutzmacht zu werden.

Überrascht aufsehen

Sie versprechen dir Unterstützung beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Allerdings möchten sie auch einige Militärstützpunkte auf deinem Territorium errichten.

Überlegen

Als du entschieden hast, aus dem Erdölgeschäft auszusteigen, versuchten die USA dich mit fadenscheinigen Begründungen wie der mangelnden Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern vom Thron zu stürzen.

Die neue globale Supermacht China an deiner Seite zu haben klingt verlockend, zumal der Ausbau der Erneuerbaren Energien schleppend verläuft. Doch wie werden die USA auf diese Provokation reagieren?

Das Angebot ablehnen
Dem Angebot zustimmen

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Saudi-Arabien, Riad

5 Jahre später

Kronprinz

Die Volksrepublik China hat es dir übel genommen, dass du nicht auf ihr Angebot eingegangen bist. Sie unterstützen jetzt den Erzfeind des Landes, Iran, beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, und haben Truppen im Land stationiert.

Lagebericht durchlesen

Dein Geheimdienst schreibt, der Iran habe bereits eine Atombombe gebaut. Natürlich streitet der Iran alles ab, aber du glaubst ihm kein Wort. Die USA unterstützen dich mittlerweile wieder, und haben Mittelstreckenraketen an der saudischen Grenze positioniert. Es bereitet dir Bauchschmerzen, aber gegen dieses Wettrüsten fühlst du dich machtlos. Alles deutet auf einen 3. Weltkrieg hin.

path_bab

Saudi-Arabien, Riad

30 Jahre später

Kronprinz

Die Rache der USA auf deinen Verrat war perfide: Nach und nach hat der amerikanische Geheimdienst alle deine männlichen Erben getötet. Zwar haben die Chinesen dir geholfen, die Stromversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen und riesige Gewächshäuser in der arabischen Wüste zu bauen. Doch all deine Macht ist verloren, denn deine verbliebene Tochter darf deine Nachfolge nicht antreten.

path_bb

Saudi-Arabien, Riad

10 Jahre später

Kronprinz

In letzter Zeit kannst du auch deinen Cousin zweiten Grades, den Wirtschaftsminister, nicht mehr ausstehen. Ständig kommt er mit schlechten Neuigkeiten: Die Erdölfelder versiegen, der Ölpreis fällt, die Wirtschaft geht den Bach runter.

Auf den Palastboden starren

Die üppigen Geldleistungen, die du den Menschen früher bieten konntest, sind schon lange gestrichen. Die Bevölkerung leidet unter der Situation. Die Königsfamilie schwelgt dagegen immer noch im Luxus und ist bereit Morde zu begehen, um ihren Lifestyle beizubehalten.

Deiner Verwandtschaft das Geld streichen
Bevölkerung im Stich lassen

path_bba

Saudi-Arabien, Riad

2 Monate später

Kronprinz

Auf den Straßen verschleierte Frauen, auf den Ölfeldern reges Treiben – alles scheint so wie immer. Doch der Anblick täuscht. Inzwischen ist die Welt auf Erneuerbare Energien umgestiegen, niemand will mehr Öl. Und in den Haushalten beginnen Frauen gegen ihre Ehemänner zu rebellieren.

Kopfschmerzen ignorieren

Nachdem du deinen Verwandten das Geld weggenommen und damit die Bevölkerung unterstützt hast, hat jemand versucht, dich zu vergiften. Du hast alle deine Verwandten verhaften lassen, sogar deine eigenen Kinder. Jetzt ist das Land unter Kontrolle, aber du bist alt und allein und weißt nicht mehr, was du mit deinem Leben anfangen sollst.

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Saudi-Arabien, Riad

10 Jahre später

Kronprinz

Du liegst auf dem harten Betonboden und starrst auf die Decke deiner Zelle. Die Bevölkerung hat den Niedergang der Wirtschaft und die Folgen des Klimawandels noch ein paar weitere Jahre lang ertragen, dann gab es eine Rebellion gegen deine Herrschaft. Jetzt ist ein Revolutionsrat an der Macht und du verbringst deine letzten Tage in einer trostlosen Zelle. Du bereust, dass du während deiner Herrschaft nie daran gedacht hast, die Todesstrafe abzuschaffen.