Story

Hamsterrad der Macht

Wer bestimmt in einer Demokratie?

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Deutschland, Berlin

2021
Bundeskanzlerin

Jemand klopft an der Tür, doch bevor du “Herein” sagen kannst, stürmt dein Berater in großen Schritten ins Büro und baut sich vor deinem Schreibtisch auf.

“Frau Bundeskanzlerin!”, sagt er atemlos, “Ihr Statement bei der Pressekonferenz, bis 2025 aus Kohle und Atomkraft auszusteigen, ist irrwitzig!”

Beruhigen

“Dieses Vorhaben gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutschland!”, fährt er hitzig fort, “Die erneuerbaren Energien sind noch lange nicht ausgebaut, wir werden uns abhängig vom Ausland machen und Arbeitsplätze verlieren!

Ich bitte Sie für das Wohl der Wirtschaft, Ihre Entscheidung zu überdenken!”

Auf den Berater hören
Am Plan festhalten, Berater feuern
Deutschland, Berlin

3 Jahre später
Bundeskanzlerin

Krisensitzung des Kabinetts, die zweite innerhalb von drei Tagen.

Die Worte der Wirtschaftsministerin wabern durch deinen Kopf. Rezession, rote Zahlen, Stromausfälle…

Du hast Kopfschmerzen. Die beißende Kritik, die seit Monaten auf dich einhagelt, hat dich mitgenommen.

Schluck Wasser trinken

Offenbar hatte dein Berater damals Recht. Die anderen Länder sind deiner Entscheidung nicht gefolgt, halten weiter an Atomkraft fest.

Dein ehemaliger Berater arbeitet jetzt für einen großen Energiekonzern und fährt eine Kampagne gegen dich.

Das Schicksal der Arbeiter, die durch den Kohle- und Atomausstieg ihre Arbeitsplätze verlieren werden, bewegt die Öffentlichkeit.

Kurzfristigen Stromausfall ignorieren

Du sitzt im Dunkeln deinen Ministern gegenüber und fühlst dich miserabel.

Bald ist wieder Bundestagswahl.

Wenn das so weitergeht, stehen deine Chancen auf den Kanzlerjob nicht gut.

Öffentlichkeit beruhigen: Kohleausstieg um 5 Jahre verschieben
Weiter wie bisher und hoffen, dass der Shitstorm nachlässt
Deutschland, Lausitz

zwei Monate später
Thorsten

Du findest deine Kündigung im Briefkasten und schäumst vor Wut und Enttäuschung.

Bis zur letzten Minute hattest du gehofft, deinen Arbeitsplatz als Baggerfahrer im Tagebau behalten zu können.

Mit über 50 wirst du sehr wahrscheinlich nie wieder einen Job finden. Die Altersarmut ist vorprogrammiert.

Kündigung zerreißen

Denen da oben, die sich keinen Deut um das Schicksal einfacher Bürger scheren, willst du es zeigen.

Damit sie “das Klima” retten können, nehmen sie in Kauf, dass Menschen wie du im Alter Flaschen sammeln müssen.

Doch du willst dich nicht kampflos ergeben.

Für bedingungsloses Grundeinkommen demonstrieren
Partei wählen, die diesem Unsinn ein Ende bereitet
Deutschland, Lausitz

20 Jahre später
Bundeskanzlerin

Langsam läufst du den Kiesstrand entlang und blickst auf das tiefblaue Wasser des Badesees.

Kaum zu glauben, was die Region für einen Wandel erlebt hat, seit du hier vor 20 Jahren das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt hast.

Falafel am Kiosk kaufen

Ganz Deutschland konnte beobachten wie die Menschen in der Region mit dem bedingungslosen Geld auch ihre Freiheit und Kreativität wiederfanden.

Die alten Braunkohletagesstätten wurden zu Seen, zu Abenteuerspielplätzen oder zu Museen.

Und die Menschen machen das, wofür sie brennen: Malen, backen, gärtnern, forschen, Bücher schreiben…

Zufrieden lächeln

Du bist stolz, dass du damals den Mut hattest, das Experiment zu wagen. Es war die beste Entscheidung deiner Karriere.

Die amtierende Regierung überlegt nun, das Ganze deutschlandweit einzuführen. Du hoffst, dass es klappt.

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Deutschland, Berlin

2 Jahre später
Bundeskanzlerin

Du sitzt in deinem Büro im Paul-Löbe-Haus und feilst an deiner Rede, die du gleich halten wirst.

Viele Leute haben dich verspottet, als du abgewählt worden bist.

Die amtierende Regierung hat alle deine Reformen rückgängig gemacht, aber damit wurde die Situation auch nicht besser.

Fertigschreiben

4 wertvolle Jahre verloren.

Die Folgen des Klimawandels machen sich immer stärker bemerkbar. Schon wieder haben die deutschen Bauern Ernteausfälle zu beklagen.

Das Chaos wird noch eine Weile weitergehen.

Büro verlassen

Bei der nächsten Bundestagswahl stehen deine Chancen gut. Auf deiner Agenda stehen geradezu revolutionäre Punkte: bedingungsloses Grundeinkommen, eine ökologische Steuerreform, Abschied vom Wirtschaftswachstum.

Die Menschen unterstützen dich, denn sie wollen jetzt mutige Entscheidungen sehen.

Gemeinsam werden wir die Wende vielleicht noch kratzen, denkst du. Dann betrittst du den Plenarsaal.

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Deutschland, Berlin

7 Jahre später
Bundeskanzlerin

Die Entscheidung damals hat dir zur Wiederwahl verholfen, aber war langfristig ein Fehler.

Der Energiekonzern ist mittlerweile wegen Börsenspekulationen bankrott, dazu kommen die verlorenen Arbeitsplätze in der Solarindustrie, die du damals gar nicht mitbedacht hast.

Dein Handy vibriert leise.

Aufs Smarthpone schauen

Es ist der Präsident von Mauretanien. Du weißt, was er möchte, und stellst das Handy auf Flugmodus.

Die Verhandlungen mit den afrikanischen Ländern sind zäher als erwartet.

Weil der Ausbau der Erneuerbaren jahrelang verschleppt wurde, ist die einzige Chance auf eine gelungene “Energiewende” eine starke Kooperation mit afrikanischen Ländern.

Lagebericht der deutschen Diplomaten öffnen

Die Afrikaner sind geschickte Verhandler.

Sie wissen, dass Europa die großen sonnenreichen Gebiete des afrikanischen Kontinents braucht, um dort hocheffiziente Solaranlagen zu bauen.

Sie verlangen, den größten Teil der möglichen Gewinne zu bekommen, während die Länder aus dem Norden für die Investitionen bezahlen sollen.

Überlegen

Bei der Bevölkerung kommt es nicht gut an, sich abhängig vom Ausland zu machen.

Aber irgendwo muss die Energie herkommen.

Die Zeit der Kohle ist vorüber.

Lieber die Erneuerbaren in Deutschland weiter ausbauen
Bedingungen der afrikanischen Staaten zustimmen
Berlin, Deutschland

10 Jahre später
Bundeskanzlerin

Deine letzte Amtszeit geht zu Ende.

Du wirst vor allem für deine Weitsicht in die deutsche Geschichte eingehen, denn die Kooperation mit den afrikanischen Ländern war eine vernünftige Entscheidung: Stromausfälle sind eine Seltenheit geworden, denn Hochleistungstrassen versorgen Europa mit Sonnenstrom aus der afrikanischen Wüste.

Aus dem Fenster schauen

Berlin ist “multikulti” wie schon immer, aber entgegen aller Befürchtungen nicht von Flüchtlingen überlaufen.

Mit dem Geld, das in die nordafrikanischen Staaten fließt, ist es den Regierungen gelungen, ihre Länder langsam zu entwickeln, sodass die Menschen eine Perspektive in ihrer Heimat sehen.

Zwar gibt es immer noch große Probleme mit der Korruption, doch mit steigendem Wohlstand haben die Menschen Zeit, sich mit Politik zu beschäftigen und gegen die Missstände zu demonstrieren.

Büro verlassen

Zeit, sich aus der Politik zu verabschieden. Du wirst nach Burkina Faso ziehen und die Entwicklung des Landes mit eigenen Augen verfolgen.

Von den Lobbyisten in grauen Anzügen, die dich hier jeden Tag belagern, hast du genug gesehen.

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Berlin, Deutschland

10 Jahre später
Bundeskanzlerin

Du stehst in deinem Schrebergarten und erntest mit deinen Enkeln Zucchini und Kürbisse. Dieses Jahr ist wegen der Hitze nicht so viel gewachsen, aber für die Gemüsespieße wird es reichen.

Dafür liefern die Solarzellen auf dem Dach genügend Strom, um zu kochen, warm zu duschen und das Tablett aufzuladen.

Schweiß von der Stirn wischen

Der Ausbau der Erneuerbaren kam langsamer voran als du dachtest, und am Ende wurdest du abgewählt.

Du wurdest als Zerstörerin der deutschen Wirtschaft und als Einsiedlerin beschimpft. Trotzdem hat die Nachfolgeregierung deinen Kurs weiterverfolgt.

Inzwischen sind die kritischen Stimmen verstummt.

Ins Gras setzen

Obwohl der Lebensstandard in Deutschland gesunken ist, scheinen die Menschen nicht unglücklich zu sein.

Während das Leben in anderen Ländern sich immer weiter beschleunigt, herrscht hier eine Gelassenheit, für die Deutschland beneidet wird.

Du bist nicht sicher, ob du alles richtig gemacht hast. Die Idylle, die vorherrscht, ist trügerisch. Der Versuch, unabhängig von anderen Ländern zu sein, könnte krachend scheitern.

Doch fürs Erste kommt dir Deutschland vor wie ein der Zeit entrücktes kleines Paradies.

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Deutschland, Berlin

8 Jahre später
Bundeskanzlerin

Der Wissenschaftler vom Institut für Klimafolgenforschung versucht, mit ruhiger Stimme zu sprechen, aber du siehst ihm die Hysterie an.

“Sie müssen diesen Klimaschutzmaßnahmen zustimmen! Die Welt steht kurz vor der Katastrophe!”

Er hat leider Recht. Der Klimawandel ist noch viel todbringender, als von den Wissenschaftlern prognostiziert.

Bericht der DAX-Konzerne überfliegen

Leider werden die von den Vereinten Nationen vorgeschlagenen Klimaschutzmaßnahmen auch eine Katastrophe für die Wirtschaft sein.

Vor 10 Jahren nicht konsequent Klimaschutz betrieben zu haben, war ein fataler Fehler.

Jetzt müssen so drastische Maßnahmen getroffen werden, dass die Wirtschaft zum Erliegen kommen könnte.

Bericht in den Müll werfen

Die Konzerne drohen, in die USA und China abzuwandern, die das Klimaschutzprogramm ablehnen.

Die Wissenschaftler drängen dich, dem Programm zuzustimmen. Was tun?

Der Wissenschaft folgen
Der Wirtschaft folgen
Deutschland, Berlin

1 Jahr später
Bundeskanzlerin

Die Frau von der Auto-Industrie betritt dein Büro.

“Unsere Branche steckt tief in der Krise.”, sagt sie, “Ihre Entscheidung für das Klimaschutzprogramm war schon ein schwerer Schlag für uns, aber die Subventionen für die E-Autos zu streichen, werden uns den Todesschlag versetzen!”

Sie redet noch weitere 10 Minuten und sagt dann: “Bitte überlegen Sie noch einmal, was Sie tun! Denken Sie an die ganzen Arbeitsplätze und an die Technologie, die wir an die Koreaner verlieren werden!”

Gespräch beenden

Ihr Gesichtsausdruck erinnert dich an den deines Entwicklungsministers, als er nach seiner Afrika-Reise mit dir gesprochen hat.

“Die Lage dort ist kaum auszuhalten. Der Klimawandel macht ganze Regionen zur Wüste. Menschen verhungern auf offener Straße. Wir müssen in die Armutsbekämpfung dort investieren, mit riesigen Summen, sonst wird das Leid bald bei uns anklopfen!”

Der Staatshaushalt ist begrenzt. Du musst eine Entscheidung treffen.

Mit dem Geld aus den Subventionen Armut bekämpfen
Weiter E-Autos subventionieren
Deutschland

5 Jahre später.
Bundeskanzlerin

Die Welt hat gerade noch die Kurve gekriegt.

Die USA und China sind zur Vernunft gekommen, nachdem alle anderen Länder sich dem Klimaschutzprogramm angeschlossen haben.

Nicht nur die Autoindustrie in Deutschland ist zu Bruch gegangen, weltweit können sich die Menschen keine Autos mehr leisten.

Durchatmen

Dafür haben sich neue Sektoren gebildet.

Die Fahrrad- und Segelschiffindustrie zum Beispiel.

Auch die Flüchtlingsströme aus Afrika sind etwas zurückgegangen, seit die EU große Summen in den Aufbau nachhaltiger Infrastruktur, Bildung und Landwirtschaft vor Ort investiert.

Zurückdenken

Heute bedauerst du, dass du nicht schon vor 14 Jahren mutigere Entscheidungen getroffen hast.

Erst der Zusammenbruch ganzer Industrien hat die Welt zum Nachdenken gebracht.

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, würdest du dich anders entscheiden?

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Deutschland

3 Jahre später
Bundeskanzlerin

Die Bilder auf dem Bildschirm sind belastend.

Als Kanzlerin bist du eine der wenigen, die noch uneingeschränkt digitale Geräte benutzen dürfen.

Trotzdem würdest du am liebsten den Laptop ausschalten.

Genauer hinschauen

Hunderttausende von Elektro-Autos stehen auf einer riesigen Betonfläche und warten auf ihre Verschrottung.

Die Branche hat viele Autos produziert, doch leider hat sich die Technik zur Energieerzeugung nicht im gleichen Tempo weiterentwickelt.

Es kann nicht genügend Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt werden, um die Autos zu betreiben.

Die jahrelangen Subventionen waren letztlich nur Geldverschwendung.

Nächstes Bild anschauen

Ein italienischer Sandstrand, auf dem sich die Leichen ertrunkener Flüchtlinge türmen.

Jeden Tag werden neue Körper angespült. An Badeurlaub denkt hier keiner mehr.

Du schüttelst den Kopf.

Die Welt hat den Zusammenbruch des Ökosystems vorerst verhindert, doch sie wird noch lange den Preis dafür zahlen, dass sie Jahrzehnte lang die drängendsten Probleme des Planeten ignoriert hat.

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Deutschland

8 Jahre später
Bundeskanzlerin

Die Menschheit hat es nicht geschafft, den Klimawandel aufzuhalten und frisst weiterhin Ressourcen, als ob es kein Morgen gäbe.

Wissenschaftlern zufolge, haben die ökologischen Systeme kritische Punkte überschritten, die nicht wieder rückgängig gemacht werden können.

Die arabische Halbinsel und ein Drittel des afrikanischen Kontinents sind unbewohnbar geworden.

Aus dem Fenster schauen

Es sind deine letzten Tage als Kanzlerin, du sehnst dich nach dem Ende.

An den europäischen Außengrenzen spielen sich ungeheure Szenen ab. Dir kommt es so vor, als hätten die anderen europäischen Länder vergessen, was Menschenrechte sind. Du möchtest die Flüchtlinge aufnehmen, aber das könnte noch mehr Menschen dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen.

Alleine kann Deutschland diese Massen nicht bewältigen.

Grenzen dicht machen
Flüchtlinge aufnehmen
Berlin, Deutschland

10 Jahre später
Bundeskanzlerin

Der Altenpfleger mit jemenitischen Wurzeln bringt dir deine Antidepressiva und lächelt dich aufmunternd an.

Du weißt nicht, was du fühlen sollst.

Deutschland ist nicht mehr wiederzuerkennen.

Der Staat war mit den vielen Neuankömmlingen völlig überfordert, die Gesellschaft ist immer noch tief gespalten. Misstrauen und Fremdenhass greifen um sich.

Medikamente schlucken

Es hätte noch schlimmer kommen können, das ist dein einziger Trost.

Deine Entscheidung, Flüchtlinge aufzunehmen, hat dazu geführt, dass es mittlerweile ein Recht auf Asyl für Klimaflüchtlinge gibt.

Viele Menschen waren von deiner Entscheidung damals beeindruckt, die globale Solidarität scheint zu wachsen. Das ist auch dringend nötig.

Denn der Klimawandel hört nicht auf.

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Deutschland, Lausitz

10 Jahre später
Bundeskanzlerin

Die Grenzen zu schließen hat nichts gebracht.

Selbst als die Staaten anfingen, auf Flüchtlinge zu schießen, war es schon zu spät.

Irgendwann überrollten die Menschenmassen die “Festung Europa”, das ganze System brach zusammen.

Nun regiert das Chaos und die Verwüstung. Ein permanenter Kriegszustand.

Augen schließen

Du hast dich in einer kleinen Hütte am Rande eines früheren Braunkohletagebaus verschanzt, staunst über die Kurzsichtigkeit der Menschheit und wartest auf das Ende.

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